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Musical: Wie Integration gelingen kann

Migration, Separation, Integration – ein Musical widmet sich einem Thema, das aktuell ist wie kaum ein anderes in Deutschland. Aufgeführt wird es in Greifenstein, einer kleinen Gemeinde in Mittelhessen, aber es vermittelt eine Lektion, die auch in Köln, Hamburg und Berlin Schule machen kann. Am Freitag war Premiere vor 580 Zuschauern.
Von PRO

Foto: Michael Bauer

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine kleine Schar von Menschen muss ihre Heimat verlassen, kommt als Gastarbeiter in ein fremdes Land, wird von der einheimischen Bevölkerung zunächst gemieden, abgelehnt und benachteiligt, doch dann siegen Liebe, Respekt und Toleranz. Fremde und Einheimische nähern sich einander an und stellen fest, dass sie voneinander lernen und profitieren können. "Gestern war’n wir Fremde, heut’ sind wir vereint", singen beide Gruppen in der Schlussszene. "Jetzt bist du mein Nachbar, wirst du auch mein Freund? Gestern noch als Gegner, heute Hand in Hand, liegt vor uns die Zukunft wie ein weites Land."

Integration unter erschwerten Bedingungen

Das klingt nach Annäherung, sozialem Frieden oder einfach nach gelungener Integration. Nicht nur fiktiv, sondern ganz real: in Daubhausen – im 17. Jahrhundert. Eingeladen von Graf Wilhelm Moritz von Solms-Greifenstein, zu dessen Besitztümern das Dorf Daubhausen gehört, treffen dort im Jahr 1685 Hugenotten ein. Jene französischen Protestanten also, die durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes in Frankreich wieder wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Und so ist es kein Wunder, dass das Musical ausgerechnet vor der historischen Kulisse der Burg Greifenstein aufgeführt wird. Die Integration geschah damals übrigens unter erschwerten Bedingungen. Denn die Dorfbewohner mussten ihren Heimatort verlassen, um den Fremden Platz zu machen. Nach anfänglichem Argwohn und vielen Schwierigkeiten gelingt das Einleben am Ende. Und heute kann man im Rückblick sehen, dass die Gastarbeiter von damals die Wirtschaft und Kultur in der Region bereichert und gefördert haben.

Ein Vorbild für unsere Gesellschaft? Das glaubt jedenfalls der Texter des Muscials "Merci – Der Graf und die Hugenotten". Für den Autor und Theologen Hanno Herzler ist die Geschichte "Beispiel einer gelungen Integration". Diese funktioniere, so Herzler in seiner Ansprache vor der Premiere, wo es ein Geben und Nehmen gebe. "Mich hat die Geschichte gelassen gemacht, im Hinblick auf Migration und Integration in unseren Tagen. Was damals gelungen ist, kann auch bei uns geschehen."

Gelungen ist Herzler auf jeden Fall ein Stück, das mit viel Humor eine spannende und abwechslungsreiche Liebesgeschichte erzählt, die für Toleranz, Verständnis und Respekt vor der Andersartigkeit wirbt. "Das Böse ist immer stark in dem, der andere beleidigt", sagt der französische Schullehrer, als deutsche Kinder eine Frau als Hexe bezichtigen. Dass es bei aller Unterschiedlichkeit immer noch genug Gemeinsamkeiten gibt, auf die man aufbauen kann, macht eine Beerdigungsszene symbolhaft deutlich: Die Dorfbewohner stimmen einen Choral an, den die Hugenotten dann auf Französisch weitersingen – dieselbe Melodie, aber in unterschiedlichen Sprachen.

Musik von Siegfried Fietz

100 Darsteller und 50 Techniker hinter den Kulissen sind an dem Musical beteiligt. Die Musik stammt von Siegfried Fietz, mit 200 veröffentlichten Alben und über 3.000 komponierten Liedern einer der kreativsten Musiker im deutschsprachigen Raum. Er schuf etliche Oratorien und zudem mehrere Musicals, darunter "Der Prinz aus Dillenburg", in dem die Geschichte Wilhelms von Oranien thematisiert wird. Die Musik von "Merci" bietet einen Mix aus historischer Musik, modernen Elementen und dramaturgischen Sequenzen. Fietz sieht seine Aufgabe darin, den Inhalt und die Handlung musikalisch zu entfalten: "Die Musik muss dem Text Flügel verleihen, damit er hin zu den Leuten gelangt." Glaubt man einzelnen Zuschauerstimmen nach der Premiere, dann hat Fietz sein Ziel erreicht.

"Die Menschen wollen Glauben, Hoffnung, Liebe!"

"Merci" ist kein christliches Musical. Aber es transportiert an vielen Stellen die christliche Botschaft. Das war sowohl dem Texter Herzler als auch dem Komponisten Fietz wichtig. Und so macht der Pfarrer in der Beerdigungsszene sehr klar deutlich, dass es Jesus Christus ist, der unsere Schuld auf sich genommen hat. In einer anderen Szene steht das "Hohelied der Liebe" nach dem 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes im Mittelpunkt, eindringlich vertont und von Tänzern beeindruckend in Szene gesetzt. Hier wird deutlich, dass es Glaube, Hoffnung und Liebe sind, die letztlich bleiben. "Die Menschen wollen Glauben, Hoffnung, Liebe", sagt Fietz gegenüber pro. "Wir müssen eine neue Sprache sprechen, um die Menschen in unserer Zeit zu erreichen. Und wir müssen neue Wege finden, um zu den Menschen zu gelangen."

Die Inszenierung des Marburger Regisseurs Ernst Engelbert spricht diese neue Sprache. Man kann die souveräne Arbeit des promovierten Theologen und Amerikanisten auch gut und gern als liebevoll bezeichnen. Zumindest strahlt sie sowohl Liebe zu der Geschichte als auch Liebe zum Detail aus – ja man hat sogar das Gefühl, dass es mit Liebe und Wertschätzung dem Zuschauer und den Darstellern gegenüber auf die Bühne gebracht wurde.

Text, Musik, Regie – bei "Merci" sind alle Elemente des Musicals optimal aufeinander abgestimmt, und damit alle Voraussetzungen gegeben, dass die Botschaft gut ankommt: Zwei Menschen finden zueinander, überbrücken mit Liebe, Toleranz, Verständnis und Respekt die Feindseligkeit zwischen ihren Kulturen und ermöglichen so Integration. Eine Botschaft aus dem 17. Jahrhundert, die heute aktueller ist denn je. (pro)

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