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Mission possible? ARD über christliche Einsätze

Sind Missionare Wohltäter, Seelenfänger oder gar Märtyrer? Eine Reportage des SWR geht dieser Frage nach und kommt zu einem differenzierten Schluss: In vielen Teilen der Welt tun katholische wie evangelische Christen bei Einsätzen Gutes. Doch gerade unter Evangelikalen gibt es auch schwarze Schafe.

Von PRO

Foto: SWR/Sascha Biesz

In Asien, Südamerika und Deutschland haben Mechthild Rüther und Uwe Bork in christlichen Gemeinden recherchiert. Sie erinnern an den Tod der Missionarinnen Anita G. und Rita S., die 2009 im Jemen umkamen, und fragen: Was tun Missionare eigentlich in der Welt? Sind sie Märtyrer? Der Fillm "Auf gefährlicher Mission – Missionare im Kreuzfeuer" zeigt katholische Gemeinden und Organisationen in Kambodscha, ein amerikanisches Missionsschiff in Brasilien und die Liebenzeller Mission in Deutschland. Vor allem in Kambodscha trafen die Journalisten auf Christen, die ihre Mission zwar auch in der Verbreitung des Glaubens, vor allem aber im diakonischen Dienst sehen. Die ARD zeigte die Reportage am Mittwoch.

Krischan Wernecke etwa ist "Missionar auf Zeit" bei der katholischen Organisation "Don Bosco" in Kambodscha. Er bildet junge Menschen zu Hotelfachleuten aus – viele von ihnen sind Buddhisten, einige wechseln während ihrer Ausbildung zum Katholizismus. Zum Unterricht gehört nicht nur das Erstellen von Rechnungen und eine Kochausbildung, sondern auch das regelmäßige Gebet. Wernecke sagt im Film, er arbeite für "Don Bosco", weil er sich "mit dem Glauben verbunden" fühle. Seine Mission sei es, die Welt zu verbessern, indem er gegen die Armut von Kindern vorgehe. Ein weiterer Lehrer der Schule sagt: "Wir versuchen nicht, die Religion der Schüler zu verändern." Die Zeit der Evangelisation sei vorbei. Die Christen seien in Kambodscha, um ihren Glauben zu bekennen.

Zeit und Liebe statt Opfertod

Auch Vater Heribertus ist Missionar in Kambodscha. Er ist muslimisch aufgewachsen, besuchte eine Jesuitenschule und fand zum christlichen Glauben. Heute leitet er als Priester eine schwimmende Kirchengemeinde. Weil die Menschen in seinem Dorf zu arm sind, um sich Grundstücke zu kaufen, haben sie ihre Wohnungen in Booten auf dem Wasser errichtet. Auch die Kirche selbst ist ein großes Hausboot. Täglich besucht Heribertus die Menschen in seiner Nachbarschaft, bringt ihnen Essen und Kleidung oder spendet Trost. Außerdem lädt er sie zum Gottesdienst ein. 100 Kinder und 30 Erwachsene kommen zur Messe. Für die Kinder gibt es danach ein Mittagessen. Natürlich sei er bereit, als Missionar zu sterben, sagt Heribertus. Doch vor allem opfere er den Menschen seine Zeit und seine Liebe, heißt es im Film weiter.

Weniger Zeit bringen hingegen amerikanische Missionare in Brasilien mit. Auch diese Gruppe besuchen die Journalisten. Für einen Kurzzeiteinsatz dringen sie in die wenig besiedelten Regionen des Landes vor. In einem Dorf bieten die Missionare kostenlose ärztliche Untersuchungen an. Im Anschluss sprechen sie mit den Bewohnern über ihren Glauben. Für die Gespräche bleibe oft nicht mehr Zeit als fünf Minuten, heißt es im Film. Ein weiteres Negativbeispiel aus dem evangelikalen Umfeld ist für Rüther und Bork der deutsche evangelikale Kurzzeiteinsatz während der Fußball-WM 2006. Szenen aus dem kritischen Film "Jesus liebt dich" zeigen junge Christen, die ekstatisch beten, Pastoren, die immense Summen an Spenden einnehmen und Lobpreisgottesdienste, die an Rockkonzerte erinnern. Ein Jugendpastor predigt davon, die Gläubigen müssten in die Armee Gottes eintreten, dort gebe es keine Demokratie mehr. "Heil Jesus, bis der Arzt kommt, Hauptsache, die Kasse stimmt", lautet das Fazit der Filmemacher.

Märtyrer schaden niemandem

Martin Auch von der "Liebenzeller Mission" versucht sich im Film an einer Definition von christlicher Mission und Märtyrertum: "Märtyrer sind im christlichen Bereich immer Menschen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden und nicht aufgrund irgendwelchen Schadens, den sie anderen Menschen zufügen." Christliche Überzeugung provoziere manchmal, etwa wenn mancherorts Drogenkartelle aufflögen, weil die Dealer Christen würden und ihr Leben änderten. Auch der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kommt zu Wort: "Missionare müssen Grenzen achten", lautet sein Plädoyer. Sie müssten respektieren, wenn andere nichts mit ihrem Glauben anfangen könnten. Vor allem aber dürften sie "keinen psychischen Druck ausüben".

"Auf gefährlicher Mission – Missionare im Kreuzfeuer" zeichnet ein erfreulich differenziertes Bild christlicher Einsätze. Missionare werden hier nicht als Eroberer und Eindringlinge gezeigt, sondern vor allem als Menschen, die wegen ihres Glaubens Gutes tun möchten. Gerade in Kambodscha scheint ihre Arbeit unerlässlich. Schade, dass die Macher es dennoch nicht lassen können, an manchen Stellen ihres Films auf beliebte Klischees zurückzugreifen. Das Zeigen von Spendensammlungen in Großaufnahme und dem Beten unter Handauflegen mag Außenstehenden seltsam und befremdlich erscheinen. Und auch die Metapher der Armee Gottes war wohl im Zusammenhang der Predigt weniger aggressiv gemeint, als es im Film erscheint. Dennoch stellt die Reportage eines klar: Missionare sind keineswegs ausschließlich leichtsinnige und naive Fundamentalisten, die nach Abenteuer lechzen. Gerade nach dem Tod der beiden Missionarinnen der Bibelschule Brake hatten Presseberichte vermehrt dieses Klischee bedient. (pro)

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