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Müssen wir in diesem Jahr alle sterben?

Das Ende der Menschheit steht in diesem Jahr bevor – so hört man es allenthalben unter Berufung auf den Kalender des mittelamerikanischen Volkes der Maya. Die Medien haben ihren Anteil daran, dass das beliebte Herbeireden einer Katastrophe wieder einen vermeintlichen Anlass hat.
Von PRO

Foto: Daniel Rocal (CC BY-NC-ND)

Um es vorweg zu nehmen: Der alte Maya-Kalender beschreibt zwar ein Ende, nicht jedoch das der Welt. Am 21. oder 23. Dezember 2012 endet der 13. Baktun, ein Zyklus von 144.000 Tagen. Nach der Zählung der Maya ergibt sich an diesem Tag ein "rundes Datum", nämlich "13.0.0.0.0". Hinzu kommt, dass besagter Tag dem Datum des Schöpfungsanfangs in der Vorstellung der Maya entspricht. Auf unsere Jahreszählung übertragen war dies im Jahr 3.113 v. Chr. Im Dezember endet also auch ein Zyklus von 13 Baktun oder 5.125 Jahren, und die Zählung geht wieder von vorne los.

Vergleichbar ist dies etwa mit dem Jahreswechsel von 1999 auf 2000. Da damals im Hunderter-Bereich die Jahreszählung neu begann, wurde diesem Ereignis große Bedeutung beigemessen. Wild waren die Spekulationen über den Weltuntergang, dem Zusammensturz der Computersysteme oder anderen Katastrophen. Offen ist, wieso die Zahlenästhetik ein Beleg für große Ereignisse sein sollte. Und wie es dazu kommen konnte, dass dies anhand eines mittlerweile ungenutzten Kalenders eines Volkes geschieht, das seine kulturelle Blüte längst hinter sich und darüber hinaus nichts über einen Weltuntergang gesagt hat.

Die Medien beschwören die Katastrophe

Eine Antwort lautet: Die um Aufmerksamkeit heischenden Medien malen lieber das Bild einer Katastrophe und drehen dafür schon einmal die Fakten zu ihren Gunsten. Das mexikanische Institut für Anthropologie und Geschichte hat Ende November 2011 in einer Pressemeldung bekanntgegeben, dass Experten keinen Zusammenhang zwischen einer neuerlich gefundenen Maya-Inschrift und einem "Weltuntergang 2012" sehen. Deutsche Medien nahmen die Meldung jedoch zum Anlass, in reißerischen Überschriften wie " Zweite Maya-Tafel prophezeit Apokalypse für 2012" ("Welt Online") oder "Maya-Inschrift läutet Weltuntergang ein" (N24) das genaue Gegenteil zu behaupten.

Auch der Katastrophenfilm "2012", der Ende 2009 in den Kinos zu sehen war, hat das Datum populär gemacht. Der Film des deutschen Regisseurs Roland Emmerich erzählt in Anlehnung an die Kalenderzählung der Mayas vom Weltuntergang im Jahr 2012. Dazu greift er auch auf die umstrittene These des amerikanischen Geographen Charles Hapgood (1904-1982) zurück, durch eine plötzliche Polverschiebung könne sich die Erdkruste verschieben. Im Film findet 2012 eine solche Polverschiebung statt. Sie löst eine Kettenreaktion aus, die zum Untergang der Erde führt.

Vermischung von Traditionen hat Tradition

Der Maya-Forscher Nikolai Grube wies in einem Interview mit der Wochenzeitung "Der Freitag" darauf hin, dass es zwar durchaus Aufzeichnungen von apokalyptischen Prophezeiungen bei den Maya gebe. Diese stammten aber aus der Kolonialzeit im 16. und 17. Jahrhundert und seien auf den Einfluss der christlichen Mission zurückzuführen. Die Auseinandersetzung mit biblischen Büchern wie der Offenbarung des Johannes habe zu einer Vermischung der judeo-christlichen Tradition mit den Vorstellungen der Maya geführt.

Der gegenwärtige Rummel um das Jahr 2012 ist vor allem auf den US-amerikanisch-mexikanischen Schriftsteller José Argüelles (1939-2011) zurückzuführen. Der Esoteriker machte durch sein Buch "The Mayan Factor: Path Beyond Technology" (Deutsch: "Der Maya-Faktor. Ein Pfad über die Technologie hinaus") aus dem Jahr 1987 die These eines kosmischen Ereignisses im Jahr 2012 populär. Ihm zufolge bringt es jedoch keine Zerstörung, sondern eine Veränderung der "gegenwärtigen materiell-industriellen Ordnung" mit sich. Es gebe eine "völlige Erneuerung" des menschlichen Geistes, die "universale Telepathie" ermögliche. (pro)

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