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Menschenwürde kommt vor Quote”

Medien haben die Verantwortung, gesellschaftliche Identifikation, Verständigung und Zusammenhalt zu fördern. Quoten legitimieren keinesfalls eine Verletzung der Menschenwürde. So appellierten Politiker und Wissenschaftler beim 22. Medienforum.NRW in Köln an die Verantwortung der Medienmacher.
Von PRO

Foto: Uwe Voelkner /Fox

Norbert Schneider, Direktor der gastgebenden Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) warnte davor, dass große Konzerne wie "Microsoft", "Apple". "Google" oder zunehmend auch Soziale Netzwerke  wie  "Facebook" darüber entschieden, welche Inhalte wen wie erreichten. "Wir müssen uns mehr um vorherrschende Kontrollmacht kümmern“, forderte Schneider.

Auf dem Kongress diskutierten Medienmacher, Journalisten und Wissenschaftler über den Strukturwandel, den die Digitalisierung der Medien ausgelöst hat. Dabei ging es sowohl um  technische Infrastruktur und mögliche Geschäftsmodelle als auch um die Veränderungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Gesellschaft.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers plädierte beim Kongressauftakt am Montag für klare Regeln im Internet. Rüttgers betonte, es dürfe zwar keine Überregulierung geben, im Internet könne aber auch nicht alles erlaubt sein. Als Beispiel nannte er Themen wie Kinderpornografie, Schutz der Persönlichkeitsrechte, Kontrolle eigener Daten oder das Recht auf Gegendarstellung. Ähnlich argumentieren Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen in der LfM-Medienkommission, die während des 22. Medienforum.NRW ein Diskussionspapier mit dem Titel "Wie die Medien sein sollten" vorstellten. Das Papier verstehen die Verfasser als Denkanstoß für eine Debatte über gesellschaftlich verantwortliche Medien.

"Menschenwürde und Qualität kommen unter die Räder"

"Wir sehen mit Besorgnis, dass der Wandel der Medienwelt nicht immer zum Besten der Bürger ist", heißt es in dem Diskussionspapier. Zwar sei das Programmangebot gewachsen, die Qualität des Angebots scheine jedoch im gleichen Maße zu sinken. Guter Journalismus bleibe zunehmend auf der Strecke, nicht nur im "Unterschichtenfernsehen", sondern auch in den sogenannten Qualitätsmedien. Menschenwürde und Qualität des Programms, Verbraucher- und Datenschutz, Vielfalt und Teilhabe drohten unter die Räder einer immer komplexeren Medienwelt zu geraten.

Digitalisierung schade den Menschen dort, wo jene von Medienbetreibern nicht als selbstbewusste Nutzer, sondern nur als Wirtschaftsobjekte angesehen würden, heißt es weiter. Quoten legitimierten aber keine Verletzung der Menschenwürde. "Wir erwarten mehr Verantwortung bei den Medienmachern."

"Kinder sind keine Beigaben in Doku-Soaps"

Ein wichtiger Punkt in dem Thesenpapier ist auch die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Kinderschutz sei nicht allein durch Sendezeitbeschränkungen zu erfüllen. Auch in den Medien mitwirkende Kinder bräuchten besonderen Schutz, denn Kinder seien keine schmückenden oder provozierenden "Beigaben" für Doku-Soaps. Im Internet müssten die Schutzinteressen von Kindern und Jugendlichen Vorrang vor der Freiheit des Einzelnen haben.

Schneider fasste das letzte Medienforum.NRW seiner Amtszeit wie folgt zusammen: "Was Medienmenschen derzeit am meisten beschäftigt und die ganze Branche bewegt ist: Auf welche Weise kann der Prozess der Digitalisierung gefördert, und wie können mögliche Fehlentwicklungen gedämpft oder sogar beseitigt werden? Wo müssen Anreize gesetzt und wo muss Wildwuchs beschnitten werden?"

Drei Tage lang war die Stadt Köln Gastgeber des 22. Medienkongresses NRW.  255 Referenten und über 3.500 Besucher kamen zu den etwa fünfzig Veranstaltungen des Kongresses. (Pro)



http://www.medienforum.nrw.de/de/kongress.html
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