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Muslime mit Sympathien für das Christentum

Das aus Afghanistan stammende Ehepaar Sohra und Abdul C. liest zwar im Koran, schickt seine 13-jährige Tochter bewusst auf eine christliche Schule. Zum einen wegen einer Skepsis dem extremistischen Islam gegenüber, zum anderen wegen einer Faszination für die christliche Kultur. "Zeit online" berichtet von einem gesunden Mischmasch zweier Kulturen, die in den Medien so oft voneinander getrennt betrachtet werden.
Von PRO

Foto: Ikhlasul Amal

Laila ist die 13-jährige Tochter von Sohra und Abdul C., die nicht wollen, dass ihr vollständiger Name in der Zeitung genannt wird. Denn ihre Haltung ist liberal, und ihre Tochter schicken sie auf ein kirchliches Gymnasium. Dort ist der christliche Religionsunterricht Pflicht– ebenso wie der Gottesdienst, der monatlich in der schuleigenen Kirche gefeiert wird. Das Ehepaar hegt Misstrauen gegenüber dem fanatischen Islam. "Dieses Misstrauen fängt damit an, dass die C.s ihren Namen nicht in der ZEIT veröffentlicht sehen wollen", schreibt die Autorin Sabine Rückert, die Theologie und Zeitungswissenschaft studiert hat. In einer Zeit, in der Karikaturisten wegen antiislamistischer Zeichnungen mit dem Tode bedroht werden, befürchten sie Angriffe aus der eigenen Gemeinde, wenn ihre liberale Haltung in Glaubensfragen publik wird. Auch ihre Gesichter zeigen sie dem Fotografen nicht. Es gebe "zu viele religiöse Eiferer".

Lailas Leben sei eine "sorglose Melange aus Christentum und Islam" und ein "traumwandlerisches Daheimsein in zwei unterschiedlichen Offenbarungen Gottes, die für Laila mit jedem Tag mehr zu einer einzigen verschmelzen", schreibt "Zeit"-Autorin. Und so gestaltet Laila in ihrer Schule Gottesdienste mit oder übernimmt eine Rolle in einem Bibliodrama zu Jesus, der auf dem Wasser wandelt. "Laila weiß, dass Ostern das Fest der Auferstehung ist, sie kennt die vier Evangelien und die Psalmen des Alten Testaments." Zu ihrem 13. Geburtstag hat sie kürzlich ihre besten Freundinnen eingeladen, alles Christenmädchen. Sie sagt, das Christentum sei ihr näher, auch wenn der Islam weiter ihr "Zuhause" sei.

Bei Christen kein Zwang zum Gebet

Gleichzeitig geht sie an den Wochenenden mit der Mutter in die Moschee. Einmal pro Woche ist zudem ein Unterricht in persischer Schrift angesagt. Der findet in Lailas Muttersprache Dari, Altpersisch, statt. Doch als die Koranlehrerin damit angefangen habe, die Mädchen zu nötigen, sich hinzuknien und ihr arabische Verse aus dem Koran nachzusprechen, sei Lailas Vater böse geworden. Er sorgte dafür, dass Laila erst zum Unterricht gehen sollte, wenn die Gebetszeit vorüber ist. "Wenn ich merke, dass jemand Macht über meine Gedanken haben will, reagiere ich allergisch. Wenn Missionare meine Tochter in der Moschee zum Beten zwingen, hört bei mir der Spaß auf", sagt Abdul C.

Die Gottesdienste in Lailas Gymnasium regen Abdul C. hingegen nicht auf: Niemand verlange dort, dass das Mädchen mitbete. Beim Vaterunser hätten die muslimischen Kinder lediglich aufzustehen und zum Zeichen des Respekts die Baseballkappen abzunehmen, doch keiner habe je versucht, sie zu bekehren. Niemand dränge Laila das Christentum auf, sagt er gegenüber der "Zeit". Er selbst betrete nie eine Kirche. "Religion ist etwas allein zwischen mir und meinem Gott", sagt Abdul C., "ich unterschreibe bei keiner Gruppe, ich brauche niemanden, der mir sagt, wie ich beten soll." Der Islam ist für ihn bloß eine Offenbarung unter vielen. Eine gute Tat bleibt eine gute Tat, egal ob sie von einem Muslim begangen wird, einem Juden oder einem Aborigine, ist Abdul C. überzeugt. "Und Gott bleibt Gott, egal ob ich ihn auf Deutsch anrufe oder in Urdu."

"Muslimische Jugendliche haben Gefühl für das Heilige"

In Lailas christlicher Schule macht der Anteil muslimischer Kinder etwa zehn Prozent aus. Deren Eltern stammen fast alle aus der Akademikerschicht, sind Ärzte, Journalisten, Ingenieure und Psychologen. "Sie sind liberal und wünschen sich für ihre Kinder eine Werteerziehung jenseits des Materiellen, die sie an staatlichen Gymnasien nicht finden. Sie spüren eine Geistesverwandtschaft mit dem aufgeklärten Christentum. Die gemeinsame Hinwendung zur Bildung verbindet sie mit den Menschen ihres Gastlandes stärker, als die Religionen sie zu trennen vermöchten."

Der Schulpfarrer sagt gegenüber der "Zeit"-Autorin, wenn es mentale Entfremdung unter den Schülern gäbe, dann registriere er sie weniger zwischen den muslimischen und den christlichen Kindern, als vielmehr zwischen jenen Schülern aus atheistischen Familien und denen, die mit einer Religion aufgewachsen sind. Er sagt: "Der Blick des Menschen auf die Welt hängt doch davon ab, ob er sich für ein Geschöpf Gottes hält oder für Gott selbst." Die muslimischen Jugendlichen kämen gern und ohne Scheu zur Kirche, denn sie hätten "ein tiefes Gefühl für das Heilige".

Lailas Eltern lesen zwar im Koran und schwärmen "bei grünem Tee und süßem Gebäck von ihrer Kultur, von ihrer Religion, ohne müde zu werden". Doch Abdul C., der als 18-Jähriger aus Afghanistan floh und heute einen Baumarkt leitet, hegt eine Abneigung gegen jegliche Art von Indoktrination. "Er ist gegen den Bau von Minaretten an europäischen Moscheen, begrüßt das belgische Verschleierungsverbot und schlägt um Mullahs und Imame einen großen Bogen." Ob Laila an Jesus oder an Mohammed glaubt, sei ihm egal. Auf die Frage, ob sie sich einen nichtmuslimischen Ehemann vorstellen könnte, sagt Laila: "Warum nicht?" Auf den Mann komme es an, nicht auf die Religion. (pro)
http://www.zeit.de/2010/22/GZ-Leila?page=all
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