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Muslimische Vertreter: „Wir fühlen uns wie die Juden“

B e r l i n (PRO) - Mehr als ernüchternde Einblicke hinter die Kulissen der zweiten Islamkonferenz, die am vergangenen Mittwoch in Berlin stattfand, bietet ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Muslimische Vertreter sollen sich etwa über die Berichterstattung der Medien mit dem Hinweis geäußert haben, sie fühlten sich derzeit „wie die Juden“ vor der Machtergreifung der Nazis.
Von PRO

Viel Lob und Dank habe es am vergangenen Mittwoch von Teilnehmern der Islamkonferenz für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gegeben – „dafür“, so der „Spiegel“, „dass der Christdemokrat und Kirchgänger den Gesprächsprozess mit Muslimen angestoßen habe“. Freundlichkeiten seien ausgetauscht, aber auch weitreichende Forderungen geäußert worden. Etwa die nach einer staatlichen Anerkennung des neu gegründeten „Koordinierungsrates der Muslime“ (KRM).

Der KRM, in dem sich vier muslimische Verbände zusammengeschlossen haben, soll als Religionsgemeinschaft und Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden. Dies sei laut Experten auf lange Sicht das Ziel der Muslime, die damit den christlichen Kirchen gleichgestellt wären. Muslime könnten dann „über das Finanzamt Steuern eintreiben, Rundfunkräte entsenden, konfessionelle Friedhöfe betreiben oder als Träger von Jugendheimen öffentliche Mittel einstreichen“.

Von rund 3,3 Millionen Muslimen sind 20 Prozent in Verbänden

„Der KRM kämpft um die Deutungshoheit des Islam in Deutschland“, so der „Spiegel“ weiter. In ihm sind rund 20 Prozent der etwa 3,3 Millionen Muslime in Deutschland organisiert. „Würde er als Religionsgemeinschaft anerkannt, stiege er für den Staat zum legitimen Ansprechpartner in Fragen wie dem Religionsunterricht oder der Seelsorge auf.“ Jedoch empfänden viele säkulare Muslime aufgrund der konservativen Ausrichtung des KRM „schon jetzt Unbehagen“.

Denn der Rat setzt sich aus Verbänden zusammen, deren größter der „Islamrat für die BRD“ (geschätzte 136.000 Mitglieder) ist. In ihm sammeln sich Anhänger von Mili Görüs, einer vom Verfassungsschutz beobachteten islamischen Gruppierung. Weitere Mitglieder des KRM sind die Verbände „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (Ditib) mit geschätzten 118.000 Mitgliedern, der „Verband der Islamischen Kulturzentren“ (VIKZ, 20.000 Mitglieder) und der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD, 12.000), dessen Vorsitzender der deutschstämmige Konvertit Ayyub Axel Köhler ist, der gleichzeitig als Sprecher und Vorsitzender des KRM fungiert. Mit dem 1938 in Stettin geborenen und 1963 zum Islam konvertierten Köhler haben die Muslime in Deutschland einen aus deren Sicht wohl vertrauenserweckenden Repräsentanten. Vorgänger Köhlers als Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland war Nadeem Elyas.

Positive Berichte über Islam: „Quote für die Medien“

Jedenfalls hielten sich laut „Spiegel“ einige Teilnehmer der Islamkonferenz mit ihren Meinungen und Forderungen nicht weiter zurück. „Momentan ziehen die KRM-Leute an einem Strang. Wie sehr, davon bekam der Minister (Schäuble) vorigen Mittwoch einen Eindruck“, so die „Spiegel“-Autoren. Im Arbeitskreis Medien und Wirtschaft etwa hätten Muslimvertreter „lange Klagelieder über das falsche Islambild der Gesellschaft und über deutsche Medien, die eine islamfeindliche Atmosphäre schürten“, gesungen. Diese seien in dem Aufschrei gegipfelt, „die Muslime fühlten sich ‚wie die Juden‘ vor der Machtergreifung der Nazis. Aleviten-Vertreter Toprak protestierte, weil der Vergleich ‚geschichtlich falsch und politisch falsch‘ sei – doch er bekam wenig Unterstützung“, so der „Spiegel“.

Auch eine Studie über die angeblich verzerrende Berichterstattung von ARD und ZDF über den Islam wurde zitiert und den beiden Sendern unterstellt, die schürten „Islam-Angst“. Doch eine Forderung, über die die „Spiegel“-Autoren berichten, lässt aufhorchen: „Sogar straffe Vorgaben für Journalisten deutscher Medien wurden diskutiert. So war auf der Konferenz allen Ernstes von einer 30-prozentigen Quote ‚neutraler oder positiver Berichte‘ über Muslime die Rede.“

Bundesinnenminister Schäuble jedenfalls rief zur Eröffnung der zweiten Islamkonferenz weiterhin zu Gelassenheit auf: „Wir befinden uns am Anfang eines steinigen Weges. Doch ich will, dass alle Menschen, gleich welchen Glaubens, Teil einer Gesellschaft sind, zu der sie gehören wollen und die sie respektiert. Der Weg dahin erfordert von uns allen noch viel Geduld – und auch Gelassenheit. Die ersten Schritte sind nun gemacht“, sagte der Bundesinnenminister.

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