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Mediendisput: Journalismus und Skandaltauglichkeit

M a i n z (KEP) – „Medien können nur so gut sein, wie die Menschen, die sie machen“- mit diesen Worten eröffnete Anke Fuchs, Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung den 10. „Mainzer Mediendisput“. Über 500 Journalisten, Politiker und Kritiker waren zu der Fachtagung im ZDF-Konferenzsaal in Mainz gekommen.
Von PRO

Die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, erinnerte zu Beginn der Fachtagung an das achte Gebot: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.“ Sie forderte Journalisten dazu auf, in ihren Medien die Wahrheit abzubilden. „Wahrheit ist ein hohes Gut, das den Medien anvertraut ist.“ Dabei zeigten Medien oft nur eine begrenzte Wirklichkeit, vor allem die gezeigten Bilder täuschten oft. Käßmann kritisierte auch die oft „gnadenlose Verfolgungsjagd der Kameras“, sowie die Tendenz einer „hämischen Berichterstattung über die Kirchen“.

Zu dem Thema „Medien in der Wertefalle“ diskutierten neben der evangelischen Bischöfin auch Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführerin Heike Maria Kunstmann und der frühere Bundesminister SPD-Vorsitzende Hans- Jochen Vogel. Dieser sah bei TV und Printmedien einen deutlichen Trend zu Skandalisierung, Banalisierung, Brutalisierung und Hysterisierung. Auch orientierten sich Medien zunehmend an ökonomischen Interessen. Dies wurde auch im weiteren Tagesverlauf als Problem thematisiert. Trotzdem sah der ehemalige Bundesminister die Medien nicht dauerhaft in einer „Wertefalle“. Nach Vogels Ansicht wird die Zahl der Menschen, die an Werten festhalten wollen im Zeitalter der Beschleunigung, in Zukunft wieder ansteigen.

Quote entscheidet über Programminhalte

Der allgegenwärtige Blick auf die Quote, der bei den Fernsehsendern über die Programmgestaltung entscheide, war ein weiteres Thema, das in den Veranstaltungen des Mediendisputes angesprochen wurde. Hans Leyendecker, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, verurteilte die Macht, die der  Einschaltquote verliehen wird. „Niemand redet mehr darüber, dass Politmagazine auf 30 Minuten gekürzt werden und sogar die öffentlich-rechtlichen Sender zur besten Sendezeit lieber Telenovelas und Soaps senden, als politische Aufklärung zu betreiben. Quotendruck ist eine billige Erklärung für Entscheidungen.“

Einig waren sich auch alle Anwesenden darin, dass Medienschaffende sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl und die objektive Aufklärung und Information der Leser bewusst sein müssten. In der Diskussionsrunde der Chefredakteure über die journalistischen Leitwerte wurde eher kontrovers diskutiert.  Dietmar Piper, Ressortleiter Politik beim „Spiegel“, Peter Kloeppel, Chefredakteur von RTL, Michael Backhaus, stellvertretender Chefredakteur bei „Bild“ und Leyendecker fanden unterschiedliche Antworten auf die Frage, welche Leitwerte ihre Redaktionen beachten. Leyendecker sah eine allgemeine Tendenz darin, dass Journalisten zuwenig Distanz hielten zum Geschehen und sich durch andere Medien, vor allem die „Leitmedien“ „Bild“ und „Spiegel“ zu sehr beeinflussen ließen: „Sobald ein Journalist selber zum Akteur wird, wird es problematisch“.

Skandaljournalismus und moderne Treibjagden in den Medien

Leyendecker wies auch darauf hin, dass der „Skandaljournalismus“, der im Stil von „Treibjagden“ inszeniert würde, inzwischen von Politikern gezielt missbraucht werde, um von anderen Themen abzulenken. Bei einigen Skandalen der Vergangenheit sei die Frage. „wer treibt und wer inszeniert“, kaum zu beantworten. Meldungen werden nach Leyendecker zu oft nach ihrem „Skandaltauglichkeitsfaktor“ bewertet und aufgegriffen. Zwar können guter Journalismus durchaus Fehlentwicklungen in der Gesellschaft aufzeigen und korrigieren. Dabei seien aber intensive Recherche und absolute Objektivität der Journalisten die Voraussetzung.

Wird die Journalisten-Ausbildung oberflächlicher?

Thematisiert wurden in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen des Kostendruckes, unter dem die meisten Redaktionen stehen. Die daraus folgenden Einsparungen führten dazu, dass Nachwuchsjournalisten wenig oder keine Anleitung, Beratung und auch Korrektur ihrer Arbeit erlebten. Dies führe dazu, dass journalistische Standards verloren gehen. Guter Journalismus könne aber nur geleistet werden, wenn der Nachwuchs gründlich und professionell ausgebildet würde.

Der „Mainzer Medien-Disput“ bemüht sich seit zehn Jahren darum, das Verhältnis zwischen Politik und Medien sowie dessen Auswirkungen auf das demokratische System auszuleuchten.

Das Programm des „Mainzer Mediendisputs“ wird von einer unabhängigen Projektgruppe getragen. Die Organisation der Veranstaltung teilen sich die rheinland-pfälzische Staatskanzlei, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Mainzer Landeszentrale für Medien und Kommunikation.

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