Der Weltkirchenrat hat in einer schriftlichen Erklärung eine neue Definition von Mission vorgelegt. Im Zeitalter des Internets sei Mission ein Austausch auf Augenhöhe, betonten die Vertreter des Ökumenischen Rats der Kirchen am Montag im südkoreanischen Busan.
Von PRO
Foto: Joanna Lindén-Montes / World Council of Churches / Facebook
Sprecher bei der Missions-Plenarsitzung: der Vorsitzende der Kommission für Weltmission, Bischof Geevarghese Mor Coorilos (2.v.l), und seine Stellvertreterin, Kirsteen Kim (r.), mit Pastor Stephen Bevans (l.) und Pastorin Cecilia Castillo Nanjari (2.v.r.
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) reagiert mit einer neuen Erklärung zur Mission auf eine veränderte Welt, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Kommission Weltmission und Evangelisation, die Anglikanerin Kirsteen Kimlaut, laut evangelisch.de. Im Jahr 1982 gab es die letzte offizielle Grundsatzerklärung des ÖRK zu Mission und Evangelisation. Diese galt als „etwas überholt“. Mit der „Mission 2.0“ stelle der Rat „die negativen Folgen der Globalisierung, Ungerechtigkeit im Welthandel sowie die Kluft zwischen Arm und Reich in den Mittelpunkt“. In der Erklärung heißt es: „Wir bedauern, dass die mit der Kolonialherrschaft einhergehende Missionsarbeit Kulturen häufig verleumdet und die Weisheit lokaler Bevölkerungen nicht anerkannt hat.“
USA entsendet die meisten Missionare
Die Praxis der christlichen Mission habe sich vollständig gewandelt: Im 19. Jahrhundert habe es vor allem einen „konservativen Missionsansatz, der die Verkündigung des Evangeliums an die ‚Heiden‘ mit der Ausbreitung der westlichen Kultur verknüpfte“, gegeben. Im Internetzeitalter verstehe sich Mission als „internationales Netzwerk von Christen für Christen auf gleicher Augenhöhe“. In der Weltmission gebe es zum einen die Verbreitung der christlichen Botschaft, es gehe aber auch um Hilfe bei Notlagen oder um die Vermittlung bei Konflikten.
Mission bedeute im 21. Jahrhundert auch nicht mehr, dass nordwestliche Kirchen dem Süden und Osten den christlichen Glauben nahebringen wollten. Der Schwerpunkt der Christenheit habe sich deutlich nach Süden verschoben, viele würden unlängst vom „Missionsfeld Europa“ sprechen. Westliche Missionare hätten seit dem 19. Jahrhundert die biblische Botschaft unter anderem in Südkorea verbreitet, wo die Konferenz am Freitag zu Ende geht. Heute sende das ostasiatische Land mehr Missionare in die Welt als kaum ein anderes, nur die USA stellen mehr.
Die „Ökonomie Gottes“ beruht auf Gerechtigkeit und nicht auf Geld
So gewinne auch Umwelt- und Klimaschutz an Bedeutung. In dem Papier heißt es: „Ökogerechtigkeit kann nicht von der Erlösung getrennt werden.“ Christen sollten sich mit der Schöpfung spirituell verbinden: Exzessiver Konsum führe nicht zu grenzenlosem Wachstum, „sondern zu einer grenzenlosen und unbeschränkten Ausbeutung der Ressourcen der Erde“. Das Missions-Papier prangert auch menschliche Habgier an. Der Vorsitzende der Kommission für Weltmission und Evangelisation, Bischof Geevarghese Mor Coorilos von der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Indien, warnte vor einem „Gott des Mammons“. Die „Ökonomie Gottes“ beruhe auf Liebe und Gerechtigkeit. Mission heute solle sich auf das Teilen und auf soziale Gerechtigkeit fokussieren.
Der Ökumenische Rat der Kirchen gilt als zentrales Organ der ökumenischen Bewegung. Die Mitgliederbasis des ÖRK umfasst mehr als 500 Millionen Christen in Kirchen, Denominationen und kirchlichen Gemeinschaften in aller Welt. Dazu gehören die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Ende 2012 zählte der ÖRK 345 Mitgliedskirchen. Während die meisten ÖRK-Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die heutige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen. (pro)
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