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Miss Germany: „Glaube ist ein Fundament, das mich trägt“

Lena Bröder ist die aktuelle Miss Germany. Mit der 26-Jährigen sitzt erstmals eine Religionslehrerin auf dem Schönheitsthron. Früher war sie Pfadfinderin und Sternsingerin. pro hat mit ihr über Schönheits-Operationen, ihren Glauben und die Schwierigkeit, Schülern christliche Inhalte zu vermitteln, gesprochen.
Von PRO
Lena Bröder tritt im Herbst als Miss Germany 2016 bei der Wahl zur Miss Earth auf den Philippinen an. Sie bezeichnet den christlichen Glauben als ihr Fundament im Leben.

Foto: missgermany.de/Filipe Ribeiro

Lena Bröder tritt im Herbst als Miss Germany 2016 bei der Wahl zur Miss Earth auf den Philippinen an. Sie bezeichnet den christlichen Glauben als ihr Fundament im Leben.

pro: Wie versuchen Sie als Lehrerin für katholische Religion, Ihren Schülern die religiösen Inhalte näher zu bringen?

Lena Bröder: In der heutigen Zeit ist es generell schwierig, Schülern überhaupt noch Inhalte – gerade auch christlicher, religiöser Basis – näher zu bringen. Über Ostern, Weihnachten, Pfingsten ist oft kein Wissen da. Sie erfahren das vom Elternhaus nicht mehr so, wie ich das mitbekommen habe. Für mich ist es ganz wichtig, den Schülern Wege zu öffnen und zu zeigen, was Religion, was das Christentum bedeutet. Die Schüler im Religionsunterricht sind getauft, viele wissen nicht, warum. Ich möchte zumindest die Frage aufgreifen und klären: Warum haben mich meine Eltern getauft?

Sind Ihre Eltern mit Ihnen immer in die Kirche gegangen?

Ja. Ich war in einem katholischen Kindergarten. Ich habe im Kindergartenalter schon Gottesdienste mit vorbereitet, Erntedankgottesdienste, Krippenspiel, das gehörte immer mit dazu. Später gab es Pfadfinder-Fahrten, Gemeindefeste – ich war damit viel in Kontakt.

Was sagen Ihre Schüler dazu, dass ihre Lehrerin bei Schönheits-Wettbewerben teilnimmt?

Dazu gab es ein ganz tolles Feedback und es ist von allen Seiten befürwortet worden. Die Schüler sind einfach stolz, das merke ich. Anfang März war ich nochmal an der Schule und habe mich von meiner letzten Gruppe verabschiedet. Da gab es teilweise auch traurige Gesichter. Als Miss Germany steige ich ein Jahr aus der Schule aus. Und in einem Jahr haben sich die Schüler schon wieder so verändert und weiterentwickelt. Ich freue mich jetzt schon wieder darauf, dahin wieder zurückzukehren. Das muss ich ganz klar sagen. Ich werde meine Schüler vermissen und ich gehe davon aus, dass sie mich auch vermissen werden.

Was bedeutet für Sie persönlich Schönheit?

Schönheit ist ein Begriff, der im Auge des Betrachters liegt. Ein Mensch ist für mich nicht nur äußerlich schön, sondern überzeugt auch durch innere Schönheit, durch Persönlichkeit, durch Selbstbewusstsein, durch sein Charisma. Letztendlich kam es darauf auch bei der Miss-Germany-Wahl an. Das ist kein Wettbewerb, wo es nur um das Aussehen geht, sondern auch darum, wie die Frauen auftreten und sind, ob sie sich selber treu bleiben oder sich verstellen.

Haben Sie in der Bibel Inspirationen zum Thema Schönheit gefunden?

In der Bibel werden Frauenbilder beschrieben, aber da habe ich keine Inspiration herausgenommen. Nicht nur aus der Bibel, sondern generell aus meinem Glauben nehme ich, dass ich zu mir stehe und mich so akzeptiere, wie Gott das wollte und ich geschaffen worden bin. Auch wenn der Schönheitschirurg Jürgen Mang in der Jury der Miss Germany-Wahl sitzt und sagt, meine Nase ist ein bisschen lang, das linke Ohr könnte angelegt werden, würde ich da nie drangehen. Das hat einen Grund, warum ich so aussehe, das ist so gewollt gewesen.

Warum wollten Sie Miss Germany werden?

Ich habe daran viel Spaß. Ich bin mir zudem bewusst, dass ich mit diesem Titel auf viele Missstände und auch gute Zwecke aufmerksam machen kann. Wir wollen einige Verbände und Vereine unterstützen, zum Beispiel eine Initiative für herzkranke Kinder und das Kinderhilfswerk der UN. Ich freue mich darauf, dass ich jetzt zeigen kann, dass eine Schönheitskönigin nicht dumm ist.

Es finden sich starke Charaktere in der Bibel. Haben Sie ein Vorbild aus der Bibel?

Nein, ich habe kein direktes Vorbild aus der Bibel. Wenn ich an den Glauben denke, finde ich Hiob unglaublich interessant, weil er immer wieder getestet worden ist, aber er ist in seinem Glauben letztendlich standhaft geblieben. Er hat sich nicht beirren lassen, dass er so gestraft wird. Das finde ich interessant, auch die Theodizee-Frage, die drauf aufbaut.

Wurden Sie auch mal in Ihrem Glauben getestet wie Hiob?

Nein, das nicht, aber ich finde es wirklich beeindruckend, wenn Menschen standhaft bleiben und immer zu sich und dem, was sie glauben, stehen – egal, was die Leute sagen. Das habe ich mir mitgenommen. Aktuell gibt es natürlich auch negative Kommentare und Kritiker, die fragen, wie kann eine Religionslehrerin Miss Germany sein. Ich stehe dann zu mir und weiß, was ich tue und ich weiß, wer ich bin.

Wie hilft Ihnen Ihr christlicher Glaube in Ihrem Leben?

Der Glaube ist für mich ein Fundament, das mich im Leben trägt. Für mich ist es wichtig, dass ich einen klaren Standpunkt habe, dass ich weiß, wer ich bin und wo ich hingehöre. Ich habe eine gefestigte Persönlichkeit, ich stehe zu dem, was ich mache und sage und das Ganze kommt auch selten ins Wanken. Dementsprechend hilft mir der Glaube, im Leben durchzukommen, für meine Ziele und Träume zu kämpfen und an mich zu glauben. Ich kann nicht von den Schülern erwarten, dass sie einen eigenen Standpunkt entwickeln, wenn ich meinen nicht habe.

Sie sehen sich als Vorbild für junge Mädchen. Sie wollen ihnen zeigen, dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen. Wie machen Sie das konkret?

In der heutigen Zeit ist es unheimlich schwierig. Ich möchte zeigen, dass Frauen selbstbewusst sind, dass wir uns nicht verstecken müssen und dass wir wirklich mit Power nach vorne gehen. In der Schule habe ich das mitunter schon umgesetzt, gerade bei den jüngeren Mädchen. Die finden das ganz toll, sich nicht hinter den Männern zu verstecken, sondern – ich sage es so, wie es ist – dass wir auch etwas können, es drauf haben und wir zeigen sollten, was in uns steckt.

Das sprechen Sie dann so konkret an?

Ja. In der Schule kam ich noch nicht so sehr dazu, aber ich finde, dass wir darüber sprechen sollten.Wenn man daran denkt, was zu Silvester in Köln passiert ist, brauchen wir gerade jetzt starke Frauen. Die Mädchen sollen sich nicht dahinter verstecken, dass wir Frauen als das schwächere Geschlecht angesehen werden, sondern sagen: Hier bin ich.

Sie sind kirchlich geprägt und waren auch bei den Pfadfindern. Was haben Sie dort gelernt, was Ihnen heute noch hilft?

Zum einen durch meine familiären Umstände – ich habe noch drei Schwestern – sowie durch die Pfadfinder und Sternsänger gibt es einen wichtigen Punkt, den ich auch versuche, den Schülern zu vermitteln: Das ist die Fähigkeit, in einem Team zu arbeiten. Meinen Schülern sage ich immer: Wenn ihr das nicht schafft, kommt ihr nicht durch das Leben.

Die Kirche erlebt aktuell einen Rekord an Austritten. Was kann die Kirche Ihrer Meinung nach tun, dass sie wieder mehr Leute anspricht?

Ich wüsste jetzt kein Patentrezept dafür. Ich kann natürlich keinen bekehren und sagen, ihr müsst ihr der Kirche bleiben. Dann hätte ich aus der Lehrerperspektive meinen Beruf verfehlt. Ich glaube, die Schwierigkeit liegt darin, die ganzen christlichen Traditionen in das Moderne zu übersetzen. Dass das funktioniert, sieht man daran, dass auf Kirchentagen viel Jugend dabei ist. Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass Kirche in unseren heutigen Generation nicht mehr einen solchen Stellenwert hat. Ich kenne Kirche von früher, ich habe von zu Hause aus erfahren, dass die Kirche immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Das ist heute leider oft nicht mehr so, was ich bei den Schüler auch merke.

Welche Person der aktuellen Zeitgeschichte möchte Sie gerne mal treffen?

Ich möchte unheimlich gerne Papst Franziskus treffen. Er ist nicht ganz so festgefahren in diesen alten Traditionen. Darüber möchte ich mich gerne unterhalten. Und auch darüber, wie er das findet, dass ich als Religionslehrerin auch eine Miss Germany sein kann. Das Management ist gerade dran, den Kontakt herzustellen. Ansonsten würde ich gerne Karl Lagerfeld treffen, weil er die Mechanismen von Mode und Religion vergleicht. Er sagt, dass das sehr ähnlich ist mit Symbolen und Ritualen. Darüber würde ich gerne etwas genauer mit ihm sprechen. Gerne möchte ich auch noch unsere Bundeskanzlerin treffen.

Warum gerade Angela Merkel?

Ich würde mit ihr über viele aktuelle Dinge sprechen, die Flüchtlingspolitik, aber auch über Themen wie etwa Altersarmut. Ich erfahre immer wieder, dass gerade ältere Menschen, die jahrelang gearbeitet haben, heutzutage an der Armutsgrenze leben und Pfandflaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen. Wenn ich an meine verstorbene Oma denke, daran, wie diese Menschen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben, jeden Monat jeden Euro umdrehen müssen – dann sehe ich eine große Ungerechtigkeit in Deutschland.

Was halten Sie von Papst Franziskus?

Er hat eine ganz realistische Art und Weise. Er verliert nicht aus den Augen, dass sich nicht nur die Welt, sondern auch die Menschen sich verändern. Er ist nicht ganz so festgefahren in diesen alten Traditionen. Darüber möchte ich mich gerne unterhalten. Und auch darüber, wie er das findet, dass ich als Religionslehrerin auch eine Miss Germany sein kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Schubert. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/vom-laufsteg-auf-die-kanzel-95289/
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/diese-frauen-machen-mut-94899/
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/diese-videos-ueber-gott-sind-fuer-bunte-der-hit-94668/
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