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Meinungsmanipulation in den Medien?

Kann man Journalisten noch trauen? Über diese Frage hat Sandra Maischberger mit ihren Gästen am Mittwoch in ihrer Talk-Sendung diskutiert. So sieht etwa AfD-Mitglied Joachim Radke die Berichterstattung in den deutschen Medien als gesteuert und gleichgeschaltet. Dagegen hält der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert.
Von PRO
Der Begriff „Lügenpresse“ schwelte im Hintergrund bei der Diskussion in der ARD-Sendung „Maischberger“

Foto: WDR/Max Kohr

Der Begriff „Lügenpresse“ schwelte im Hintergrund bei der Diskussion in der ARD-Sendung „Maischberger“

Der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert hält die deutsche Presse für eine der besten der Welt. Dies sagte er im Rahmen der ARD-Sendung „Maischberger“ mit dem Thema „Vorwurf ‚Lügenpresse‘ – Kann man Journalisten noch trauen?“. Ein Vakuum in der Politik und in der Berichterstattung der Medien sieht dagegen AfD-Mitglied und Pegida-Anhänger Joachim Radke. Der größte Teil der Berichterstattung entspreche der Wahrheit, sagte Radke. Darüber hinaus sei aber auch einiges vermischt mit Halb- und Unwahrheiten. Dabei nehme er eine Meinungsmanipulation wahr.
Radke kritisierte, dass Richtigstellungen oft extrem klein ausfielen. Deswegen hole er sich immer Gegenmeinungen ein und nehme nichts unkritisch hin. Die mediale Begleitung des US-Wahlkampfs habe er als sehr einseitig wahrgenommen. Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld sah eine Arroganz der medialen Elite. Drei Viertel der Bevölkerung glaubten, dass sich Journalisten von der Politik vereinnahmen ließen. Zudem sei es kein Geheimnis, dass Journalisten mehrheitlich links und grün verortet seien und einigen die professionelle Distanz verloren gegangen sei, positionierte sich Lengsfeld.

„Keine Rede von einer Vertrauenskrise“

Der Blogger und Netz-Aktivist Sachsa Lobo warnte vor Propaganda und Lügen in den sozialen Netzwerken. Von „Lügenpresse“ zu sprechen sei aber unverschämt und undifferenziert.
Der Medienwissenschaftler Gerhard Vowe von der Universität Düsseldorf widersprach der verbreiteten Meinung, dass den Medien immer weniger geglaubt werde: „Es kann keine Rede von einer Vertrauenskrise sein.“ Die Zahlen seien stabil. 40 Prozent der Menschen vertrauten den Medien, 60 Prozent wenig oder gar nicht. Innerhalb der Skeptiker gebe es einen harten Kern der Ultras.
Die Gäste diskutierten auch über eine noch nicht vollständig veröffentlichte Studie der Hamburg Media School. Demnach hätten die Medien über die Flüchtlingskrise überwiegend positiv berichtet. Nur in 6 Prozent der Artikel, in denen das Wort Willkommenskultur vorkomme, sei das Thema problematisiert worden. 82 Prozent der Artikel seien positiv gewesen. Für Lobo zeigten diese Zahlen eine allgemeine Freude der Journalisten darüber, dass in Deutschland Kriegsflüchtlinge positiv begrüßt werden können.

Deutsche zeigen sich aufgrund ihrer Geschichte menschenfreundlich

Wickert erklärte den Umgang der Medien mit dem Thema mit der deutschen Geschichte und der nationalen Identität. Aufgrund der eigenen Geschichte wollten sie sich menschenfreundlich zeigen. Blogger Lobo sah die Gefahr, dass die Nutzer sozialer Medien zunehmend Artikel aus ihrem eigenen Meinungsumfeld lesen und keine Gegenpositionen mehr wahrnehmen würden. Dies spitze sich eindimensional zu. Der Medienwissenschaftler Vowe war froh, dass es noch gemeinsame Themen gebe, über die man sich austauschen könne und austausche.
Mit 2,65 Millionen Zuschauern lag der Marktanteil bei 10,3 Prozent – und damit deutlich über dem Durchschnitt. Zuvor hatte die ARD den Film „Die vierte Gewalt“ gezeigt, der sich damit beschäftig, ob und wie sich Journalisten von der Politik einspannen lassen.
Bundespräsident Joachim Gauck hat unterdessen populistische Kritik an den Medien in Deutschland zurückgewiesen. „Wer die Medien heute und hierzulande zur ‚Lügenpresse‘ umdeutet, dem geht es nicht um Diskussion, sondern um Denunziation“, sagte Gauck anlässlich des Festakts zum 60. Jahrestag des Deutschen Presserats. (pro)Medien und ihr Publikum: Vertrauen in der Krise (pro)
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