In der nigerianischen Hauptstadt Lagos (Symbolbild) ist die Kirchenstadt Redeemed Christian Church of God ein wichtiger Anlaufpunkt für Christen

In der nigerianischen Hauptstadt Lagos (Symbolbild) ist die Kirchenstadt Redeemed Christian Church of God ein wichtiger Anlaufpunkt für Christen

Boomende Kirche ist ein Schutzraum

Das „Redemption Camp“ in der nigerianischen Stadt Lagos ist wahrscheinlich die größte Kirchenstadt der Welt. Die Süddeutsche Zeitung stellt die Arbeit der wachsenden Pfingstkirche vor. Redakteur Bernd Dörries sieht manche Entwicklungen aber auch kritisch.

1982 hat die „Redemption Church“ in Nigeria ein Gelände vor den Toren der Stadt Lagos gekauft. Was mit einem kleinen Gottesdienst-Auditorium begann, ist heute zu einer großen, offenen Halle angewachsen, in der bis zu zwei Millionen Christen Gottesdienste feiern können. Die Süddeutsche Zeitung stellt die Kirchenstadt als Gegenstück zum „Chaos und (zur) Anarchie“ des Landes vor.

Die „Redeemed Christian Church of God“ ist eine Pfingstkirche mit 20.000 Gemeinden in 198 Ländern. In Afrika können sich Großkirchen kaum vor neuen Anhängern retten, schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Beitrag. Etwa 50 Kilometer vor der nigerianischen Stadt Lagos steht die riesige Kirchenstadt. Dort leben 20.000 Menschen. Sicherheitsleute bewachen die Einwohner. Hier gelten strenge Regeln.

Zaun schützt das Gelände vor der Außenwelt

Die Kirchenstadt verfügt über Gas, Wasser, eine Universität, Schulen und Krankenhäuser: ein Luxus in dem afrikanischen Land. Das Gelände ist etwa 5.000 Hektar groß. Vor dem Kauf verehrten die Menschen dort traditionelle Religionen. Das Gelände ist umzäunt. Die Preise für ein Häuschen (40.000 Euro) sind für viele Nigerianer unbezahlbar.

Einziehen in die Stadt dürfen nur Kirchenmitglieder. Die Mauern rund um die Häuser dürfen nur hüfthoch sein, „damit die Kirchenoberen einen Überblick behalten, was dahinter vor sich geht.“ Alkoholkonsum ist genauso verboten, wie dass Unverheiratete zusammenleben. Es gebe viele Bewerber, „die Lagos entfliehen wollen“.

Wer eifrig an Gott glaubt, ist ein Gewinner

Die Gottesdienste beschreibt die Süddeutsche Zeitung als „Mischung aus Lobgesängen des Herrn, Lebenshilfe und Berufsberatungen“. Kirche gelte in dem Land als Familie und Schutzraum „und die Institution, von der man noch am ehesten Hilfe erwarten kann“. Ihre Erfolgsformel laute: „Gott ist ein Gewinner, und wer nur eifrig genug an ihn glaubt, wird auch einer.“

Dörries erklärt, dass die bekanntesten Prediger Multimillionäre seien. Viele der Pastoren hätten ihren Anhängern „gegen Gebühr die Hoffnung auf ein besseres Leben verkauft“. Die Zahl der Gläubigen habe sich in den vergangen 20 Jahren verdreifacht. Dieser Aufschwung sei die Folge nach einer langen Zeit der Militärdiktatur. Die Redeemed Church stelle mittlerweile sogar den Vizepräsidenten des Landes.

Die Kirchenstadt sei autark. Es gebe eine eigene Polizei und Gerichtsbarkeit. Die eigene Zeitung schreibe regelmäßig Geschichten von Wundern. Viele von ihnen klängen wie Satire, findet Dörries, „sind aber ernst gemeint: Da heilt Jesus Bauchspeicheldrüsenkrebs und schützt eine Familie vor Einbrechern - obwohl es im Camp ja gar keine Einbrecher gibt“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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