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Mein Tod gehört mir



Gehört mein Tod (noch) mir? Dies war eine der Kernfragen der Diskussion in der Sendung "hart aber fair", die am gestrigen Montag in der ARD lief. Über "Die letzte Aufgabe: Mensch bleiben am Ende des Lebens" sprachen der Journalist und Buchautor Jürgen Domian, der Musik-Manager Thomas Stein, die Theologin Margot Käßmann, der Palliativmediziner Matthias Töns und der Sportreporter Werner Hansch.

Von PRO

Foto: ARD / pro

Der Moderator der Telefon-Talkradio-Sendung "Domian" monierte, dass in der Gesellschaft Menschen über alles frei entscheiden könnten, nur nicht über den eigenen Tod. Als Moderator einer Sendung, in der sich Menschen mit all ihren Problemen an ihn wenden könnten, seien die Gespräche über den Tod immer die schwierigsten.



Auf der Grundlage strengster Regeln sprach sich Domian für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe aus: "Menschen sollen für sich das Recht haben, am Ende des Lebens ihren Todeszeitpunkt festzulegen, wenn das Leid zu groß ist." Der WDR-Moderator forderte ein Recht darauf, auf sein Verlangen hin durch einen Arzt getötet zu werden, wenigstens aber von einem ausgebildeten Mediziner Assistenz beim Suizid in Anspruch nehmen zu können. Der Journalist hat die Erlebnisse mit dem Tod seines Vaters in einem Buch verarbeitet. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema habe er die Angst vor dem Tod minimiert, nicht aber die vor dem Sterben. Frei nach Albert Camus sei der Tod die letzte Freiheit des Menschen.



Wer entscheidet über lebensunwertes Leben?


Margot Käßmann wünschte sich, an der Hand und nicht durch die Hand eines Menschen zu sterben. Die Theologin plädierte dafür, den Sterbeprozess als Teil des Lebens zu betrachten: "Als Christin glaube ich an ein Danach." Ungern wolle sie in einer Gesellschaft leben, wo der Arzt darüber entscheide, was lebensunwertes Leben sei und was nicht. Durch die aktuelle Bestattungskultur würden Sterbende ins Abseits abgedrängt und die Angst vor den Tod aus der Gesellschaft verbannt. Doch gerade Hospize gehörten mitten ins Leben.


"Wir müssen auch aushalten, dass Menschen nicht leistungsfähig sind und dass wir sie trotzdem liebevoll umsorgen", mahnte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auf der Grundlage ihres Glaubens habe der Tod für sie nicht das letzte Wort. Mangel an Menschlichkeit im Umgang mit dem Tod betonte der Musik-Manager Thomas Stein. Er selbst habe bei seiner verstorbenen Frau die Versuchung aushalten müssen, ihr beim Tod nachzuhelfen und ihr Leiden zu verkürzen. Seine moralische Verpflichtung habe ihm geholfen, dies nicht zu tun. Stein forderte: "Wir müssen den Tod im positiven Sinne für den Betroffenen annehmen."

Der Palliativmediziner Matthias Thöns betonte, dass es mittlerweile gut möglich sei, Leiden zu lindern und Schmerzen zu kontrollieren. Bei schier unerträglichem Leid gelte es zu helfen: "Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, dass der Tod zum Leben dazugehört." Aus medizinischer Sicht forderte er eine bessere Ausbildung der Hausärzte, "weil die meisten Menschen zu Hause sterben wollen".

Die Sportreporter-Legende Werner Hansch beschäftigte sich durch den Verlust beider Elternteile früh mit dem Tod. Auch er verspüre den Wunsch, den eigenen Tod selbst zu bestimmen. Wie jemand den Tod erleben möchte, hänge aus Hanschs Sicht damit zusammen, wie derjenige glaubensmäßig verankert sei: "Ich setze ein vernünftiges Maß an Vertrauen an die Erwartung, dass wir nicht in ein Nichts fallen", sagte der Sportjournalist in der Diskussionsrunde.



Sterbehilfe mit dem christlichen Glauben vereinbar?


Sterbehilfe sei mit dem christlichen Glauben vereinbar: "Wenn ich sage, Gott hat mir mit Hilfe meiner Eltern das Leben geschenkt", müsse es auch die Möglichkeit geben, bei fehlender Kraft und großem Leiden das Geschenk zurückzugeben. Menschen in Hospizen wünschte er vor allem Fürsorge, Einbindung und Zuwendung.



Die Studentin Sarah Klug berichtete in der Sendung von mehreren Praktika in einem Hospiz. Die Arbeit dort bezeichnete sie als Ehre, Menschen auf ihrem letzen Weg zu begleiten und ihnen einen würdevollen Abschied zu bereiten. "Das Hospiz ist einer der schönsten Arbeitsplätze, den ich mir vorstellen kann. Hier erhält Zeit eine ganz andere Qualität." Zugleich wurde in der Sendung eine Sequenz gezeigt, in der Anwohner in Hamburg gegen ein geplantes Hospiz protestierten, weil es zur "Wertminderung der eigenen Grundstücke" führe. Im November plant die ARD eine Themenwoche "Leben mit dem Tod", in der sich der Sender eine Woche lang intensiv mit dem Thema beschäftigen möchte, kündigte Plasberg an. (pro)

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