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Muezzin darf nicht in die Kirche

Im November führt ein Chor in Konstanz das Oratorium „The Armed Man“ von Karl Jenkins auf. Doch nicht alle Akteure, die der zeitgenössische britische Komponist vorgesehen hat, dürfen in der Kirche auftreten.
Von PRO

Foto: Wikipedia/Antoine Taveneaux (CC BY-SA)

Zur Zeit des Kosovokrieges 1999 komponierte Karl Jenkins „The Armed Man – A Mass for Peace“ (Der bewaffnete Mensch – Eine Messe für den Frieden). Gewidmet ist es den Opfern dieses Konflikts auf dem Balkan. Dem Werk, dem das französische Soldatenlied L’homme armé (Der Mann in Waffen) aus dem 15. Jahrhundert zugrunde liegt, folgt dem klassischen Aufbau der katholischen Messe. Dazu ist es ergänzt um Texte aus verschiedenen Religionen, beispielsweise aus den Psalmen, dem hinduistischen Epos Mahabharata und dem islamischen Gebetsaufruf, den ein islamischer Geistlicher ausführt.

Genau das sorgt nun für Ärger in Konstanz: Die katholische Pfarrei St. Gebhard, in deren Kirche das Oratorium aufgeführt wird, möchte nicht, dass der Muezzin in ihrem Gotteshaus zum Gebet aufruft. Deshalb wird der Sinfonische Chor Konstanz dessen etwa zweiminütigen Auftritt im Oratorium weglassen – sonst dürfte er das Konzert dort nicht geben. „Das ist kein musikalisches, vertontes Stück, sondern der rein rituelle Ruf, dass Allah herrscht“, sagte der Vorsitzende des Chores, Wolfgang Müller-Fehrenbach, gegenüber pro. Dabei trage der Muezzin auch sein Ornat. Wie Müller-Fehrenbach sagte, werde nichts an dem Werk selbst gestrichen, allein der Muezzin trete nicht auf. Musikalisch habe dies keine Bedeutung. Der Text sowie eine Erklärung dazu werden im Programmheft abgedruckt sein.

In der Kirchengemeinde gebe es koptische und syrische Christen, die in ihren islamisch geprägten Heimatländern Schlimmes erlebt hätten, sagte Müller-Fehrenbach. Aus Rücksicht auf sie habe die Gemeinde diese Auflage gemacht und den Chor dafür um Verständnis gebeten. „Wir haben sonst keinen anderen geeigneten Konzertsaal, sonst wären wir woanders hingegangen.“ Wie Müller-Fehrenbach sagte, hätten nicht alle Mitglieder des weltlichen Chores Verständnis dafür. Er könne es niemandem der Sänger verdenken, der den Auftritt im November deswegen boykottiere. Ob das der Fall sein wird, stehe noch nicht fest. Der Vorstand sei mit den Mitgliedern im Gespräch darüber.

Zwischen Eklat und Begeisterung

In Singen am Bodensee ist die Friedensmesse, wie Jenkins’ Oratorium auch heißt, 2009 auch in einer Kirche aufgeführt worden. „Der Pfarrer wusste nicht, dass da ein Muezzin auftritt, und dann gab es hinterher großen Ärger“, sagte Müller-Fehrenbach. So etwas könne eine Pfarrei schwer belasten.

Für die Bad Homburger St. Marien-Gemeinde war der Ruf des Muezzin in ihrer Kirche kein Problem. Dort führte die Bezirkskantorei Hochtaunus und das Collegium Vocale Bad Homburg das Werk im September mit Selçuk Dogruer auf, der im Rat der Religionen in Frankfurt den Islam vertritt. „Es wurde positiv aufgenommen und als Zeichen der Ökumene gesehen. Das Publikum war begeistert“, sagte Christoph Maas vom Kuratorium für Kirchenmusik in der Gemeinde gegenüber pro. Eine Diskussion über den Muezzinruf habe es auch im Nachhinein nicht gegeben.

„The Armed Man“ wurde im Jahre 2000 in der Royal Albert Hall in London uraufgeführt. Es gehört zu den beliebtesten Werken des heute 69-jährigen Jenkins. Mehrere hundert Male kam es weltweit bereits auf die Bühne. (pro)
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