Islamisten setzen Christen in Mali zunehmend unter Druck.

Christen flüchten vor Islamisten in Mali

Christen flüchten aus dem von separatistischen Rebellen kontrollierten Norden Malis. Sie haben Angst vor den Islamisten und der Einführung der strengen islamischen Scharia-Gesetzgebung.

"Die Christen fürchten um ihr Leben." Der katholische Priester Guillaume Sembe ist aus seiner Heimatstadt Gao in Nordmali geflohen. Vor sechs Wochen übernahmen die Islamisten der Tuareg-Separatistengruppe Ansar Dine die Kontrolle in der Region. Neunzig Prozent der Christen hätten es ihm bereits gleichgetan, erzählt er am Telefon aus der Hauptstadt Bamako. Sie sind entweder geflohen oder untergetaucht. Christliche Einrichtungen wurden angegriffen oder zerstört, berichten Augenzeugen.

Auch für die katholische Lehrerin Elizabeth Diallo Seck wurde es in Gao zu gefährlich. "Am 4. April packte ich meine Kinder und wir setzten uns in einen Bus" nach Süden, erzählt sie. Dort wollen sie fürs Erste bleiben. Ihre Schule sei geschlossen, die Schüler in alle Winde zerstreut. "Ich weiß nicht, wo sie sind. Die Familien nahmen die billigsten und schnellsten Routen, um von dort wegzukommen."

Die Islamisten haben strenge Scharia-Gesetze in der Region durchgesetzt. "Frauen haben christliche Symbole verhüllt und viele sind geflohen, nachdem die Gebäude von christlichen Hilfsorganisationen niedergebrannt worden waren", erzählt Sembe. Vor einem Monat wurde eine Schweizer Missionarin gekidnappt. Zeugen verdächtigen Ansar Dine. Den Separatisten werden Verbindungen zur Terror-Organisation Al-Qaida im islamischen Maghreb nachgesagt.

Wie die Rebellen der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) nutzte Ansar Dine die Gunst der Stunde nach dem Rückzug der Armee aus Nordmali in Folge eines Putsches im März und übernahm die Kontrolle. Die MNLA bestreitet Verbindungen zu den Islamisten.

Mehr als 300.000 Menschen geflohen

Die Zahl der Flüchtlinge aus Nordmali ist nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" innerhalb weniger Wochen dramatisch angestiegen. Die Flüchtlinge versuchen mit allen Mitteln, sich in Sicherheit zu bringen. Sie flüchten in Autos, Bussen, auf Eseln oder sogar Kamelen. Das UN-Kinderhilfswerk "Unicef" geht davon aus, dass inzwischen mehr als 300.000 Menschen aus dem Norden Malis geflohen sind – in andere Regionen des Landes oder über die Grenze in Nachbarstaaten wie Burkina Faso oder Niger. Auch christliche Hilfsorganisationen wie die Caritas mussten Nordmali verlassen. Caritas-Mitarbeiter seien aus Gao geflohen, erzählt Pfarrer Jean-Jacques, der Caritas-Direktor der Stadt. "Das Zentrum und die Kirchengebäude wurden zerstört."

Für den Sekretär der Bischofskonferenz Malis, Pfarrer Edmond Dembele, sind die Geschehnisse in Gao Grund zu "großer Sorge". Die Versuche der erstarkten Islamisten, im ganzen Land die Scharia-Gesetzgebung einzuführen, seien "besorgniserregend", sagte er dem Magazin "Catholic Culture". (dpa)

Von: aw

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