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Muslim-Generalsekretär: “Ein völlig falsches Bild”

Das Blutbad am Flughafen Frankfurt hat die Menschen in Deutschland wieder neu für den Terror sensibilisiert. Am Mittwoch hatte ein 25-jähriger Moslem bei einem Anschlag mit islamistischen Hintergrund zwei US-amerikanische Soldaten erschossen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, nimmt im "Welt"-Interview Stellung zu den Vorwürfen und erklärt, wodurch das Islambild in Deutschland geprägt wird.
Von PRO

Foto: Zentralrat der Muslime in Deutschland / Yunay

Mazyek hat seit seinem Amtsantritt versucht eine Debatte über Grundgesetz und Demokratie anzustoßen. "Das Islambild wird leider seit langem von fanatischen, extremen Gruppen dominierend geprägt, die aber nichts mit der großen Mehrheit der Muslime zu tun haben", äußert sich der Vorsitzende des Zentralrats. Die Zahl radikaler Moscheegemeinden könne man an einer Hand abzählen. "Die Realität aber wird durch die Medien nicht transportiert."

Der Islam kommt mit friedlichen Absichten

Aus Sicht von Mazyek müsse der Islam deutlich machen, dass er mit friedlichen Absichten komme und die Menschen keine Angst vor ihm zu haben bräuchten. "Der Missbrauch einer Religion ist keine Eigenart einer bestimmten Religion und kann schon gar nicht ihren Anhängern einfach zugeschrieben werden", ergänzt er gegenüber der "Welt". Der Prophet Mohammed predige, dass der Beste unter den Muslimen derjenige sei, bei dem die Menschen in Sicherheit seien. Dies versuche die Mehrheit der Muslime tagtäglich zu praktizieren.

Die große Menge der Moscheegemeinden verweigere es Extremisten deswegen, zu predigen oder Reden zu halten, weil die Mehrheit damit nichts zu tun haben wolle: "Die wenigen Orte, an denen Radikale vermutet werden, sind den Sicherheitsbehörden ohnehin besser bekannt als uns." Der Zentralrat der Muslime habe die eigenen Imame dazu aufgerufen, "Provokationen aus dem Weg zu gehen und ausdrücklich die Verteidigung unserer freiheitlichen Grundordnung als Thema in ihren Predigten mit einfließen zu lassen." Der Islamrat, die Türkisch-Islamische Union (Ditib) oder der Verband Islamischer Kulturzentren würden dies ähnlich handhaben.

"Erdrückt vom islamfeindlichen Diskurs"

"Daraus ist dann die Idee entstanden, eine größere Demokratiedebatte in den Moscheen zu führen", betont Mazyek. Mit verschiedenen Projekten sollten insbesondere muslimischen Jugendlichen das republikanisch-demokratische Staatswesen näher gebracht werden: "Wir sind erdrückt von dem islamfeindlichen Diskurs, der bei uns geführt wird. Wir erkennen oft nicht die vielen Brücken, die es von den unterschiedlichen Themen der Demokratiedebatte hin zu unserem Religionsverständnis gibt", erklärt der Vorsitzende des Zentralrates und fügt hinzu: "Ich hoffe wir können das ändern."

Die Revolutionen in der muslimischen Welt hätten gezeigt, dass Fanatismus eben nicht die Haupttriebfeder muslimischen Handelns sei: "Extremismus und Terrorismus können am besten gedeihen auf dem Nährboden von Unrecht, Ungerechtigkeit, Armut und mangelnder Partizipation", so Mazyek. Der Fanatiker werde durch die Anwendung von Freiheit und Menschenrechten schnell entzaubert.

Nach Angaben der Ermittler pflegte der Attentäter vom Mittwoch gute Kontakte zu fanatischen Muslimen in Deutschland. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hätten ihn Bilder "amerikanischer Gräueltaten" zu der Bluttat motiviert. Der Attentäter, der im Frankfurter Stadtteil Sossenheim lebte, soll Kontakte zu einigen salafistischen Predigern aus dem Raum Frankfurt gehabt haben, darunter auch der Konvertit Pierre Vogel, der schon länger im Fokus der Sicherheitsbehörden steht.

Der Attentäter ist im nördlichen Kosovo geboren und kam als Kleinkind mit seinen Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur nahm er Gelegenheitsjobs an und war seit einigen Wochen am Frankfurter Flughafen beschäftigt. "Ob er sich die Arbeitsstelle im dortigen Internationalen Postzentrum ausgesucht hat, um ungestört den Flughafen als potentiellen Anschlagsort auskundschaften zu können, wissen die Sicherheitsbehörden noch nicht", bilanziert die FAZ.

Stärkere Bekämpfung im Internet

Die Bundesanwaltschaft hat unterdessen eine stärkere Bekämpfung der islamistischen Propaganda im Internet gefordert. Die Tat habe gezeigt, dass sich junge Menschen davon beeinflussen lassen, sagte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Freitag in Karlsruhe. Die gute Nachricht sei, dass hinter dem Attentäter keine terroristischen Strukturen stehen. "Die Sicherheitslage ist deshalb unverändert", zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa. (pro)

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