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Mobbing-Verdacht gegen “SchülerVZ”-Applikation

Die neue App "VZ-Pausenhof" des sozialen Netzwerks "SchülerVZ" muss gegen Mobbing-Vorwürfe kämpfen. Die Tatsache, dass ihre Nutzer in der Anwendung Mitschüler - auch negativ - bewerten können, sorgt vor allem in der Blogger-Szene für heftige Diskussionen. Viele Blogger werfen den VZ-Netzwerken vor, mit zwielichtigen Methoden gegen ihre sinkende Bedeutung ankämpfen zu wollen.
Von PRO

Foto: Screenshot pro



"SchülerVZ" selbst wirbt mit Aussagen wie "Die neue App gegen Langweile" für die Anwendung, bei der Schulkameraden und "Freunde" mit "Top oder Flop" bewertet werden können. Zurzeit gehören dem sozialen Netzwerk über fünf Millionen Mitglieder in der Altersgruppe zwischen zehn und 21 Jahren an. Allerdings mit stark sinkender Tendenz. Welche konkreten Auswirkungen die Nutzung der Applikation haben kann, zeigt ein Beitrag auf "sueddeutsche.de", der die derzeitige Debatte beschreibt. Dort wird ein Hamburger Vater mit den Worten zitiert: "SchülerVZ, es ist Zeit für Dich, zu gehen, weil Du in deiner Verzweiflung offenbar nur noch in die unterste Schublade greifen kannst."



Wenn die analoge Demütigung nicht mehr reicht



Auf "Knöpfen", die dem "Gefällt-mir"-Button von "Facebook" ähneln, können die Nutzer bei "SchülerVZ" abstimmen. Im Gegensatz zum Konkurrenten "Facebook" gibt es auch die Möglichkeit, einen gesenkten Daumen zu wählen. Gleichzeitig existiert ein Filter, wo die Kinder nach Geschlecht und nach Schulen suchen können. Erhält jemand keine "Top"-Stimmen, würde dies bedeuten, dass er von niemand gemocht wird.



"Viel schlimmer noch: Die Botschaft, die SchülerVZ damit aussendet, ist ganz klar: ‘Es ist völlig okay, jemanden in seiner Menschenwürde zu reduzieren’. Die Hemmschwelle, jemanden als ‘Flop’ – was allein schon ein verachtungsvoller Ausdruck ist – zu titulieren, sinkt gewaltig", schreibt Timo Hermann auf der Seite "www.kinderzeugs.de". "SchülerVZ" verlasse damit den Weg des guten Geschmacks und trete langsam, aber sicher in die Fußstapfen einer großen Mobbing-Community, die in diesem Jahr von den großen Suchmaschinen und Providern gesperrt wurde. Dabei meint er die Seite "Isharegossip" (pro berichtete).


Unbeliebte Außenseiter können mit der Anwendung so auch digital gedemütigt werden. "Offenbar will SchülerVZ die mehr oder weniger offizielle Mobbingplattform an deutschen Schulen werden", schreibt der erboste Hamburger Vater in seinem Blog. Ein anderer Blogger ergänzt, dass diese Anwendung dem Cyber-Mobbing, dem Fertigmachen von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt, eine völlig neue Komponente gebe: Wenn man bedenkt, "wie schwer psychischer Druck ein Kind treffen kann und mit welch erschütternder Schonungslosigkeit, Boshaftigkeit und technischer Raffinesse sich Kinder und Jugendliche gegenseitig gezielt fertigmachen können. Spätestens bei einer solchen Idee müsse man beim SchülerVZ-Betreiber am Verantwortungsbewusstsein zweifeln", schreibt er auf der Seite "spreeblick.com".

Mobbing oder harmloses Schülerspiel?



Tobias Scheiba, Marketing-Chef der VZ-Netzwerke, zu denen neben "SchülerVZ" auch "StudiVZ" und "MeinVZ" gehören, betont, dass die Anwendung so konzipiert sei, dass Mobbing quasi unmöglich werde: Es könnten nur diejenigen Mitglieder bewertet werden, die selbst die Anwendung nutzen. Zudem hätten die Teilnehmer die Möglichkeit, eine Ignorier-Funktion zu aktivieren, um unliebsame Klassenkameraden fern zu halten. Über einen Melde-Button könnten Störenfriede zudem sofort den Kundenbetreuern von SchülerVZ genannt werden.



Scheiba versucht die Vorwürfe auch dadurch zu entkräften, dass die Zahl der Flops weder dem Betroffenen noch anderen SchülerVZ-Mitgliedern angezeigt und auch nicht über Umwege herausgefunden werden könne. "Auf den ersten Blick kann man sicher falsche Rückschlüsse ziehen. Künftig werden wir versuchen, uns klarer auszudrücken", zitiert "sueddeutsche.de" den Marketing-Chef. Bei der Idee, dies einzuführen, habe sich das Unternehmen an gängigen und in Schülerkreisen sehr beliebten Bewertungs-Spielen wie ‘Hot or not’ orientiert.

300 Millionen weniger "Visits"


Den Fakt, dass die Portale unter der großen Beliebtheit von Facebook leiden, belegt "sueddeutsche.de" mit konkreten Zahlen. Von etwa 364 Millionen Besuchen vor einem Jahr sei die Zahl der "Visits" ein Jahr später auf nur noch 84 Millionen gesunken. Im Frühsommer wurde ein Verkauf der Portale diskutiert, sechs Monate später erklärten die Betreiber, dass sie die Plattformen überarbeiten und künftig verstärkt auf Anwendungen setzen wollten. (pro)

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