Reporter Juan Moreno (links) hat den „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ erhalten

Reporter Juan Moreno (links) hat den „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ erhalten

Preis für Enthüllung des Relotius-Skandals

Juan Moreno ist mit dem „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ ausgezeichnet worden. Er erhielt den Preis des Netzwerks Recherche auf der Jahreskonferenz des Vereins am Freitag in Hamburg. Moreno hatte aufgedeckt, dass der Spiegel-Reporter Claas Relotius Artikel gefälscht hatte.

Kuno Haberbusch vom Netzwerk Recherche sagte, der Vorstand sei sich in diesem Jahr schnell über den Preisträger einig gewesen. Er lobte Moreno als „hartnäckig und mutig“ und sagte, dieser habe „enthüllt, was niemand wahrhaben wollte“. Haberbusch hob hervor, was für eine Leistung es sei, als freier Journalist in die Auseinandersetzung mit der Redaktion zu gehen.

Die Laudatio hielt die freie Journalistin Julia Friedrichs. Sie lobte, Moreno habe „den Grundsatz des Reporterlebens“ verteidigt. Man solle ihn aber nicht zum Helden machen, denn Moreno wisse selbst, dass Helden und Schurken in Romanen zu finden seien und nicht in der Realität.

„Wie Margot Käßmann vor der Alkoholfahrt“

Moreno sagte angesichts seiner plötzlichen Popularität, er fühle sich „wie Margot Käßmann vor der Alkoholfahrt“. Über seine Rolle beim Aufdecken der Fälschungen sagte er: „Ich weiß nicht, ob es am Ende nicht die meisten von uns so gemacht hätten.“ Er habe zuerst gedacht, Relotius sei als junger Reporter seinen Protagonisten auf den Leim gegangen. Als er die Wahrheit herausgefunden habe, habe er keine Genugtuung empfunden. „Da war null Freude“, sagte er.

Moreno sagte, er habe kein Problem damit, wenn eine Reportage eine Dramaturgie habe. „Ich habe ein Problem damit, wenn die Dramaturgie vor der Recherche feststeht.“ Dies sei aber bei der Arbeit für den Spiegel nicht seine Erfahrung gewesen. Auf die Frage, ob ihm der Spiegel nun eine Stelle angeboten habe, sagte er: „Es gab ein Gespräch, aber wir haben uns darauf geeinigt, dass es gut so ist, wie es ist.“ Er sei weiterhin fester Freier beim Spiegel.

Von: Friederike Lübke

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