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Mit Aufrichtigkeit gegen Fake News

Journalisten können den Kampf gegen Fake News nicht gewinnen. Statt immer nur Falschmeldungen zu entkräften, sollten sie an ihrer Glaubwürdigkeit arbeiten und Vertrauen zu ihren Rezipienten aufbauen. Das hat ZDF-Journalist Claus Kleber auf der Re:publica empfohlen.
Von Anna Lutz
Claus Kleber: „Nur, wer Fehler eingesteht, ist glaubwürdig.“

Foto: ZDF/Uwe Düttmann

Claus Kleber: „Nur, wer Fehler eingesteht, ist glaubwürdig.“

„Es dauert zwei Minuten eine Fake News in die Welt zu setzen und es dauert drei Tage, um sie zu entkräften. Diesen Kampf können wir nicht gewinnen“, sagte Kleber am Montag auf der Netzkonferenz Re:publica in Berlin. Stattdessen empfahl er Medien, gewissenhaft zu recherchieren und Vertrauen bei den Lesern, Zuschauern und Hörern aufzubauen. Wenn er selbst etwa den Spiegel lese, sei er sich sicher, dass dort Fakten verbreitet würden und Fehler schnell korrigiert würden. Ein solches Verhältnis der Medien zu ihren Rezipienten sei der Schlüssel im Kampf gegen Fake News. Kleber wandte sich gegen strengere gesetzliche Regelungen gegen Fake-News-Verbreiter. Es handele sich bei diesem Phänomen um eine Herausforderung für den Journalismus, und nicht für die Justiz.

Fake News sind nicht Neues

Letztere seien für ihn „Nachrichten, die mit einer Absicht verfälscht worden sind.“ Das unterscheide sich grundsätzlich von journalistischen Fehlern. Dennoch plädierte er dafür, Falschrecherchen sofort einzuräumen. „Nur, wer Fehler eingesteht, ist glaubwürdig“, sagte er. Das Aufdecken von Fake News gehöre zum journalistischen Handwerk, und sei auch kein neues Phänomen. Politiker behaupteten in Wahlkämpfen nicht selten Unwahrheiten.

Immer, wenn er zu einem Interview gehe, begebe er sich in ein antagonistisches Verhältnis zu seinem Gegenüber, so gehöre es zur Aufgabe der Medien in einer Demokratie. Viele Medienkonsumenten wüssten das aber nicht und hätten ein falsches Bild vom journalistischen Beruf. Zudem wirkten Medienschaffende wie er für viele oft unnahbar. Seit er das wisse, beobachte er Hasstiraden im Netz gegen ihn und seinen Sender gelassener. „Nicht jeder, der sagt, wir seien Staatsmedien, meint das auch wirklich.“ Viele wollten schlicht Aufmerksamkeit. Es jucke ihn oft in den Fingern, in Trump-Manier auf freche Tweets zu seiner Person oder Arbeit zu antworten. Dennoch halte er sich zurück.

Unfreiwillig Fake News verbreiten

Die ZDF-Reporterin Eva-Maria Lemke erklärte, im Grunde seien die meisten Nachrichten falsch. Oft stelle sich das aber bereits in der Anfangsrecherche heraus und sie fielen deshalb in den Redaktionen unter den Tisch. Der Zuschauer bemerke das in den meisten Fällen aber gar nicht. Journalisten sollten aufpassen, nicht jeden Impuls aufzunehmen. Denn oft erinnerten sich Zuschauer nicht etwa an die Widerlegung einer Fake News in einem Beitrag, sondern nur an die Fake News selbst. Journalisten steigerten also die Reichweite gefälschter Nachrichten, selbst wenn sie sie nur deshalb erwähnten, um sie zu entkräften. (pro)

Von: al

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