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Model-Show bei VOX: Essen verboten!

Konkurrenz für Heidi Klum: Seit Dienstag Abend suchen die Supermodels Eva Padberg und Karolina Kurkova auf VOX "Das perfekte Model". Das Schema ist bekannt. Wie hoch der Einfluss derartiger Formate auf junge Mädchen ist, zeigt eine Studie aus München.
Von PRO

Foto: VOX

Die jungen Frauen schreiten über den Laufsteg, als hätten sie jahrelang nichts anderes getan: Die Kandidatinnen der neuen Casting-Show "Das perfekte Model" entsprechen alle einem Muster: lange schlanke Beine, dünne Arme und möglichst schmale Taille. Im zweiten Teil der Show sollen die jungen Frauen vier der sieben Todsünden darstellen. Die Teilnehmerinnen müssen vor der Kamera zu den Themen Völlerei, Wollust, Hochmut und Zorn posieren.

Bei dem Härtetest der ersten Folge lernen die Teilnehmerinnen dann gleich eine wichtige Lektion: Auch wenn Essen auf dem Tisch steht, darf man es nicht verzehren. "Ihr könnt es in die Finger nehmen und damit spielen", ermahnt Eva Padberg die Teilnehmerinnen. Da tröstet die Aussage, ein perfektes Model sei "vielleicht etwas Unerreichbares", nur ein bisschen. Models denken höchstens an Essen, alles andere verdirbt die Figur. Trotz aller anderslautendender Beteuerungen der Moderatorinnen Padberg und Kurkova sind die Maßstäbe für Models zuerst einmal gutes Aussehen und eine möglichst schlanke Figur.

Größe Null ist angesagt in der Modebranche

Die Journalistin Vanessa Steinmetz spricht in ihrem Artikel "Lange Dürre" in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) von der "Size-Zero-Frau". "Size-Zero" (Größe Null) heißt die Norm der Modeindustrie. In Deutschland ist dies Kleidung der Größe 32 und entspricht etwa den Maßen einer Zwölfjährigen. Für erwachsene Frauen sind diese bei normaler Ernährung kaum zu erreichen.

Das Thema ist nicht neu: Weil viele Models an der Grenze zur Magersucht waren, haben etliche Modemessen neue Standards definiert. So werden bei der Düsseldorfer Modemesse CPD seit einigen Jahren keine Mannequins unter Kleidergröße 34 zugelassen. Die Zeitschrift "Brigitte" verzichtet ganz auf Modelfotos, sondern zeigt "normale" Frauen. Trotzdem wurde laut einem Bericht der "SZ" beim offenen Casting für "Das perfekte Model" in Hürth eine junge Frau mit Kleidergröße 36 wieder nach Hause geschickt – weil die Jury ihr auf den internationalen Laufstegen keine Chance einräumte.

Gesprächsthema Nummer eins auf dem Schulhof

Derartige Bewertungen setzen Maßstäbe – nicht nur für die Teilnehmerinnen, sondern vor allem für Millionen von Teenagern, die jede Woche Castingshows wie "Germany’s Next Topmodel" (GNTM) verfolgen. 75 Prozent derjenigen, die regelmäßig "GNTM" sehen, unterhalten sich am nächsten Tag auf dem Schulhof über die Sendung. Das fand eine Untersuchung des "Internationalen Zentralinstitutes für Jugend- und Bildungsfernsehen" (IZI) in München heraus. Für die Studie "Castingshows und ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche" wurden 1.200 Mädchen befragt. Eines der Ergebnisse war, dass die Sendung das Schönheitsideal der Zuschauer beeinflusst. Vor allem die Jüngeren nehmen sich die Körpermaße der Models zum Vorbild. Mädchen zwischen 9 und 19 Jahren schwanken zwischen Bewunderung und Neid: "Alle, die da sind, haben so eine tolle Figur, das gibt mir Anreize, abzunehmen", sagt eine 14-jährige Realschülerin. Auch andere vergleichen sich mit den Kandidatinnen: "Dann denk ich mir meistens, warum ich nicht so dünn bin", erzählt ein 15-jähriges Mädchen.

Bereits Fünftklässlerinnen eifern den bewunderten Teilnehmerinnen nach. Ein 11-jähriges Mädchen findet seinen Bauch und seine Beine zu dick, seitdem es die Sendung sieht. Eine andere äußert bewundernd: "Die sehen so gut aus, so möchte ich später auch aussehen!"

Normalgewicht ist schon zu dick

Diese Haltung zum eigenen Körper deckt sich laut der "SZ" mit den Ergebnissen der "Dr.-Sommer-Studie" von 2009. "Obwohl rund 80 Prozent der Mädchen normalgewichtig sind, ist über die Hälfte mit ihrem Aussehen, vor allem ihrem Gewicht, nicht zufrieden", schreibt Journalistin Steinmetz. Besondere Steigerungen fänden sich beim Wunsch, noch schlanker werden zu wollen und beim Traum von einem "flachen Bauch".

Als Jugendliche unter den Fotos verschiedener Frauen wählen sollten, welche denn nach ihrer Ansicht die Schönste sei, wählten regelmäßige "GNTM"-Seher den Körper eines sehr schlanken Models, bei dem die Knochen zu sehen sind, deutlich häufiger als diejenigen, die die Sendung niemals sehen. Das normalgewichtige Mädchen mit etwas breiterer Hüfte gelangte bei den Topmodel-Fans auf den letzten Platz der Schönheits-Skala. "Genau dieser ganz normale Mädchenkörper, der einfach abfotografiert wurde, wird von regelmäßigen GNTM-Sehern so gut wie nicht mehr als schön empfunden", fassen die Autorinnen der Studie, Maya Götz und Johanna Gather, zusammen.

Ihr Fazit: Durch "GNTM" werden "Mager-Maße" zum Schönheitsideal erhoben. Diese seien durch die hohe Attraktivität der Sendung und ihre Präsenz in der Jugendkultur ständiges Thema und ein Symbol für Erfolg und Anerkennung. "Dass genau dies nicht der Fall ist, erkennen die Jugendlichen nicht", heißt es in der Studie. Wenn künftig zwei ähnlich gestrickte Formate über die Bildschirme flimmern, dürfte sich dieser Effekt noch verstärken. (pro)

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