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„Mein christlicher Glaube ist gewollt und gewählt“

Eugen Gomringers Gedicht „Avenidas“ an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule hat eine Debatte über Sexismus und Kunstfreiheit ausgelöst. Seine Tochter Nora ist ebenfalls Lyrikerin. Gemeinsam haben sie sich über Gott geäußert und über Schwierigkeiten gläubiger Künstler.
Von PRO
Die Literatin Nora Gomringer spricht in einem gemeinsamen Interview mit ihrem Vater Euger in der Zeitschrift "Christ und Welt" offen über ihren Glauben
Die Literatin Nora Gomringer spricht in einem gemeinsamen Interview mit ihrem Vater Euger in der Zeitschrift “Christ und Welt” offen über ihren Glauben

Das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer bestimmte Anfang des Jahres die Schlagzeilen. Weil es sexistisch sein soll, hatte die Leitung der Alice-Salomon-Hochschule beschlossen, es zu ersetzen. Über die Kritik daran, aber auch über ihren persönlichen Glauben sprechen der 93-jährige Autor und seine Tochter Nora, ebenfalls Lyrikerin, in „Christ und Welt“, das der Wochenzeitung Die Zeit beiliegt.

Die Debatte über das Gedicht nervt Nora Gomringer. Kunstferne Menschen würden hier über ein Gedicht und einen Dichter richten. Außerdem werde ein Kulturkampf herbeigeführt. Vor allem feministische Kreise blieben unbelehrbar und zögen das Gedicht ins Lächerliche. Sie selbst habe es immer theologisch gelesen, als „Dank an Gott“.

Allem Seienden auf den Grund gehen

Aber Vater und Tochter sprechen auch über ihren Glauben: Nora Gomringer bezeichnet sich selbst als Christin. Ihr Vater sieht sich als Pantheist, der „allem Seienden auf den Grund“ gehen will. Nora ordnet ihn als schöpfungsbezogen und kulturgläubig ein: „Mein Vater ist im Grunde ein verkappter Christ.“ Sie selbst sei von ihrer Mutter geprägt und im katholischen Glauben erzogen worden.

Mit 21 Jahren habe sie sich gefragt, für wen „ich das ganze Glaubenszeug“ mache. Sie habe dann gespürt: „Der Glaube, das bin schon ich. Auch wenn er durch die Mutter geprägt sei: „Er ist gewollt und gewählt.“ Sie selbst baue in ihre Werke auch religiöse Inhalte ein, aber es sei nicht alles „von einem christlichen Geist durchdrungen“.

Literatur könne aber keinesfalls die Religion ersetzen, weil sie „weltliche Dinge wie Yoga, Fußball oder auch Literatur“ überragt: „Alles kann in einem Zusammenhang mit Religion gesehen werden, aber nie an ihre Stelle treten.“ Mit ihrem Bekenntnis zum Christsein eckt die Literatin an. Bei ihrem Buch „Gottesanbeterin“ wolle der Verlag, die aus dessen Sicht zu „frommen Gebete“ nicht abdrucken.

Alles, was nach Religion riecht, ist suspekt

Gomringer bemängelt, dass die Menschen nicht auf Empfang seien für „christliche Tugenden wie Bescheidenheit und Demut“. Gerade in der Literaturszene sei vielen das Religiöses fremd und suspekt. Die Lyrikerin hält es für einen großen Verlust, die lange Tradition des Christentums einfach so aufzugeben.

Als Feministin Teil der Katholischen Kirche zu sein, sei auf für sie eine Herausforderung: „Mehr noch: Es ist sogar meine Verpflichtung als Christin, meinen eigenen Weg zu gehen.“ Als Christin habe sie die Aufgabe, anderen zu dienen. Das mache sie als Leiterin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg: „Mein Glaube ist sehr praktisch und hat mich geprägt.“

Der bolivianisch-schweizerische Schriftsteller Eugen Gomringer ist Lyriker und gilt als Begründer der Konkreten Poesie. Seine 38-jährige Tochter Nora ist ebenfalss literarisch aktiv: Die Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015 lebt in Bamberg, wo sie seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia als Direktorin leitet.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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