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Medientag: Ist die Kirche Mauerblümchen oder Star?

Wie wird die Kirche in den Medien wahrgenommen? Als Mauerblümchen oder als Star? Journalisten und Kirchenvertreter debattierten am Montag auf einem Medientag in Hannover über die öffentliche Stellung der Kirche – in Gegenwart und Zukunft.
Von PRO

Foto: Christian Weisker

Nach Ansicht des Chefredakteurs des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Frankfurt am Main, Thomas Schiller, habe die Kirche in den vergangenen fünf Jahren wieder mehr öffentliches Gehör in den Medien gefunden, weil sie klar mit bestimmten Gesichtern verbunden wird. Schiller warnte die Kirche jedoch davor, hinter Trends herzulaufen: "Die Medien schreiben Trends und Stars hoch, sie sind aber genauso ungnädig, Trends wieder kaputt- und Stars niederzuschreiben", sagte er: "Wir brauchen keine Stars, wir brauchen Persönlichkeiten."

Die Tagung mit rund 120 Teilnehmern fand im Rahmen des Jahresthemas "Kirche und Medien" der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers statt. Veranstalter waren die Informations- und Pressestelle der Landeskirche und das Lutherische Verlagshaus.

"Welt"-Redakteur Kamann: "Mehr diakonische Arbeit"

Matthias Kamann, Redakteur der Tageszeitung "Die Welt", gab in seinem Vortrag den kirchlichen Medienleuten den Ratschlag: "Weniger offizielle Verlautbarungen und bischöfliche Pressekonferenzen, aber mehr Beispiele für kirchliches Engagement, dann kommt Kirche in den Medien vor." Mit glaubwürdiger diakonischer Arbeit könne die Kirche für sich werben. Grundsätzlich werde es die Kirche in Zukunft schwerer haben, die Rolle einer politischen Mahnerin in den Medien zu spielen. Kirchliche Äußerungen seien eher grundsätzlich als aktuell und nutzten sich durch ständige Wiederholung ab. "Soziales Engagement beweist die Kirche nicht durch Interviews, sondern dadurch, dass sie es vorlebt", sagte Kamann laut epd.

EKD-Ratsvorsitzende: "Nicht alles kurz und knackig"

Die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, die als EKD-Ratsvorsitzende den Protestantismus in Deutschland in der Öffentlichkeit repräsentiert, sagte im Blick auf ihr neues Amt: "Mir wird ein bisschen mulmig, wenn ich bedenke, dass alles, was ich sage, auf die Goldwaage gelegt wird. Als Landesbischöfin kann ich auch mal provozieren, als Ratsvorsitzende muss ich abgewogene EKD-Positionen vertreten."

Zugleich plädierte sie dafür, in einzelnen Fällen auch vermeintliche Mediengesetze zu durchbrechen. So müsse in einem Fernseh-Gottesdienst auch einmal 15 Minuten gepredigt werden dürfen, weil dies zur evangelischen Kirche gehöre: "Wir dürfen nicht alles kurz und knackig machen." Ein Fernseh-Team hatte am Reformationstag Käßmanns Predigt auf sieben Minuten beschränkt.

Teilnehmer des Medientages waren nach Angaben der Veranstalter Öffentlichkeitsbeauftragte aus Kirchenkreisen und Sprengeln, Fundraiser, Superintendenten und interessierte Ehrenamtliche, die vor Ort die Kirche gegenüber den Medien vertreten. Angeboten wurden zudem Praxisworkshops, um die Kenntnisse für den Berufsalltag zu vertiefen.
http://www.evlka.de
http://www.evangelisches-medienzentrum.de
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