Ihre Stimmen haben Gewicht im politischen Diskurs. Liberale Muslime wie Mouhanad Khorchide und Seyran Ates warnen davor, dass der Fastenmonat Ramadan zunehmend politisch vereinnahmt wird. Sie beobachten „einen spürbaren Wandel in der Bedeutung von Religion unter Muslimen in Deutschland“.
Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass sich manche Jugendliche als eine Art Religionspolizei aufspielten. Sie würden Mitschüler mobben oder unter Druck setzen, die nicht fasteten. Männlichkeit werde hier als Demonstration körperlicher Leistungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und vermeintlicher religiöser Stärke missverstanden.
Seien es früher die persönliche Gottesbeziehung und ethische Anliegen des Islam gewesen, rückten an deren Stelle immer häufiger religiöse Rituale oder sichtbare Symbole als Marker von Zugehörigkeit, sagte Khorchide. Wer nicht faste, müsse sich häufig rechtfertigen.
Private Beziehung zu Gott steht im Mittelpunkt
Die Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Seyran Ates, warnt deutlich vor dieser Entwicklung. Politiker müssten genau prüfen, von welchen Organisationen sie zum Fastenbrechen eingeladen werden, betonte sie gegenüber der KNA. Oft handele es sich dabei um vom Verfassungsschutz beobachtete Institutionen. Der islamische Glaube stelle aus ihrer Sicht die private Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt.