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Multireligiöse Schule: Eine für alle

In Osnabrück soll eine private Grundschule für Christen, Juden und Muslime entstehen. Das Bistum Osnabrück will gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde und dem Landesverband der Muslime in Niedersachsen die "Schule der abrahamischen Religionen" eröffnen. Rund 200 Kinder der drei Religionen sollen ab August 2011 dort den Unterricht besuchen.  

Von PRO

Foto: pro

"Wir wollen das Leben in versöhnter Verschiedenheit gestalten", erklärte Generalvikar Theo Paul. Die interreligiöse Schule werde die Freiheit zum jeweils eigenen Bekenntnis fördern, aber auch dazu helfen, dass die Kinder etwas von den anderen Religionen erführen, heißt es in der Presseerklärung. Unterschiedliche religiöse Überzeugungen, Riten und religiös geprägte Lebensweisen sollen laut Bericht der Katholischen Nachrichtenagentur KNA "in dieser Schule selbstverständlich sein und thematisiert, nicht tabuisiert werden".

Die Vision sei eine Lerngemeinschaft von Schülern, Eltern und Lehrern der drei monotheistischen Religionen, die sich "ihrer gemeinsamen Grundlagen tiefer bewusst und gerade dadurch fähig werden, respektvoll Menschen anderer religiöser Überzeugungen zu begegnen und mit ihnen zusammen zu arbeiten und zu leben".

In der "Stadt des Westfälischen Friedens" biete sich dazu die Chance. 1648 hätten hier die zerstrittenen christlichen Konfessionen wieder zueinander gefunden. Bisher gebe es in ganz Deutschland kein vergleichbares Projekt.

Auf dem Weg zu einer Weltkirche?

Das Vorhaben sei ein weiterer Schritt eines kirchlichen Lernprozess, so der Generalvikar im Pressegespräch. "Damit bewegen wir uns wieder ein Stück weg von einer west- und eurozentrierten Sichtweise und hin zur Weltkirche“. Seiner Ansicht nach zeige der Blick ins Heilige Land oder nach Asien, dass die Religionen in den Schulen selbstverständlich miteinander auskämen.

Für Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, ist das geplante Schulprojekt "die Fortsetzung des Dialoges zwischen den Religionen in der Stadt. Es wäre schön, wenn die Kinder das Erlernte in die Familien tragen." Avni Altiner, Vorsitzender des Landesverbandes de Muslime in Niedersachsen, hofft, dass das bisher einzigartige Projekt Signalcharakter für ganz Deutschland haben wird.

Wenn die Stadt Osnabrück ihre Zustimmung erteilt, könne die interreligiöse Schule im Sommer 2011 starten, so Winfried Verburg, Leiter der Bischöflichen Schulabteilung. Voraussetzung sei die Zustimmung der Stadt Osnabrück. Als Standort sei die Osnabrücker Johannisschule geplant, bisher eine staatliche Bekenntnisgrundschule in katholischer Trägerschaft. Dort war es scheinbar in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, die Quote von bis zu 80 Prozent katholischen Schülern zu erreichen.

An den Bekenntnisgrundschulen gehören die Schüler in der Regel einem gleichen Bekenntnis an. Laut derzeit gültiger Verordnung des Kultusministeriums sollen die Schüler überwiegend der gleichen Religion angehören. Bis zu 20 Prozent der Gesamtschülerzahl können auch Schüler anderer Bekenntnisse aufgenommen werden.

Getrennter Religionsunterricht, gemeinsame Feste

Die geplante Ganztagsschule mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht soll für alle Schüler des Stadtgebiets offen sein. Der Religionsunterricht werde in der jeweiligen Konfession erteilt. "Alle Lehrer, die Religion unterrichten, müssen in dem jeweiligen Bekenntnis verwurzelt sein", erklärte Verburg. Daneben sollen Juden, Muslime und Christen auch die jeweiligen Feste im Jahreskreis gemeinsam erleben.

Die katholische Schulstiftung würde ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse und ihre Strukturen als Trägerin von freien (Grund-)Schulen einbringen, die jüdische Gemeinde und islamische Moschee-Vereine sollen im Verbund mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik (Universität Osnabrück) den jeweiligen Religionsunterricht und das religiöse Schulleben mitgestalten.

Ein Beirat wird die Umsetzung und Gestaltung des Pilotprojekts begleiten. Dabei ist auch ein Vertreter der Stadt Osnabrück, denn die Erfahrungen der „Schule der abrahamischen Religionen“, da sind sich die Verantwortlichen sicher, können zu einer gelingenden Integration in der Friedensstadt beitragen. (PRO)

 

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