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„Muslim-Brüder wollen keinen Gottesstaat“

Die deutsche Historikerin Annette Ranko hat für ihre Doktorarbeit ausführliche Hintergrundgespräche mit Führungspersönlichkeiten der ägyptischen Muslimbrüder geführt. Diese fordern zwar keinen Gottesstaat, erklärte sie der Wochenzeitung Die Zeit, sind aber mit der Demokratie nicht kompatibel.
Von PRO

Foto: Maged Helal/ CC BY 2.0

Die heute 33-jährige Trägerin des Deutschen Studienpreises führte ihre Gespräche mit den Führungskadern der Muslimbrüder auf Arabisch und Englisch. Es gebe eine große Klammer, die alle verschiedenen Flügel der Muslimbrüder verbinde: „Wir wollen keinen Gottesstaat, sondern einen zivilen Staat mit einem islamischen Bezugsrahmen“, laute der vorherrschende Tenor. Dabei sollen laut Ranko einige Kernpunkte der Demokratie wie freie Wahlen, Gewaltenteilung und gleiche politische Rechte für alle gelten. „Aber wenn es um Persönlichkeitsrechte geht, um Freiheitsrechte, die einen Bezug zur öffentlichen Moral haben, wird es schwierig“, so die Expertin. „Das ist nicht mehr kompatibel mit liberal-demokratischen Konzepten.“

Auf die Frage, was dies konkret bedeute, erklärte Ranko im Interview mit der Wochenzeitung: „Geht es um öffentliche Moral, verlangen die Muslimbrüder die Umsetzung der Scharia, und da haben sie eine sehr konservative Vorstellung. Etwa wenn es um Geschlechterbeziehungen oder um das Verhalten von Frauen im öffentlichen Bereich geht.“ Ranko ist Politik- und Islamwissenschaftlerin am Giga-Institut für Nahost-Studien in Hamburg.

Die Gründe für das Scheitern der Muslimbrüder nach dem Sturz des früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sieht die Historikerin in Selbstüberschätzung, Streitigkeiten um Posten und der Angst vor einem Militärputsch verwurzelt. Die Zukunft Ägyptens gestaltet sich ihrer Ansicht nach schwierig: „An den Rändern ist eine Radikalisierung der Bruderschaft möglich, da ist der Weg zu militanten Islamisten nicht allzu weit.“ Es gelte, diejenigen Muslimbrüder in den Politikbetrieb zu integrieren, die sich bereits in der Vergangenheit engagiert hätten. (pro)

 

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