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Meinungsfreiheit im Shitstorm

Talk-Shows sind ein heißes Pflaster. Das gilt vor allem für zwei Fälle. Erstens, wenn der Talk-Gast eine Minderheitenmeinung vertritt und in die Ecke gedrängt wird. Und zweitens, wenn es um besonders emotionale Themen geht. Am hässlichsten wird es aber, wenn beides zusammenkommt. Bei zwei Talkshows wurde in den letzten Tagen deutlich, wie verletzlich die Meinungsfreiheit ist.
Von PRO

Foto: Klaus Görgen, WDR

Die explosive Mischung in dieser Woche: Martin Lohmann und Abtreibung, zunächst bei „Günther Jauch“, dann bei „Markus Lanz“. Lohmann argumentierte in weiten Teilen sehr sachlich und äußerte Verständnis für andere Meinungen. Man kann dem Journalisten und Theologen wirklich nicht vorwerfen, sich unfair verhalten zu haben, auch wenn seine Kritiker manche seiner Bemerkungen als Arroganz auslegten. Seine Position, generell gegen Abtreibung zu sein, brachte ihm einen „Shitstorm“, also eine Flut an Beschimpfungen, auf Twitter ein, Lohmann berichtete von Hassmails der übelsten Art. Er wünsche niemandem, solche Botschaften zu bekommen – auch was seine Frau und seine Tochter betreffe. Lohmann bezeichnete es als „übergriffig“, dass Jauch ihn in seiner Sendung gefragt hatte, ob er denn auch seiner Tochter nach einer Vergewaltigung die „Pille danach“ verweigern würde. Auch bei „Markus Lanz“ kam es zu einer kuriosen Szene, als dieser Lohmann das Du entzog und vorschlug: „Lass uns bitte siezen.“ Das schaffe mehr Distanz bei diesem Thema. Selbstverständlich galt das „Sie“ nur für Lohmann, nicht für die anderen Talk-Gäste. Auch wenn sich Lohmann bei „Markus Lanz“ geschickter verhielt als zeitweise bei Jauch, twitterte die Netzgemeinde weiterhin gegen ihn, was das Zeug hielt. Gegenstimmen? Fehlanzeige. Einer schrieb: „Ich muss euch enttäuschen. Die, die den #Lohmann gut finden, sind nicht auf Twitter. Und sie sind viele. Hier ändert ihr nichts. #jauch“.

Doch am nächsten Tag kippte die Stimmung. Zwischenzeitlich war bekannt geworden, dass Lohmann schon im Dezember als Dozent an der „Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation“ entlassen wurde. Lohmann hatte sich vorher kritisch gegenüber der Homo-Ehe und praktizierter Homosexualität geäußert. Die Hochschule begründete ihren Schritt mit ihrem „Menschenbild, in dem verschiedene sexuelle Orientierungen respektiert werden“. Sie lehne „jegliche Art von Diskriminierung ab“. Vielen Internetnutzern ging das dann doch zu weit. Es fanden sich immer mehr Kommentare wie der unter einem „welt.de“-Artikel: „Ich teile kaum Positionen von Herrn Lohmann, aber diese Schmutzkampagne gegen ihn finde ich aus menschlicher Sicht einfach nur widerwärtig und armselig.“

Der Fall Lohmann zeigt, dass viele Deutsche Nachholbedarf in Sachen Demokratie haben. Keiner muss Lohmann zustimmen, aber das Recht auf Meinungsfreiheit gilt für alle, auch für Minderheiten. Vor allem bei einem so sensiblen Thema wie Abtreibung. Es würde unserem Land gut tun, wenn sich die Menschen wieder gegenseitig zuhören würden, auch wenn es unbequem ist. (pro)

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