Aus Sicht des Verbandes Freischreiber schwankt die Bezahlung freier Journalisten erheblich

Aus Sicht des Verbandes Freischreiber schwankt die Bezahlung freier Journalisten erheblich

So viel verdienen freie Journalisten

Eine neue Datenbank soll Journalisten bei Gehaltsverhandlungen helfen. Der Berufsverband Freischreiber hat sie bei der Veranstaltung „So wenig? So viel? Was verdienen Freie?“ am Freitag bei der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg vorgestellt.

Auf www.wasjournalistenverdienen.de kann man nachsehen, welches Medium wie viel zahlt. Man könne von der Arbeit als Journalist gut leben, sagt Katharina Jakob, Vorstandsmitglied der Freischreiber, aber: „Das Gros wird wirklich schlimmer bezahlt, als wir uns das vorstellen konnten.“ Im Mittel verdienen freie Journalisten pro Stunde 22,50 Euro brutto. Das gemittelte Zeichenhonorar liegt bei 40 Euro pro 1.000 Zeichen.

Der Verband hatte seit Herbst vergangenen Jahres Gehalts- und Honorardaten von Journalisten gesammelt. Sie konnten online angeben, was sie wo verdienen. Alle Daten wurden anonym erhoben. „Wir haben viel mehr Daten, als wir zeigen können“, sagt der Datenjournalist Haluka Maier-Borst, der das Honorar-Tool zusammen mit seinem Kollegen Michel Penke entwickelt hat. Der Verband hatte nach eigenen Angaben Informationen zu 640 Medien erhalten, aber nur zu etwas mehr als 100 genug, um einen Wert veröffentlichen zu können. Zu sehen ist nun ein Mittelwert, um das Ergebnis nicht von Ausreißern nach oben oder unten verfälschen zu lassen. Die Daten seien weder repräsentativ, noch als Ranking zu verstehen, erklärte Jakob. „Es geht darum, nachzusehen ob es stimmt, wenn eine Redaktion sagt: ,Wir zahlen nie mehr als 18 Euro‘“, sagte sie. Außerdem kann man nachlesen, wie zufrieden Journalisten mit einem Arbeitgeber sind.

Die eine bekommt 47 Cent, die andere 1,12 Euro pro Zeile

Die These der Freischreiber lautet: „Über Geld zu sprechen ist für freie Journalisten und Journalistinnen existenzentscheidend.“ Freischreiber-Vorstandsmitglied Frank Keil verdeutlichte das mit einem Beispiel aus seinem Berufsleben: Er habe in einer Redaktion gearbeitet, in der er sich mit den Kollegen sehr gut verstanden habe. Trotzdem habe man jahrelang nie über Geld gesprochen. Erst als die Redaktion die Zeilenlänge veränderte, ohne das Honorar anzupassen, tauschte man sich aus. „Und plötzlich stellte sich heraus: Die eine Kollegin schrieb für 47 Cent die Zeile und die andere für 1,12 Euro“, sagt Keil. Man habe immer gehört: Das kommt von ganz oben. Uns sind die Hände gebunden.

Jakob kritisierte, dass es oft nicht stimme, was Redaktionen in Bezug auf Honorare sagten. „Man darf sich nicht abspeisen lassen“, sagt sie. Sie richtete einen Appell an das Publikum: „Verlasst die Redaktionen, die so wenig bezahlen. Das ist mir ganz wichtig, dass wir uns nicht weiter hergeben, für solche Scheiß-Honorare zu arbeiten.“

Von: Friederike Lübke

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