Die Weltkarte der Organisation Reporter ohne Grenzen zur Pressefreiheit

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Machtfrage

Dass Journalisten in Ländern wie der Türkei stark bedroht sind, sollte gerade Christen alarmieren. Denn Menschenrechte gibt es nur im Paket. Wo die Pressefreiheit beschnitten wird, gibt es auch keine freie Religionsausübung. Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger

Der russische Journalist Nikolai Andruschtschenko ist am Mittwoch gestorben. Er war verprügelt worden, weil er kritisch über Korruption in Sankt Petersburg berichtet hatte. Er musste sterben, weil er seiner Arbeit gründlich nachging.

Nicht nur Russland, sondern vor allem die Türkei fällt seit Monaten negativ auf, weil dort Journalisten bedroht sind, die ihren Beruf ausüben. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 hat das Regime unter Recep Tayyip Erdogan hart durchgegriffen und rund 775 Presseausweise annulliert und mehr als 100 Journalisten verhaftet; darunter den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel. Seit dem Ausgang des Referendums, das am Ostersonntag Erdogan den Weg zu einem Präsidialsystem geebnet und ihm damit nahezu uneingeschränkte Macht gegeben hat, verschärft sich die Situation der Journalisten vor Ort weiter.

Eine unabhängige Presse, die sich gegen Korruption und Alleinherrschaft wendet und die Regierenden kontrolliert, ist unverzichtbar für die Demokratie. Eine Regierung, die dominieren will, duldet solche „Angriffe“ auf ihre autoritäre Herrschaft nicht.

Angriffe auf die Pressefreiheit müssen gerade auch Christen alarmieren, denn Menschenrechte, und damit auch Religionsfreiheit, gibt es nur im Paket: Herrschende nehmen unabhängige Journalisten deswegen als Bedrohung wahr, weil diese regierungskritische Sichtweisen verbreiten. Auch Christen, die Jesu Auftrag ernst nehmen und ausführen, passen autoritär Herrschenden nicht ins Konzept. Jesus sagte einst: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker (...).“ Jesu Selbstauskunft, dass nur ihm alle Macht gegeben sei, muss autoritären Regimen bedrohlich erscheinen, schließlich beanspruchen sie die alleinige Macht. Erst recht, wenn Christen den darauf folgenden Handlungsauftrag, diese Botschaft zu verbreiten, ernst nehmen.

Christen in der Türkei geben für das Regime ein doppelt gutes Feindbild ab. Max Klingberg von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) spricht von „Nationalislamismus“: Die meisten Christen im Land sind keine ethnischen Türken und außerdem noch „Feinde“ aus Sicht der vermeintlich „Rechtgläubigen“. Klingberg sagt: „Den Missionsauftrag haben die alteingesessenen Kirchen in der Türkei genauso abgeschrieben wie nahezu alle anderen orientalischen Kirchen.“ Aus Angst. Es ist eine Sache, zu wissen, dass es richtig ist, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Es ist eine andere Sache, täglich zu erleben, wie es Regimekritikern, etwa engagierten Journalisten, ergeht.

Darum ist es wichtig, Gott darum zu bitten, dass Journalisten und Christen ihre Nachrichten weiter geben können, ohne Repressionen befürchten zu müssen. Auch wenn dieses mit Blick auf Länder wie die Türkei sehr weit entfernt zu sein scheint. (pro)

von: str

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