Bei der "Offensive junger Christen" können junge Leute auch weiterhin ein FSJ absolvieren

„Offensive junger Christen“ darf weiter FSJ anbieten

Die „Offensive junger Christen“ (OJC) darf jungen Menschen weiterhin ein Freiwilliges Soziales Jahr anbieten. Wegen der angeblichen Diskriminierung Homosexueller muss der Verein jedoch Einschränkungen hinnehmen.

Das Land Hessen hatte Ende 2012 eine Überprüfung der Zusammenarbeit mit der evangelischen Organisation angekündigt, weil diese angeblich gemeinsam mit dem „Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) die „Heilung“ von Homosexualität propagiere (pro berichtete). Laut Informationen des Hessischen Rundfunks gibt es nun darüber hinaus einen Beschluss des Bundesfamilienministeriums und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland, wonach die „Offensive junger Christen“ auch weiterhin anerkannte Trägerin für das Freiwillige Soziale Jahr bleiben darf.

Dem Beschluss war eine bundesweite Sonderprüfung des christlichen Vereins vorausgegangen. Als kritisch wurden die Thesen des DIJG angesehen, Homosexualität sei weder angeboren noch genetisch festgelegt und habe ihre Wurzeln oft in „frühkindlichen seelischen Verletzungen“. Das Familienministerium und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend sehen in dieser Haltung des DIJG zwar keinen Grund, die Trägerschaft der „Offensive junger Christen“ für das FSJ grundsätzlich in Frage zu stellen. Einige Auflagen und Empfehlungen muss der christliche Verein dennoch hinnehmen: Die Arbeit der OJC und die Arbeit des DIJG müssten deutlicher getrennt werden, heißt es in dem Prüfungsbericht. Unter anderem dürften bei Seminaren für die Absolventen eines FSJ keine Referenten des DIJG mehr eingesetzt werden. Außerdem soll die pädagogische Begleitung des Sozialen Jahres kontinuierlich überprüft werden.

Kritik von Grünen Auslöser für Überprüfung

Auslöser für die Überprüfung der OJC war eine kleine Anfrage des hessischen Grünen-Abgeordneten Kai Klose. Er hatte 2012 die angebliche Diskriminierung Homosexueller und die Fördergelder, welche die OJC von Bund und Land erhält, kritisiert. Der hessische Sozialminister Stephan Grüttner (CDU) hatte daraufhin die Überprüfung in die Wege geleitet und erklärt, dass Homosexualität „keine Krankheit“ sei und keiner Therapie bedürfe. Das hessische Sozialministerium hat zu seiner eigenen Überprüfung der OJC noch keine Ergebnisse vorgelegt.

Eine Sprecherin der OJC hatte die Vorwürfe im Dezember 2012 gegenüber pro als „verleumderisch“ zurückgewiesen und auch die Medienberichterstattung über den Fall kritisiert. Der Hessische Rundfunk habe die Positionen der OJC zu Homosexualität nicht korrekt wiedergegeben. Die OJC bekräftigte am Mittwoch gegenüber pro ihr Statement vom Dezember 2012: „Unsere Auffassung in Fragen zur Homosexualität unterscheidet sich grundlegend von den Unterstellungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen“, heißt es darin. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeder Diskriminierung homosexuell orientierter Menschen. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass homosexuell empfindende Menschen das Recht haben, eine homosexuelle Identität anzunehmen und einen homosexuellen Lebensstil zu wählen.“ Zudem seien die Vorwürfe gegen das Weltbild der OJC nie konkret definiert oder anhand von Beispielen belegt worden.

Die „Offensive junger Christen“ mit Sitz im südhessischen Reichelsheim hat zwischen 2009 und Anfang 2013 etwa 20.000 Euro vom Bund und 13.000 Euro vom Land Hessen erhalten. Im laufenden Jahr kommen nach Angaben der OJC 780 Euro vom Land Hessen dazu. (pro)

Von: mb

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