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„Medienangriffe auf die Kirche“

Die Medien hätten besonders die katholische Kirche im Visier – immer auf der Suche nach einem Skandal. Dieser Meinung ist die Geschäftsführerin der deutschen Sektion des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, Karin Maria Fenbert. Von einer „Verschwörung“ in den Medien will sie dennoch nicht sprechen.
Von PRO
Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, Karin Maria Fenbert, sieht eine Medienkampagne gegen die katholische Kirche

Foto: Kirche-in-Not

Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, Karin Maria Fenbert, sieht eine Medienkampagne gegen die katholische Kirche
Fenbert prangert eine „Skandalberichterstattung“ über die katholische Kirche an. In einem Interview, das sie mit einem Mitarbeiter aus ihrem Hause führte, sagte die Katholikin, die Medien inszenierten gerne Skandale, doch darin gehe es nicht um einen konkreten Missstand, sondern darum, „eine bestimmte Sichtweise auf ein Thema zu einer allgemeinverbindlichen Norm werden zu lassen“. Von einer „Medienkampagne gegen die katholische Kirche“ will sie dennoch nicht sprechen, das klinge ihr zu sehr nach „Verschwörung“. Im Falle des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst habe ihrer Meinung nach eine bestimmte Aussage in der Öffentlichkeit präsent gemacht werden sollen: „Der Bischof ist ein autoritärer Verschwender.“ Fenbert weiter: „Alle abweichenden Sichtweisen wurden unter den Tisch gekehrt und ihre Vertreter zumindest lächerlich gemacht. Dagegen wurde alles, was das gewünschte Schema zu bestätigen schien, bereitwillig akzeptiert und notfalls auch zurechtgebogen.“ Die Aussagen in der Bild-Zeitung etwa über die hohen Kosten für eine Badewanne des Bischofs seien falsch gewesen, doch das Blatt habe nie eine Richtigstellung abgedruckt. Tebartz-van Elst war Anfang 2012 mit seinem Generalvikar zu einem Besuch sozialer Projekte nach Bangalore, Indien, geflogen. Als Journalisten des Magazins Der Spiegel anfragten, ob die Flüge dorthin erster Klasse erfolgten, erklärte der Bischof, sie seien in der Business Class geflogen. Später teilte das Bistum mit, dass die beiden Geistlichen doch durch private Zuzahlung des Generalvikars Kaspar auf die erste Klasse hochgestuft worden seien. Tebartz-van Elst musste wegen falscher Versicherung an Eides statt in zwei Fällen eine Geldauflage von 20.000 Euro zahlen. Der Neubau des Bischofssitzes in Limburg sollte ursprünglich rund zwei Millionen Euro kosten. Später kam heraus, dass sich die Kosten auf mindestens 31 Millionen Euro belaufen. Ein abschließender Bericht soll laut einem Bericht des Spiegel noch in dieser Woche fertiggestellt und der Deutschen Bischofskonferenz in Rom übergeben werden. Die fünfköpfige Untersuchungskommission hat demnach justitiable Ergebnisse zusammengetragen, die zu einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren gegen den Geistlichen führen könnten. Demnach fallen die bisher auf 31 Millionen Euro geschätzten Baukosten „wesentlich höher“ aus. Außerdem wurde aus mindestens einer kirchlichen Stiftung im Bistum Geld für das Bauvorhaben herausgezogen.

Absichtliche Salami-Taktitk von Journalisten?

Die Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ in Deutschland beklagt im Falle des Limburger Bischofs eine besondere Taktik der „journalistischen Ankläger des Bischofs“: Diese hätten ihre Informationen über Tebartz-van Elst nur „scheibchenweise“ veröffentlicht. „Das hatte sicherlich mehrere Gründe: Wenn die Vorwürfe in einem Artikel zusammengefasst worden wären, hätten die Verteidiger des Bischofs die Gelegenheit gehabt, alles ebenso übersichtlich in einem einzigen Artikel zu widerlegen, anstatt auf zahlreiche fragmentierte Einzelvorwürfe eingehen zu müssen.“ Außerdem habe diese Taktik den Eindruck erwecken sollen, Bischof Tebartz-van Elst verhalte sich intransparent. Die Katholikin ist überzeugt: „Die Scheibchentaktik und auch die Absprachen mit den Kollegen anderer Zeitungen und Zeitschriften waren nötig, weil die Fakten sonst nicht für eine erfolgreiche Skandalisierung ausgereicht hätten.“ Auch in Sachen Kindesmissbrauch sieht Fenbert eine falsche Darstellung in den Medien: Das Problem betreffe eigentlich „ganz überwiegend das familiäre Umfeld und das Vereinsleben“, doch sei es „vor allem der Kirche zugeschrieben“ worden. Fenbert empört sich: „Es ist schon auffällig, dass sich derart viele Skandale ausgerechnet gegen jene Institution wenden, die sich in unserem Land noch am deutlichsten gegen den Zeitgeist ausspricht.“ Kein Mensch sei fehlerfrei, „daher finde ich es merkwürdig, dass ausschließlich sogenannte ‚konservative‘ Kirchenleute Skandale verursacht haben sollen und die ‚progressiven‘ alle Engel sind“, sagt Fenbert und fügt hinzu: „Das sollte uns stutzig machen.“ Grund für dieses besondere Augenmerk der Medien auf die katholische Kirche sei der Versuch einer „Lobby“, den gesellschaftlichen Wertewandel in ihrem Sinne voranzutreiben. Der habe „spätestens mit der 68er-Bewegung begonnen“ und durchdringe heute alle öffentlichen Bereiche. Die Katholikin spricht von „Medienangriffen auf die Kirche“ und sagt: „Die Kirchenskandale zeigen, wie sehr der Glaube in der öffentlichen Meinung inzwischen von den Medien an den gesellschaftlichen Rand gedrängt wurde.“ (pro)
http://www.spiegel.de/panorama/skandalbischof-tebartz-van-elst-kommission-praesentiert-beweise-a-952269.html
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