Das Mehrfamilienhaus liegt unscheinbar in einem Wohngebiet im mittelhessischen Hüttenberg. Im ersten Stockwerk hat Tobias Schuffenhauer sein Tonstudio eingerichtet. Die Wände sind gedämmt. Mikrofone hängen von der Decke. Im Nachbarraum sitzt Schuffenhauer an einem Mischpult. In der Küche liegen Pizzakartons vom Mittagessen. An diesem Wochenende Anfang Februar produziert er gemeinsam mit Tobias Schier und den fünf Hauptdarstellern die Folgen 51 und 52 der „5 Geschwister“.
Schier und Schuffenhauer, die beide beim christlichen Sender ERF Medien arbeiten, vereint ihre Leidenschaft für Hörspiele. Was als Freizeitbeschäftigung begann, haben die beiden immer mehr professionalisiert. Bereits ihre Reihe „Die Juniordetektive“ schickten sie regelmäßig an Gerth Medien. Irgendwann kam der christliche Verlag auf sie zu und bot ihnen an, die „5 Geschwister“ neu zu produzieren und weiterzuentwickeln.
Das Original stammt von Dieter B. Kabus. Er hatte Anfang der 1980er Jahre vergeblich spannenden Lesestoff mit christlicher Botschaft für seine Kinder gesucht. So schrieb er kurzerhand selbst Bücher – und seine Kinder wurden zu den Vorbildern für deren Protagonisten. Kurz nach Erscheinen wurden die Bücher Pflichtlektüre für viele Jugendliche: „Ich habe quasi mit den ‚5 Geschwistern‘ lesen gelernt“, bekennt Schuffenhauer. Schon früh hat er die mutigen Pfarrerskinder Marianne, Petra, Hans-Georg, Esther und Alexander kennengelernt, die Abenteuer bestehen und Rätsel lösen.
„Für mich ging ein Traum in Erfüllung“
Als Schuffenhauer 2014 das Angebot bekam, die Hörspielreihe neu aufleben zu lassen, musste er keine Sekunde überlegen: „Für mich ging ein Traum in Erfüllung.“ Als kleiner Junge habe er sich bereits mit seiner Schwester immer neue Geschichten überlegt: „Es gab ja nur zehn Folgen und es musste doch irgendwie weitergehen.“ Im März haben die „5 Geschwister“ schon die 50. Folge mit einem Live-Hörspiel in der Stadthalle Wetzlar gefeiert.
Auch die Streaming- und Verkaufszahlen geben ihnen recht. Pro Folge werden einige Tausend CDs verkauft. Dazu kommen jährlich Millionen Abrufe auf den Streaming-Plattformen. Als es die Spiegel-Bestsellerliste für Kinderhörspiele noch gab, lagen die „5 Geschwister“ häufig auf den vorderen Plätzen. „Bis die nächste Folge der ‚Drei ???‘ erschien, waren wir häufig Erster“, sagt Schier.
Er empfindet es als Geschenk, dieses Traditionsformat fortzuführen und mit „kreativer Freiheit“ weiterzuentwickeln. Anfangs waren zwei Folgen geplant. Dann entschied sich der Verlag für zwei weitere. Und als die „Zahlen durch die Decke gingen“, wurde die Produktion nicht mehr infrage gestellt. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen: in allen Generationen.
Hörer sollen etwas lernen
Dabei haben Schier und Schuffenhauer versucht, die Original-Charaktere noch auszudifferenzieren, um ihnen mehr Kontur zu geben. Auch die technischen Möglichkeiten der fünf Geschwister bei ihren Abenteuern haben sich erweitert. Selbstverständlich recherchieren sie heute im Internet und mit Künstlicher Intelligenz. Außerdem reden die Protagonisten deutlich mehr miteinander. Zudem hat sich ihr Wirkungskreis erweitert: Waren die fünf zu Beginn maximal im benachbarten Ausland unterwegs, lösen sie ihre Fälle heute auch in Kamtschatka oder, wie in der aktuellen Folge, in den USA: „Spaß und Abenteuer stehen im Vordergrund. Wir möchten den Hörern aber auch etwas über Land und Leute, Kultur und Geschichte der Orte vermitteln“, betonen die beiden Produzenten.
Auch bei der Musik setzen sie auf landestypische Instrumente, um authentische Klangwelten zu schaffen. Hier hätten sich die technischen Möglichkeiten gegenüber den Anfängen deutlich erweitert, sagt Schuffenhauer, der hauptsächlich für die Technik zuständig ist.
Kontinuität in der Besetzung
Bis eine Folge fertig ist, vergehen etliche Monate. Viel Zeit fließt in die Recherche. Die „5 Geschwister“ erleben ihre Abenteuer an realen Orten, die Schier und Schuffenhauer im besten Fall selbst besucht haben, um sie authentisch darzustellen. Beide schreiben immer abwechselnd eine Folge. Es dauere mal acht Stunden, aber auch bis zu vier Wochen, bis ein Skript fertig sei. Zweimal im Jahr treffen sich die Sprecher in dem kleinen Tonstudio, um die neuen Folgen aufzunehmen. Das Drehbuch für diesen Samstag ist vier bis fünf Monate alt. Was am nächsten Tag aufgenommen wird, hat Schuffenhauer vor drei Wochen geschrieben. Er kümmert sich vor allem darum, dass die Sprecher die Geschichte und Dialoge so gut wie möglich umsetzen.
50 Interessierte hatten sich anfangs um die Hauptrollen beworben. Ihre Stimmen sollten eine gewisse Ähnlichkeit zum Original aufweisen, um die Identifikation zu erleichtern. Mit einer Ausnahme ist die Besetzung seitdem gleich geblieben. Die Mischung der Hauptdarsteller, die sonst als Redakteurin, Programmierer oder im medizinischen Sektor arbeiten, sei ein „Segen“. Selbst nach sechs Stunden Aufnahme ist die Stimmung gut. Es wird geflachst, an den Betonungen und Emotionen gefeilt und auch der eine oder andere Seitenhieb an die anderen Darsteller verteilt. Die zwei „Tobis“ sind am Ende zufrieden. „In den zwölf Jahren haben sich die Sprecher enorm weiterentwickelt und interagieren immer besser miteinander.
Für die übrigen Rollen greifen sie bei Bedarf auf einen professionellen Sprecherpool zurück. Die heutigen Aufnahmen sollen im Spätsommer auf den Markt kommen. Wenn am Sonntagnachmittag die letzte Szene eingesprochen ist, beginnt die Nacharbeit. Das Abmischen und Schneiden des Materials dauert noch mal zwei bis drei Wochen.
Eine Generation mit Gott bekannt machen
Und was ist das Erfolgsrezept, mit dem die „5 Geschwister“ den deutschen Markt erobert haben? „Gute Hörspiele brauchen gute Geschichten, gute Sprecher, einen echten Spannungsbogen und einen technisch hohen Standard.“ Das gelte für christliche und nichtchristliche Hörspiele. Aber auch die christlichen Aspekte möchten die Autoren so lebensnah wie möglich aufgreifen.
Das heißt, dass bei den Protagonisten in den Geschichten nicht immer alles glatt läuft: „Wir wollen aber verdeutlichen, dass Gott im Leben von Menschen hilft und handelt, und das immer wieder auf neue Art und Weise vermitteln.“ Auch viele säkulare Medien würden die Folgen für ihre Familienfreundlichkeit loben. Dass die fünf Geschwister an Gott glauben und beten, müssten diese Journalisten „aushalten“, schmunzelt Schuffenhauer. Aber das ist offenbar kein Grund zum Anstoß. Die Zahlen zeigten, dass die „5 Geschwister“ weit über die christlichen Gemeinden hinaus gehört werden: „Wir sehen es als Geschenk an, dass wir mit unserer Qualität überzeugen.“
Wer neue Formate produziere, brauche Mut, Geld und Durchhaltevermögen. Viele gute Hörspiele würden zu schlecht vermarktet und nach wenigen Folgen wieder eingestampft, wenn sie nicht die entsprechenden Hörerzahlen hatten. Für Schuffenhauer und Schier ist hier im christlichen Hörspielsektor noch Luft nach oben. Sie selbst haben noch viele Ideen für die Zukunft der „5 Geschwister“: „Wenn wir mit offenen Ohren und Augen durchs Leben gehen, begegnen uns immer wieder neue Themen.“
So hat Schuffenhauer kürzlich das Thema Künstliche Intelligenz aufgegriffen. Viele Hörer hätten ihm zurückgemeldet, dass sie Angst vor einem Vormarsch der KI hätten: „Aber es ist ja schon ein reales Thema. Und wir wollten den Kindern Mut und Sicherheit vermitteln.“ Dass so viele Kinder und Erwachsene die Folgen mit Begeisterung hören, empfinden sie als große Verantwortung: „Wir hoffen, dass wir im Sinne Gottes eine Generation prägen und mit ihm bekannt machen können.“ Wenn Hörer Gott oder die fünf Geschwister als Vorbilder erlebten, erfülle die Produktion ihren Zweck.
Der Artikel ist erstmals in der Ausgabe 2/2026 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Das Heft können Sie hier kostenlos bestellen.