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„Meine Vorbilder? Mutter Teresa und Sarah Palin“

Am "Patrick-Henry-College" im US-Bundesstaat Virginia werden junge Evangelikale auf Karrieren in Politik, Justiz und Wirtschaft vorbereitet. Eine Reporterin der Wochenzeitung "Die Zeit" hat sich undercover beim "Tag der offenen Tür" in die Universität eingeschlichen. Sie berichtet von hochrangigen Elite-Professoren – und Drohungen mit der Hölle.
Von PRO

Foto: YouTube / Patrick McKay (CC BY-SA 2.5)

"Gottes Harvard" heißt der ganzseitige Artikel von Amrai Coen, der das Direktorium der Universität ein Interview verweigerte: Man habe "schlechte Erfahrungen" mit der Presse gemacht, besonders mit der deutschen. So hat sich die Journalistin, getarnt als interessierte Studentin, selbst aufgemacht, den "Brutkasten der evangelischen Elite" zu erkunden. Gemeinsam mit einer Gruppe von jungen Leuten hat sie am "Tag der offenen Tür" der Universität teilgenommen und so einen Einblick ins Campusleben erhalten. "Das hier ist Gottes Projekt", sei sie von Michael Farris, dem Gründer der Hochschule, begrüßt worden. Farris habe in seiner Ansprache Witze über Homosexuelle gemacht, die von den Zuhörern mit Gelächter honoriert worden seien. Er ist gelernter Anwalt und eröffnete die Bildungseinrichtung im Jahr 2000.

Heute studieren hier 340 junge Menschen Fächer wie "Governance" oder "Strategic Intelligence". Gut 90 Prozent von ihnen, heißt es in dem Bericht, hätten zuvor "noch nie eine Schule von innen gesehen; sie wurden aus religiösen Gründen zu Hause unterrichtet". Biologie, Sexualkunde und die Evolutionstheorie sei für diese Christen "tabu". Für die Autorin ein schlechtes Zeichen: "Die meisten von ihnen kennen nur ihr Wohnzimmer als Klassenraum, nur ihre Geschwister als Mitschüler. Ausgerechnet diese jungen Leute wollen in die Politik, wollen einen Beruf ergreifen, der mit sozialer Verantwortung zu tun hat."

Bei der Führung über den Campus stellt die Journalistin fest, dass Jungen und Mädchen in getrennten Häusern leben müssen. Zudem trügen viele Studenten Anzug und Krawatte, viele Studentinnen ein Kostüm: "Kleidung, für die sie mit ihren nicht mal 20 Jahren eigentlich zu jung sind." Die Professoren, die am "Patrick-Henry-College" arbeiten, "könnten kaum besser sein: Sie haben an den Eliteuniversitäten der USA studiert und unterrichtet, in Yale und Princeton." Die Universität nehme keine staatlichen Fördermittel in Anspruch, um vollkommen unabhängig zu bleiben. 40.000 Dollar kostet ein Studium pro Jahr, Hochqualifizierte haben die Chance auf ein Stipendium.

Praktikumsplätze: FBI, CIA und Weißes Haus

Eine der bekanntesten Studentinnen der Uni ist die Siegerin von "Miss America 2011", Teresa Scanlan. Nach ihrer Zeit am "Patrick-Henry-College" will sie in Harvard einen Master in Jura machen, Richterin am Obersten Gerichtshof werden und im Jahr 2028 als Präsidentschaftskandidatin antreten. Gott habe sie dazu berufen, glaubt sie. Die Konkurrenz ist hart: "Hier sind Leute, die schon mit 18 ihr erstes Studium abgeschlossen haben, die Bücher geschrieben oder Hilfsorganisationen gegründet haben." Als ihre größten Vorbilder benennt die Studentin Mutter Teresa und Sarah Palin: "Mutter Teresa, weil sie der Beweis dafür ist, dass ein einzelner Mensch die Gesellschaft bewegen kann. Sarah Palin, weil sie eine Frau ist, die Politik und Glaube vereint."

Ein anderer Student erklärt der Reporterin, dass er und seine Kommilitonen ein hervorragendes Image bei Arbeitgebern hätten: "Überall, wo wir hinkommen, werden wir geliebt als Praktikanten." Zu den beliebtesten Praktikumsplätzen zählen dabei die Büros republikanischer Abgeordneter, die Bundespolizei FBI und der Geheimdienst CIA. Unter George W. Bush erhielten vergleichsweise viele Studenten einen Praktikumsplatz im Weißen Haus.

Die Studenten des evangelikalen Colleges können sich über mangelnden Erfolg nicht beklagen: "Die ersten Patrick-Henry-Absolventen haben inzwischen Journalisten-, Film- und Fernsehpreise gewonnen, einer hat gerade sein Jurastudium in Harvard abgeschlossen und wird in die Politik gehen", berichtet die "Zeit". Für Michael Farris könne es so weitergehen, endet der Bericht und zitiert eine von seinem größten Traum: "Einer meiner Studenten läuft über den roten Teppich bei der Oscar-Verleihung, um sich den Preis für den besten Film des Jahres abzuholen. Sein Telefon klingelt, und der Präsident der Vereinigten Staaten ruft an, um ihm zu gratulieren. Die beiden haben sich ein Zimmer geteilt am Patrick Henry College." (pro)

http://www.zeit.de/2012/46/USA-Evangelikale-Elite-College
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