Die Videoplattform YouTube will mit immer extremeren Angeboten die Nutzer auf der Seite halten, bemängelt die türkische Soziologin Zeynep Tufekci

Die Videoplattform YouTube will mit immer extremeren Angeboten die Nutzer auf der Seite halten, bemängelt die türkische Soziologin Zeynep Tufekci

„YouTube befriedigt Wunsch nach Extremem“

In Sozialen Medien bekommen Nutzer Inhalte vorgesetzt, die sie oft nicht bewusst wählen würden. Das kritisiert die türkische Soziologin Zeynep Tufekci. Vor allem die Videoplattform YouTube wolle mit immer extremeren Angeboten die Nutzer auf der Seite halten.

In sozialen Netzwerken gibt es zu viele Informationen, „die nicht zu unserem Besten gefiltert und priorisiert werden“. Das kritisierte die Soziologin Zeynep Tufekci in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Der Facebook-Algorithmus bevorzuge oft Dinge, „die empörend sind und nicht die Dinge, die wir bewusst wählen würden“, sagte die Professorin von der Universität North Carolina.

Der Videokanal YouTube wolle den Nutzer möglichst lang auf seiner Seite behalten und schlage dafür immer neue und extremere Videos vor. Als sie den Namen „Donald Trump“ eingegeben habe, habe sie Vorschläge zu „sehr rassistischen und frauenfeindlichen“ Inhalten bekommen. Beim Namen „Hillary Clinton“ sei sie auf „schreckliche Verschwörungstheorien von links“ gestoßen.

„Ich glaube, der Algorithmus hat herausgefunden, dass es fesselnder ist, Nutzer zu immer extremeren Videos zu pushen. Das ist eine Schwäche des Menschen: Extremeres zu wollen, ohne es zu wissen“, sagt Tufekci. Aber auch die Rückkehr zum „alten System“ mit wenigen Zeitungen und Fernsehsendungen hält sie nicht für erstrebenswert, da es die Möglichkeit der Zensur schafft.

Wenn eine Zeitung falsch berichte, dann versage sie: „Sie tut nicht das, was sie eigentlich tun sollte - uns mit relevanten und korrekten Informationen zu versorgen. Als Facebook dagegen im Wahlkampf mithalf, Desinformation zu verbreiten, hat es damit nur seine Mission erfüllt: Es zeigt den Leuten, was sie sehen wollen, und kassiert dafür Geld.“

Soziale Medien wie öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestalten

Mit Hilfe der sozialen Medien könne zwar jeder seine Meinung veröffentlichen, aber dies wiege nicht die gleichzeitige „Verschmutzung der öffentlichen Sphäre“ auf. Die Konzerne müssten mehr Menschen einstellen, die dies beseitigen, statt auf ihren Profit zu schauen: „Wir kommen nicht zurück in die alte Welt, aber wir können Standards setzen.“ Tufekci bringt in diesem Zusammenhang auch eine staatliche Regulierung ins Spiel.

Möglich seien auch Bezahl-Angebote in sozialen Netzwerken zu schaffen, „statt Anzeigen sehen zu müssen“. Alternativ könne es auch Social-Media-Angebote geben, die ähnlich dem öffentlich-rechtlichem Rundfunk „dem öffentlichen Interesse verpflichtet sind und kein Geld damit verdienen, uns zu überwachen“. Die öffentliche Sphäre sei zu wichtig, um sie Demagogen zu überlassen.

Soziale Medien vollkommen zu boykottieren, sei oft nicht hilfreich, da manche Informationen vor allem dort geteilt würden und man sonst von der Öffentlichkeit ausgeschlossen wäre. Tufekci animiert jedoch dazu, „die eigene Zeit und Aufmerksamkeit zu kontrollieren“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus

Anzeige