Der Zeit-Journalist Tillmann Prüfer hat die Antworten auf seine wichtigsten Lebensfragen im christlichen Glauben gewonnen

Der Zeit-Journalist Tillmann Prüfer hat die Antworten auf seine wichtigsten Lebensfragen im christlichen Glauben gewonnen

Wir alle sind Kirche

Der Zeit-Journalist Tillmann Prüfer hatte zwar protestantische Vorfahren. Der christliche Glaube spielte aber in seinem Leben lange keine Rolle. Im Interview des Christlichen Medienmagazins pro berichtet er, warum sich das verändert hat und wie er sich die Zukunft der Kirche vorstellt.

pro: Christlicher Glaube und Tillmann Prüfer, das waren lange zwei Welten …

Tillman Prüfer: Bei mir persönlich schon, obwohl meine Vorfahren überzeugte Protestanten waren. Mein Urgroßvater hatte eine schwierige Kindheit, in der ihn sein Glaube enorm gestützt hat. Er war zunächst Fabrikarbeiter, ist dann mit der Leipziger Mission nach Tansania gegangen, um den Menschen von seinem Glauben zu erzählen.

Und bei Ihnen persönlich?

Ich kannte die familiäre Tradition, in der wir standen. Ich habe in Darmstadt gelebt und wurde als Kind getauft und konfirmiert. Die Gottesdienste und den Glauben empfand ich nicht als erquickend, sondern als Dienst, den man leisten muss. An Weihnachten und Ostern ging ich in die Kirche, aber das waren nur Rituale.

Was führte zu der Veränderung?

Es war kein wirkliches Aha-Erlebnis. Ich habe wahrgenommen, wie mürbe und fragil die private Glaubenswelt von mir und anderen Menschen ist. Kaum ein Mensch lebt ohne Glauben. Manche glauben an sich selbst. Für mich ist es aber eine Illusion, dass man mit diesen Weisheiten und Strategien durchs Leben kommen kann.

Und dann starb ein guter Freund …

Ja, das hat mir vor Augen geführt, dass auch so selbstbewusste Menschen wie ich auf manche Fragen keine Antworten haben. Viele Dinge sind mit einem Windhauch weggeweht. Der Tod des Freundes hat bei mir wieder den Wunsch nach meinem naiven kindlichen Glauben entfacht. Es war der Beginn einer Suche. Viele Menschen befriedigen ihr spirituelles Bedürfnis beim Yoga und in Mantras. Ich bin in meiner Not in die Kirche gegangen und habe versucht, auf Gott zu hören.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Veränderungen reagiert?

Ich habe mit vielen Menschen geredet, die ihre Zweifel hatten. Man kann ja nicht einfach los glauben und ein Häkchen druntersetzen. Glaube ist ja immer mit Zweifeln besetzt. Ich habe einen Schritt vor den anderen gesetzt und bin losgegangen.

Und was haben die Arbeitskollegen gesagt?

Ich bin ja an meinem Arbeitsplatz nicht missionarisch unterwegs. Reaktionen gab es auf mein Buch. Manche vermittelten den Eindruck, dass es sich bei meiner Bekehrung um eine Virusinfektion oder eine Abnormität handelt. Dann habe ich oft gesagt: „Ja, das ist meine Geschichte. Und wie sieht es bei dir aus?“ Da wurde dann entweder schnell das Thema gewechselt oder es ergaben sich sehr interessante Gespräche. Mit Glaubensfragen sind ja auch tiefe existentielle Fragen verknüpft.

Wie leben Sie Ihren Glauben konkret?

Ich gehe in die St.-Thomas-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg. Die Gemeinde hatte einmal 120.000 Mitglieder. Heute sind es noch 1.500 Menschen. Dort treffe ich Personen, mit denen ich außer unserem Glauben kaum Gemeinsamkeiten habe. Der christliche Glaube schafft überall Anknüpfungspunkte. Ich beginne meinen Tag in der Regel mit 20 Minuten Gebet und Innehalten. Da frage ich ganz bewusst: Was läuft gerade gut? Worauf hoffe ich? Wenn man sich das nicht bewusst macht, sieht man es auch nicht, wenn es passiert. Der Glaube ist ein konkreter Kompass für das Leben: Was mache ich und was mache ich nicht und warum? Wenn es in der Bibel heißt: Du sollst nicht töten, dann kann ich keinen Krieg führen. Diese Regeln vereinfachen das Leben.

Dann haben Sie begonnen, sich in der Gemeinde zu engagieren …

Ich bin bewusst in die Gemeinde in der Nachbarschaft gegangen. Hier finde ich alles, was ich brauche. Ich kann mich in vielen Bereichen betätigen. Ich unterstütze die Medienarbeit, andere tun es in der Obdachlosenarbeit. Deswegen muss Gemeinde so sein, wie sie ist. Es gibt sonst nur wenig Bereiche in der Gesellschaft, wo wir Menschen treffen, die ganz anders sind als wir. Wir dürfen sie respektieren und akzeptieren. Es gibt ja gerade heftige gesellschaftliche Diskurse, die große Gräben aufschütten. Wir dürfen uns aber vergegenwärtigen, dass wir alle geliebte Kinder desselben Gottes sind. Hier hilft die christliche Botschaft enorm, dem entgegenzuwirken.

Was wünschen Sie sich von der Kirche der Zukunft?

Jede Kirche und Konfession hat sicher ihre eigenen Hausaufgaben. Ich finde, Kirche wird immer so behandelt, als sei sie ein über uns schwebendes Raumschiff. Aber wir Gläubigen sind die Kirche. Wir können sie in und mit unserem täglichen Tun mitgestalten. Die Pfarrer sollten darauf achten, dass sie die Menschen erreichen, die in ihre Gottesdienste kommen. Dazu müssen sie rhetorisch gewandt sein. Darauf muss Kirche in der Ausbildung ihres Nachwuchses Wert legen. Wer Pfarrer werden will, sollte den Menschen auch etwas zu sagen haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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