Dieses Bild wird gerade massenhaft geteilt – bloß: Es ist ein Fake

Dieses Bild wird gerade massenhaft geteilt – bloß: Es ist ein Fake

Arabisches Fernsehen verpixelt Merkels Haare – nicht

Ein arabischer Fernsehsender verpixelt die Haare der Kanzlerin, weil die kein Kopftuch trägt. Bittere Realität? Nein, sondern das Resultat eines Satirebeitrags. Eine Analyse von Nicolai Franz

Es hätte ja gut ins Bild gepasst. Als Kanzlerin Angela Merkel jüngst nach Saudi-Arabien reiste, verzichtete sie selbstbewusst darauf, in dem streng islamischen Land ein Kopftuch zu tragen. Dabei ist es dort für Frauen Pflicht, sich in der Öffentlichkeit zu verschleiern. Merkel, unverhüllt – ein Affront? Und wie sollten die saudi-arabischen Medien damit umgehen?

Ganz einfach: Sie verpixelten die Frisur der Kanzlerin. Was im Westen deutlich privateren Körperpartien vorbehalten ist, wendete die saudi-arabische Zensur kurzerhand auf Angela Merkels Haupthaar an. Der saudi-arabische TV-Zuschauer blieb also von westlicher Freizügigkeit verschont. Zu sehen war neben dem Gesicht der Kanzlerin nur noch ihr türkiser Blazer und die graue Stoffhose, die die Grenzen wahhabitischer Korrektheit mutmaßlich schon genug strapaziert hatten.

Das Bild machte in den Sozialen Netzwerken die Runde, zum Beispiel bei der SPD-Politikerin Lale Akgün. Auch "The European" berichtete über den Fall. So sind sie eben, die Saudis.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten:

Dumm nur: Die Geschichte stimmt nicht. Der Screenshot stammt nicht etwa von einem saudi-arabischen Fernsehsender, sondern ist ein satirischer Beitrag des Facebook-Auftritts von "dkhlak.com", einer arabischen Website. Die eingeblendete Bauchbinde auf dem Merkel-Foto beinhaltet den schlichten Satz "Merkel im saudischen Sender" auf Arabisch.

Die Seite hatte das Foto am Mittwoch Morgen auf Facebook mit dem Vermerk "Just for fun" gepostet.

Die verpixelten Haare der Kanzlerin – ein klassischer Fall von Fake News also. Zwar ist es immer noch ein Skandal, dass die Saudis, seit neuestem absurderweise übrigens Mitglied in der UN-Kommission für Frauenrechte, Frauen zwingen, sich zu verschleiern. Auch in vielen anderen Menschenrechtsfragen wie der Religionsfreiheit ist Saudi-Arabien ein Entwicklungsland. Doch trotz alledem muss gelten: Bitte bei der Wahrheit bleiben! (pro)

von: nf

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige