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Mit Flüchtlingen ins neue Jahr

Evangelische und katholische Geistliche haben in Predigten zum Jahreswechsel mehr Solidarität mit Flüchtlingen gefordert und Pegida kritisiert. Die Freikirchen machen sich für freie Religionsausübung stark.
Von PRO
Viele Flüchtlinge aus Nordafrika und Syrien stranden auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa. Die steigenden Zahlen werden auch Deutschland weiterhin beschäftigen. Die Kirchen haben zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen
Viele Flüchtlinge aus Nordafrika und Syrien stranden auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa. Die steigenden Zahlen werden auch Deutschland weiterhin beschäftigen. Die Kirchen haben zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen
Flüchtlinge in Deutschland sollen nicht ausgegrenzt werden. Das mahnte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Neujahrspredigt. „Gebt ihnen ihre Würde zurück anstatt diese Würde mit dumpfen Sprüchen zu untergraben“, sagte der bayerische Landesbischof nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur in München. „Hört auf mit der Spaltung. Und lasst alle an der Gesellschaft teilhaben.“ Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl sagte zum Jahresbeginn, dass zwar über Einwanderungs- und Asylpolitik gestritten werden könne, nicht aber über die Aufnahme von Flüchtlingen. Katholische Amtskollegen äußerten sich in ihren Ansprachen ähnlich. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki machte die deutsche Rüstungsindustrie dafür mitverantwortlich, dass derzeit so viele Menschen aufgrund von Kriegen ihre Heimat verlassen. In Deutschland seien rund 100.000 Menschen im Rüstungsexport beschäftigt. „Und wir wundern uns dann, wenn einige Opfer von Gewalt an unsere Türen klopfen?“ Die Pegida-Demonstrationen („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) kritisierte Woelki: Mit Abschottung werde das Abendland nicht verteidigt. Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst sagte dazu: Wer im Namen der Tradition des Christentums Fremdenhass zulässt oder schürt, gießt Öl ins Feuer des Fundamentalismus.“

Flüchtlingen zu helfen ist „biblischer Auftrag“

„Werden wir in einem relativ reichen Land zu teilen bereit sein oder uns abschotten?“ Diese Frage stellte Heinz Josef Algermissen, katholischer Bischof in Fulda. Die Antwort darauf stehe noch aus, fügte er laut Manuskript hinzu – und rief zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen auf. Sein Mainzer Kollege Kardinal Karl Lehmann sagte, es sei beschämend, wie untätig die Menschen die Gewalt in Syrien hinnähmen. Beim Erhalten des Friedens „sind wir erbärmliche Zwerge“. Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) hat bereits im November die Gemeinden dazu aufgefordert, sich in alltäglichen Belangen um Flüchtlinge zu kümmern. Die EmK wolle helfen, „Ängste und Vorurteile abzubauen und an Respekt, Interesse und Kreativität zu wachsen, um Vielfalt feiern zu können“, heißt es in der Erklärung. Das sei nach wie vor die Haltung der Kirche und der biblische Auftrag, bestätigte Öffentlichkeitsreferent Klaus Ulrich Ruof gegenüber pro. Außerdem hat die Kirchenleitung deutlich gemacht: „Positionen und Äußerungen, die Flüchtlinge primär als Gefahr und Bedrohung sehen und Ängste schüren, sind für uns mit dem Zeugnis des Evangeliums nicht vereinbar.“

„Moscheen sind kein Problem“

Für viele freikirchliche Gemeinden gehöre die praktische Hilfe für Flüchtlinge „selbstverständlich zum Glauben dazu“, sagte Ansgar Hörsting, der der Vereinigung evangelischer Freikirchen vorsitzt. Mit Blick auf die islamkritischen Kundgebungen der vergangenen Wochen stellte er auf Anfrage von pro fest, dass eine Islamisierung der Gesellschaft mit Flüchtlingen tatsächlich stattfinde. Die Frage sei nur, was darunter zu verstehen sei. Keiner wolle Muslimen verbieten, ihren Glauben zu praktizieren. „Zu Allah beten, Moscheen bauen und aufsuchen, kein Problem.“ Und weiter: „Ob ich es mit den Menschenrechten ernst meine, entscheidet sich daran, ob ich die der anderen schütze.“ Viele Menschen würden unter „Islamisierung“ allerdings den Einfluss von extremen und verfassungsfeindlichen Kräften verstehen, die Andersgläubige ausschließen. „Wenn das Islamisierung bedeutet, haben Menschen zu Recht Angst und sollten nicht belächelt oder beschimpft werden.“ Er möchte frei sagen dürfen, dass er Jesus für den einzigen Weg zu Gott und die Lehren Mohammeds „für einen Irrtum“ halte, sagte Hörsting. „In einer muslimisch dominierten Gesellschaft könnte das schwierig werden.“ Jedoch sieht Hörsting das größere Problem bei den Christen selbst: „Unsere Jesusnachfolge is‘ lahm, unser Glaube is‘ lahm, unser Interesse an Menschen is‘ lahm!“ (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/misstrauisches-schweigen-pegida-und-die-medien-90579/
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