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Meine Kirche, meine Moschee, mein Frankreich

Der Vorschlag des Vorstehers der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, leere Kirchen in Moscheen umzuwandeln, hat eine heftige Debatte ausgelöst. Obwohl Boubakeur seinen Vorschlag mittlerweile zurückgezogen hat, mischen sich Spitzenpolitiker in die Diskussion ein.
Von PRO
Nicolas Sarkozy hat auch einen Aufruf unterschrieben, der sich gegen die Nutzung von Kirchen als Moschee richtet. Das Thema erhitzt zurzeit in Frankreich die Gemüter
Nicolas Sarkozy hat auch einen Aufruf unterschrieben, der sich gegen die Nutzung von Kirchen als Moschee richtet. Das Thema erhitzt zurzeit in Frankreich die Gemüter
Können leere Kirchen den Mangel an muslimischen Gebetsräumen lindern? Muslime könnten die ungenutzten christlichen Gotteshäuser nutzen, sie hätten doch „denselben Gott und ähnliche Riten“. So lautete der Vorschlag von Dalil Boubakeur, der auch offizieller Sprecher aller Muslime in Frankreich ist. Er erhitzt die Gemüter nach wie vor. Die Online-Ausgabe der österreichischen Zeitung Die Presse spricht gar von einer Debatte, „die seither fast zu einem ideologischen Kreuzzug ausartet“.

Sarkozy unterschreibt Aufruf

Der muslimische Blogger Al Kanz hielt den Vorschlag für eine „unnötige Provokation“ in einem schon angeheizten Klima, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Der französische Schriftsteller Denis Tillinac hat unter dem Titel „Greife mir meine Kirche nicht an“ einen Aufruf gegen die Idee gestartet. Unterzeichnet hat ihn neben konservativen Intellektuelle und Unternehmern auch der ehemalige Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. „Eine Kirche ist keine Moschee“, schreibt Tillinac darin, „die Glaubensriten unterscheiden sich.“ In ihrem Herzen wüssten alle Franzosen, egal ob gläubig, agnostisch oder atheistisch, dass die Zehntausenden Kirchtürme Frankreichs die französische Identität verkörperten. Weniger negativ geäußert hat sich der Bischof von Evry, Michel Dubost. Er ist zuständig für interreligiöse Fragen in der katholischen Kirche. Ihm sei ein Gebetsort für Muslime lieber als eine Kneipe oder Diskothek. Durch die Trennung von Religion und Staat in Frankreich sind ein Großteil der Kirchen Eigentum des Staates oder der Gemeinden. Obwohl die Bürgermeister das Recht hätten, sie zu verkaufen, geschehe dies bei den 45.000 Kirchen im Land eher selten.

Ein hinkender Vergleich?

Der Schriftsteller Pierre Daum sieht kein Problem in einer Nutzung der sakralen Räume durch die Muslime. Mit der algerischen Unabhängigkeit 1962 hätten sie 400 von 567 Kirchen übernommen. Die Kritiker halten dies zum jetzigen Zeitpunkt für ein schlechtes Argument. Denn in der irakischen Stadt Mossul würden gerade unter der Herrschaft des IS christliche Gotteshäuser in Moscheen verwandelt. Die genaue Zahl der Muslime in Frankreich wird zwischen etwa sieben und elf Prozent geschätzt. Dies entspricht 4,7 bis 7,4 Millionen Muslimen. Die Zahlen sind deswegen so ungenau, da das französische Gesetz Statistiken über die Religionszugehörigkeit untersagt. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/detailansicht/aktuell/solidaritaet-aber-nicht-fuer-alle-92792/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/muslime-gewinnen-in-frankreich-ansehen-92385/
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