Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner befürchtet drohenden Vertrauensverlust für die Medienbranche wegen des Falls Relotius

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner befürchtet drohenden Vertrauensverlust für die Medienbranche wegen des Falls Relotius

„Spiegel“-Skandal erschüttert Vertrauen in Medien

Mathias Döpfner warnt davor, den Fälschungsskandal beim „Spiegel“ zu schnell zu den Akten zu legen. Für den Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger steht die Glaubwürdigkeit der Branche auf dem Spiel.

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, Mathias Döpfner, hat die Medienbranche vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit durch den Fall Relotius beim Spiegel gewarnt. Der preisgekrönte Spiegel-Redakteur Claas Relotius hatte in den vergangenen Jahren „in großem Umfang“ mehrere seiner Artikel manipuliert. Der „Fälscherfall Relotius" dürfe nicht heruntergespielt werden, erklärte Döpfner in einem Interview mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Man sitzt auf dem hohen Ross und beschreibt in schöner, fast literarischer Sprache die Welt, wie sie sein soll“, sagte Döpfner in dem Interview vom Montag über den Spiegel. Haltung sei oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung.

Aussicht auf Läuterung

Der Fall Relotius hat nach der Auffassung von Döpfner das Potenzial, das „Grundvertrauen“ in die Medien zu erschüttert. Der Fall bestätige zum Teil „berechtigte Kritik an unserer Branche". Der Chef des Axel Springer Medienkonzerns erkennt jedoch einen Anlass zur Läuterung in dem Fall Relotius. „Wenn das jetzt ordentlich aufgeklärt wird, Konsequenzen jenseits der Bauernopfer gezogen werden und die Menschen nicht das Gefühl haben, dass es hier falsche Branchensolidarität gibt, dann birgt das Ganze auch eine große Chance zur Katharsis", sagte Döpfner. Der Fall gehe die gesamte Medienbranche an, nicht nur eine Zeitschrift.

Nicht wegducken

Döpfner stellt bei der Aufklärung über den Fall eine „Beißhemmung“ fest und fordert andere Publikationen auf, mehr Unabhängigkeit und Selbstkritik zu beweisen. Nach Döpfners Einschätzung wiegt der Fall Relotius schlimmer als die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher des „Stern" in den 80er Jahren. Die gefälschten Tagebücher hätten wochenlang die Nachrichten bestimmt, bei den gefälschten Relotius-Artikeln habe es nach wenigen Tagen nur „noch kleine Meldungen" gegeben. Die Medienbranche dürfe sich nicht zu schnell wegducken oder mit zweierlei Maß messen, sonst werde die „Glaubwürdigkeit untergraben“.

Von: Norbert Schäfer

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