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Meisner: Abtreibung ist der “tägliche, beschwiegene Super-GAU”

Warum erregt sich die Nation über Atomkraft, nicht aber über die Tötung Ungeborener? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Kölner Kardinal Joachim Meisner in der aktuellen Ausgabe der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt".
Von PRO

Foto: Erzbistum Köln

Deutschland lebe in einem wunderbaren Wohlstand. Und dennoch mache sich ein Gefühl der Unsicherheit breit, schreibt Meisner, das wenig mit äußeren Gefahren zu tun habe. Der Faden der Lebenssicherheit sei verloren gegangen, beobachtet der Erzbischof von Köln und begründet dies mit der "Schwächung des Glaubens", mit "dem um sich greifenden Glaubensverlust bei vielen Mitbürgern". Aber das sei es nicht allein, so Meisner. "Ich bin tief davon überzeugt, dass dies auch mit dem millionenfachen Tod der ungeborenen Kinder in diesem Land zu tun hat. Hier haben wir selbst den Faden des Lebens und die Nabelschnur zur Lebenssicherheit gerissen und gekappt."

"Die acht Millionen in den letzten Jahrzehnten im Mutterleib getöteten Kinder lasten auf unserem kollektiven Gewissen", ist sich der Kardinal sicher. Das stumme Warum in den Millionen Kinderaugen liege bleischwer wie eine Grabesplatte auf unserem Bewusstsein. "Natürlich spüren manche Zeitgenossen in Politik und Medien diese Last nicht. Vielleicht weil sie mit anderen Dingen so intensiv beschäftigt sind oder weil ihr Gewissen verkümmert ist. Aber wer um die Zukunft dieses Volkes besorgt ist, der sollte sich mehr um dieses Thema kümmern als um die sogenannte Energiewende." Hier würden jeden Tag, auch heute, mehr als zehn Klassenzimmer ausgelöscht. "Es ist der tägliche, beschwiegene Super-GAU."

"Gesellschaft auf einen Weg in die Barbarei geführt"

Heute werde allgemein und vor allem in den Medien das Kind als Bedrohung empfunden für Wohlstand und Freiheit. Mit der Liberalisierung des Paragrafen 218, "sprich der De-facto-Freigabe der Abtreibung", habe man die Gesellschaft auf einen Weg "in das Unmenschliche, in die Barbarei geführt", schreibt Meisner. Abtreibung sei kein Recht. Wer sie als solches deklariere und fordere, der pervertiere die Gesellschaft. "Man kann das Recht auf Leben nicht gegen das Recht auf Töten ausspielen. Wir wissen wohl alle, dass die Würde des Menschen durch die Abtreibung nicht nur im Einzelfall, sondern prinzipiell infrage gestellt worden ist."

Im Hinblick auf ein Zitat des Religionsphilosophen Romano Guardini – "Der Geist wird krank, wenn er in seinem Wurzelwerk den Bezug zur Wahrheit verliert"-, folgert der Kölner Erzbischof: "Wer Abtreibung als Recht verankern will, pervertiert nicht nur das Recht, er zeigt, dass er ebendiesen Bezug zur Wahrheit verloren hat, vielleicht sogar verlieren wollte." Hier sei der Kern der Krise heute, der Verzicht auf die Wahrheit. Auch wenn die Politik schweige und viele Medien das Thema als lästig empfänden, "allein die demografische Entwicklung in Deutschland sollte uns dieses Thema aufdrängen", schreibt Meisner. Es gehe auch um Wohlstand, um Innovationskraft aus der Jugend, um Sinn für Freiheit. "Und um unser Menschsein. Schweigen ist angesichts der massenhaften Tötung mehr als fahrlässig." (pro)

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