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Mehr Dialog statt theologische Frontstellungen

Trotz unterschiedlichen Bibelverständnisses sollten evangelikale und universitäre Theologen ihre Forschungsergebnisse gegenseitig zur Kenntnis nehmen und wertschätzen. Dafür plädiert Uwe Bertelmann, theologischer Lektor beim Brunnen Verlag.
Von PRO
Uwe Bertelmann ist theologischer Lektor beim Brunnen Verlag Gießen und begleitet die Veröffentlichungen bei der Theologischen Verlagsgemeinschaft (TVG)

Foto: (privat)

Uwe Bertelmann ist theologischer Lektor beim Brunnen Verlag Gießen und begleitet die Veröffentlichungen bei der Theologischen Verlagsgemeinschaft (TVG)

Seit 40 Jahren gibt es die Theologische Verlagsgemeinschaft (TVG) der Verlage Brunnen und Brockhaus. Uwe Bertelmann verantwortet heute als theologischer Lektor beim Brunnen Verlag Gießen auch die Veröffentlichungen bei der Theologischen Verlagsgemeinschaft (TVG). Im Gespräch mit pro erklärt er, welche Rolle das Bibelverständnis innerhalb der Theologie dafür spielte, die Verlagsgemeisnchaft zu gründen – und wie das Verhältnis zwischen pietistisch und liberal geprägter Theologie heute aussieht.

pro: Was ist das Unterscheidungskriterium zwischen „universitärer” und „evangelikaler” Theologie?

Uwe Bertelmann: Es gibt durchaus auch Theologen an den Universitäten, die der „Evangelikalen Theologie“ nahe stehen. „Universität“ und „evangelikale Theologie“ ist kein zwingender Gegensatz. Aber was unterscheidet sie vom Mainstream? Ein wesentlicher Punkt, der zur Gründung eines eigenen Arbeitskreises, des AfeT (Anmerkung: Arbeitskreis für evangelikale Theologie), und etwa gleichzeitig auch einer eigenen theologischen Publikationsplattform, der TVG, geführt hat, war sicher die Frage des Bibelverständnisses. Ist die Bibel so auszulegen wie jedes andere Buch auch oder muss der Ausleger, wenn er sie wirklich verstehen will, ihre Einzigartigkeit als Wort Gottes berücksichtigen? Besonders Rudolf Bultmanns Programm der „Entmythologisierung“ des Neuen Testamentes hatte hier eine intensive Debatte ausgelöst. Da ging es dann nicht nur um die Frage des Bibelverständnisses, sondern auch darum, ob die Auferstehung von Jesus ein historisches Ereignis war.

Wie hat sich evangelikale Theologie verändert in 40 Jahren ihres Bestehens?

Als die TVG gegründet wurde, war ein wichtiges Anliegen, jungen Theologen mit pietistischer oder evangelikaler Prägung eine wissenschaftliche Publikationsplattform zu geben. Das steht heute nicht mehr so im Vordergrund, weil gute Promotionen auch in anderen einschlägigen Fachverlagen unterkommen. Vielleicht ist das ein Indiz dafür, dass es nicht mehr so klare Frontstellungen gibt. Man sucht heute auf akademischer Ebene – vielleicht mehr als vor 40 Jahren – die Verständigung und das Gespräch. Es gibt auf beiden Seiten durchaus die Bereitschaft, das wissenschaftliche Arbeiten gegenseitig anzuerkennen, auch wenn man nicht die gleichen Schlüsse zieht. Und natürlich haben sich die Themen geändert. Über die „Herausforderung des Marxismus“ würde man heute kein Buch mehr schreiben. Umgekehrt interessierten sich vor 40 Jahren noch nicht so viele Leser für die Gender-Debatte.

Wird evangelikale Theologie an Universitäten überhaupt wahrgenommen?

Leider noch viel zu wenig. Man wünscht sich immer mehr Wahrnehmung. Aber die Publikationen in der TVG werden durchaus in der Theologischen Literaturzeitung und anderen Zeitschriften rezensiert. Und durch die staatliche Anerkennnung evangelikaler Ausbildungsstätten als Hochschulen beziehungsweise Fachhochschulen bahnen sich, so mein Eindruck, verstärkte Kontakte auf wissenschaftlicher Ebene an. Und die evangelikale Bewegung hat mittlerweile auch in Deutschland einige profilierte Theologen hervorgebracht, an denen man akademisch nicht mehr so ohne weiteres vorbeikommt. Wissenschaftliche Qualität wird auch wahrgenommen werden – das ist zum Beispiel auch das Ziel der TVG-Lehrbuchreihe. Ein Beispiel dafür, dass das gelingt, sind die Lehrbücher zu den biblischen Sprachen.

Welche Theologen haben die evangelikale Theologie maßgeblich geprägt?

Hier einzelne Personen zu nennen wäre zwangsläufig ungerecht, weil man viele andere nicht erwähnen könnte. Wichtig war auf jeden Fall Gerhard Maier, der ehemalige Bischof der württembergischen Landeskirche, der der „historisch-kritischen Methode“ die „biblisch-historische Methode“ gegenübergestellt hat. Auch Klaus Bockmühl und die früheren AfeT-Vorsitzenden Helmut Burckhardt und Rolf Hille haben prägend gewirkt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer.

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