Mehr als 6.000 Videos deutschsprachiger Tiktok-Accounts hat der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe ausgewertet. „Einige von ihnen bringen es auf mehrere Hunderttausend Follower, viele der Videos generieren Klickzahlen in Millionenhöhe“, heißt es im Artikel.
Umso erschreckender scheint das, wenn man auf die Inhalte blickt. Unter den untersuchten Accounts sind solche von Islamisten mit Namen wie „Abdelhamid“ oder „Abul Baraa“. Aber auch Beiträge der radikalen Konvertitin Viktoria Stadtlander alias Hanna Hansen. Die ehemalige Kickboxerin und heutige Salafistin hat auf Tiktok 243.000 Follower und wird vom Verfassungsschutz beobachtet, schreibt der „Spiegel“.
Das Phänomen erinnert an das breit diskutierte Thema der sogenannten Christfluencer. Beliebt seien nämlich auch „muslimische Lifestyle-Influencer wie Dzenan und Amina, ein junges Ehepaar aus Stuttgart mit rund 276.000 Followern“. Sie seien nicht extremistisch, lebten ihren Fans aber eine streng konservative Rollenverteilung vor. Etwa, „dass eine Muslimin nicht neben fremden Männern im Bus sitzen dürfe oder eine Ärztin keine Männer behandeln solle“.
Konservativ bis islamistisch
Die Journalisten folgern: „Wer sich auf Tiktok bewegt, kann den Eindruck bekommen, dass es nur eine einzige mögliche Auslegung der Religion gibt: sehr konservativ bis islamistisch.“ Die Influencer seien gegen die Ehe für homosexuelle Paare, bejaten aber die Mehrehe. Allgemein sollten sich Frauen den Männern unterordnen.
Ein Phänomen, das durchaus Einfluss auf das echte Leben vieler junger Muslime habe. So zitiert der „Spiegel“ etwa Rolf Haßelkus, Realschullehrer für praktische Philosophie, Geschichte und Sport und Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW in Bonn. „Vor allem im Sportunterricht merkten seine Kolleginnen und er, dass sich etwas verändert habe. Manche muslimische Mädchen entzögen sich dem Schwimmunterricht inzwischen komplett.
Und weiter: „Die Jugendlichen sind in einem Alter, in dem sie nach Orientierung suchen und häufig in Identitätskrisen stecken“, sagt Haßelkus. „Viele mussten schon Erfahrungen mit Diskriminierung machen. Wenn dann so ein Influencer mit einem großen Verständnis für ihre Probleme und einfachen Botschaften kommt, verfängt das schnell.“