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Moralische Verantwortung für Syrien?

Hat der Westen eine moralische Verantwortung, in Syrien notfalls auch militärisch einzugreifen? US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus sind geteilter Meinung. Einer von beiden hat Recht. Ein Kommentar von Moritz Breckner
Von PRO

Foto: The White House/Amanda Lucidon / Catholic Church England and Wales (CC BY-NC-SA 2.0)

Zwei der wichtigsten Männer der Welt sind bei einem Thema geteilter Meinung, zu dem es auch in der pro-Redaktion keine Einigkeit gibt. Das Thema ist Syrien, und die Männer sind Papst Franziskus und US-Präsident Barack Obama. Vor zehntausenden Gläubigen sagte Franziskus am Samstag in Rom, ein militärisches Eingreifen in Syrien sei ein „sinnloses Unterfangen“. Barack Obama sieht das anders: Am Dienstagabend erklärte er seinen Landsleuten, warum ein Militärschlag gegen das Regime von Machthaber Baschar al-Assad nach dessen angeblichem Giftgaseinsatz gegen Kinder notwendig sei – sollten weitere diplomatische Initiativen versagen.

Obama rief dazu auf, sich Bilder von den Opfern in Syrien anzuschauen. „In was für einer Welt leben wir, wenn die Vereinigten Staaten sehen, wie ein Diktator schamlos und gegen internationales Recht Giftgas einsetzt, und wir uns dann entscheiden, wegzusehen?“ fragte er. Obama betonte mehrfach, ganz wie sein Vorgänger George W. Bush, die moralische Verantwortung der USA: „Die Bürde dieser Verantwortung ist oft schwer, aber die Welt ist ein besserer Ort, weil wir sie tragen.“

Der amerikanische Präsident hat Recht. Und die moralische Verantwortung, bei einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht wegzuschauen, gilt nicht nur für die USA, sondern für die gesamte freie Welt. Wenn Papst Franziskus erklärt, die Vertreter der G20-Staaten müssten eine „Friedenslösung“ finden, um „ein Massaker zu verhindern“, dann verkennt er dabei, dass in Syrien bereits Massaker stattfinden – seit Kriegsausbruch sind nach UN-Angaben 100.000 Menschen ums Leben gekommen.

Überzeugender als die wohlmeinenden Friedensappelle des Papstes sind die rationalen Argumente einiger Interventionsgegner: Der Westen habe in diesem Konflikt nichts zu gewinnen. Es müsse vermieden werden, den Extremisten in der syrischen Opposition in die Hände zu spielen. Man könne sich nicht um jeden Krisenherd dieser Welt kümmern.

All das ist richtig. Berechtigt ist auch die Frage, was nach einem möglichen Militärschlag kommen soll. Der in außenpolitischen Angelegenheiten oft plan- und ratlosen Regierung Obamas mag man hier keine Lösungsstrategie zutrauen.

An der moralischen Verantwortung, nicht wegzuschauen, wenn Zivilisten vergast werden, ändern all diese Argumente nichts.

Baschar al-Assad hat inzwischen angekündigt, seine Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu geben. Das muss nun schnell geschehen. Denn sonst ist der Westen zum Handeln verpflichtet. (pro)

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