Hat zum Glauben gefunden und diesen Weg in einem crossmedialen Projekt nachgezeichnet: Jessica Brautzsch

Hat zum Glauben gefunden und diesen Weg in einem crossmedialen Projekt nachgezeichnet: Jessica Brautzsch

„Ich wollte der Sache eine Chance geben“

Ein Jahr lang hat sich Jessica Brautzsch den christlichen Glauben angeschaut, Gottesdienste besucht und sich mit Jesus und der Bibel auseinandergesetzt. Im August hat sich die MDR-Journalistin schließlich taufen lassen. In einem crossmedialen Projekt zeichnet sie ihren Weg zum Glauben nach – inklusive ihrer Fragen und Zweifel und einer feinen Portion Humor.

Der christliche Glaube hat für Jessica Brautzsch bis vor Kurzem noch keine große Rolle gespielt. Als Kind fand die heute 29-Jährige die Kirche aufgrund einer gewissen „Mythologie“ interessant, ebenso den Religionsunterricht in der Grundschule, in dem sie biblische Geschichten, wie die von Noah, malte. „Sonst war nicht viel“, sagt Brautzsch. Mit dem spontanen Besuch eines Ostergottesdienstes in Kemberg bei Wittenberg hat sich das für sie im letzten Jahr jedoch geändert.

„Ich war mit Freunden im Kurzurlaub, wir haben lange beim Osterfeuer gefeiert und trotzdem wollte meine Freundin Anna früh in die Kirche, weil sie immer geht – und da bin ich mit“, erzählt sie. Die Predigt handelte von Tod und Auferstehung, die junge Frau hat das angesprochen: „Ich bin mit einem sehr guten Gefühl raus, was ich vorher noch nie hatte, obwohl ich schon öfter in einer Kirche war“.

Menschenfern und überheblich

Die bisherigen Predigten fand sie menschenfern, etwas überheblich und Ungläubigen gegenüber herabwürdigend formuliert. „Dort war es aber sehr liebenswert. Es hat mich beflügelt. Ich war auch in einer empfänglichen Situation, war etwas orientierungslos“, blickt sie zurück. Was sie in diesem Ostergottesdienst erfahren hat, lässt sie nicht mehr los. Sie will dem eine Chance geben. Ein Kirchenbesuch in ihrer Heimatstadt Leipzig ist ihr anfangs „noch nicht so geheuer“.

Sie lädt sich eine Bibel-App herunter. Täglich liest sie jeweils je ein Kapitel aus dem Alten und dem Neuen Testament. „Glaube hat für mich etwas mit intellektueller Weltanschauung zu tun“, erklärt sie. Er sei eigentlich überholt – und vermittle dennoch ein ehrfürchtiges Gefühl. Nach ein paar Wochen wagt sie es doch in Leipzig in einen Gottesdienst. Sie geht sonntags in die Nikolaikirche – und bleibt. Am 28. August dieses Jahres lässt sich Brautzsch dort taufen. „Ich wollte mir das Christentum ein Jahr anschauen. Die Kirchenbesuche taten mir gut“, sagt sie. Zwar stimmt die junge Frau nicht mit allem, was sie dort kennenlernt, überein. Aber: „Vom Gefühl her war es der nächste logische Schritt, wie Jesus es auch gesagt hat“, begründet sie ihre Entscheidung.

Glaubensweg im Comic

Brautzsch hat Germanistik studiert und arbeitet als freie Radiojournalistin für den MDR. Ihren Weg von der Atheistin zur Christin hat sie in dem crossmedialen Projekt „Glaubenssache“ mit einem Radiofeature, einer Multimedia-Reportage und einer Web-Videoreihe aufgezeichnet. Darin erzählt sie zum einen über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Glauben, wie jene Osterpredigt sie berührte, wie der Glaube mit der Zeit für sie immer realer wurde. Zum anderen erklärt Brautzsch in jugendlicher Sprache, comicähnlichen Zeichnungen, kurzen Interviewschnipseln und nicht ohne Humor theologische Konzepte: etwa was der Heilige Geist ist, was es mit dem Teufel auf sich hat oder wer mit „Sohn Davids“ gemeint ist. „Das Projekt hat mich fachlich sehr gereizt, es war eine spannende Aufgabe und es geht mir nicht darum, jemanden zu missionieren“, sagt Brautzsch.

Für den Jugendsender MDR-Sputnik, der junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren erreichen möchte, hat das Projekt aus Sicht der Journalistin einen „coolen Ansatz“. „Es ist natürlich nicht ganz einfach, über so eine intime Sache wie Glauben zu berichten, vor allem über den eigenen“, sagt sie. Dennoch gibt sie authentisch und ehrlich Einblicke in ihr inneres Erleben, und klammert Zweifel und Fragen am christlichen Glauben nicht aus. „Im Vorfeld habe ich schwer hinterfragt, ob ich nicht Profit daraus schlage, ob es moralisch passt, ich wollte nicht zu viel und nicht zu wenig erzählen, aber ein Gefühl von dem vermitteln, was passiert ist“, fasst die Journalistin ihre Motivation für das Projekt zusammen. „Es gab Wünsche von der Chefredaktion, aber ich konnte es völlig frei gestalten.“

Komplizierte christliche Theologie mit Augenzwinkern

Erste Projektideen sammelte die 29-Jährige im Juli. Diese wurden im Vorfeld der Taufe im August konkreter. „Bei den Vorgesprächen mit dem Gemeindepfarrer Bernhard Stief und dem Superintendenten Martin Henker habe ich gedacht, das wird eine große Nummer“, erzählt sie. „Ich wollte auf gar keinen Fall, dass meine Taufe gefilmt oder fotografiert wird. Am liebsten wollte ich ganz privat in einer kleinen Kapelle getauft werden“, sagt Brautzsch. Deshalb entschied sie sich, ihre Geschichte mit Zeichnungen zu illustrieren. „Bilder sind die beste Möglichkeit, ohne große Worte ein Stück inneres Erleben zu zeigen und gleichzeitig diese teilweise sehr komplizierte christliche Theologie auch mit einem Augenzwinkern zu erklären.“

So sollte die interaktive Multimedia-Reportage im Stil einer „Graphic Novel“, eines Comic-romans, entstehen. Dafür fertigte die Journalistin selbst alle Illustrationen an. „Das waren drei Monate heftige Arbeit neben der Arbeit“, blickt Brautzsch zurück. Bei der technischen Umsetzung der Reportage wurde sie von der MDR-Volontärin Charlotte Schulze unterstützt. Parallel zeichnete Brautzsch die YouTube-Videoreihe „Amen! Aber…“ auf. In den fünf Videos bringt die Journalistin den Glauben, mit dem sie in einigen Punkten noch ihre Probleme hat, wie sie sagt, teilweise recht ironisch zum Ausdruck. „Ich bin sehr dabei, aber mit vielem nicht einverstanden und stehe dem Christentum gar nicht unkritisch gegenüber“, sagt Brautzsch.

Das crossmediale Projekt, das seit November online ist, helfe ihr auch selbst, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und mögliche Antworten zu finden. „Ich finde es wirklich schön, was bei den Videos für Kommentare und Diskussionen entstehen“, freut sich die Journalistin. „Das Feedback von manchen Menschen enthält interessante Ansichten, keine Klischees, wie ‚Gott liebt dich‘, sondern persönliche Erfahrungen.“

Das Leben ist ein Spiegelkabinett

GÄußerlich habe sich für Brautzsch seit ihrer Taufe und dem Bekenntnis zum Christentum nichts verändert. „Es hat keine Auswirkungen auf meinen Freundeskreis. Das einzige ist, dass ich samstagabends früher von der Party nach Hause gehe, weil ich sonntags in die Kirche gehe.“ Mit ihren Freunden rede sie ab und an über den Glauben. „Ich war überrascht, wie tolerant alle reagiert haben“, erzählt die junge Frau. Verändert habe sich vor allem etwas in ihrem Inneren: „Ich bin optimistischer, zuversichtlicher, mache mir nicht mehr so viel Stress, was die Zukunft betrifft, und habe eine größere innere Ruhe“. Sie sei seit ihrer Entscheidung für den christlichen Glauben insgesamt „besser drauf“, offener für die Welt und könne sich mehr freuen. „Ich stehe im regelmäßigen Dialog mit dem Herrn und weiß, es liegt nicht in unserer Hand, was passieren wird“, sagt sie.

Abends betet sie das „Vater unser“. „Wenn mich etwas sehr bewegt, bete ich freier, aber ich halte es, wie Jesus sagt: ‚Macht keine großen Worte.‘“ Und noch einen biblischen Ratschlag nimmt sich Brautzsch zu Herzen: „Ich mache mir auch im Alltag Gedanken über Gott. Wie Paulus sagt: ‚Betet ohne Unterlass.‘“ Probleme habe sie nach wie vor mit der Frage nach einem guten oder bösen Gott, und dem Begriff der Gnade. „Ich finde es schwierig, dass Gott sagt, ich bin gnädig, wem ich gnädig bin. Das ist für mich kein Gefühl von Sicherheit, sondern Willkür. Es ist für mich ein dialektisches Problem.“

In ihrem Multimedia-Projekt vergleicht Brautzsch das Leben mit einem Spiegelkabinett, einem Labyrinth, das aus Spiegeln und normalen Glasscheiben besteht, in dem sich die Menschen „dauernd die Köpfe stoßen“. Sie sagt: „Wer hineingeht, kann unmöglich den schnellsten und sichersten Weg auf Anhieb erkennen.“ Stattdessen müsse sich der Mensch vortasten, wobei er sich hier und da den Kopf stoße, beispielsweise an seinen Wünschen und an anderen Menschen, und viele Frustrationsmomente habe. „Natürlich ist es auch aufregend. Aber sicher ist, da sehen wir niemals klar durch“, betont Brautzsch. „Ich denke, diese Momente finden sich auch im echten Leben wieder“, begründet sie die Metapher.

Gott könnte klarer mit uns kommunizieren

Die Journalistin fragt nach dem allmächtigen, allwissenden und liebenden Gott: „Ich verstehe oft nicht, warum Gott die Leute erst fünfmal falsch gehen lässt, bevor sie zu einem Ziel kommen. Er könnte ja auch klarer mit uns kommunizieren. Warum macht er das nicht?“ Außer in der Bibel sucht die junge Frau in der Literatur nach Antworten auf ihre Glaubensfragen. Interessant findet sie die Gottesbetrachtung von Rainer Maria Rilke. Auch der Roman „Sofies Welt“, von Jostein Gaarder, in dem die Welt durch einen Spiegel betrachtet wird, begeistert die Germanistin. Wie passend beschreibt ihr Taufspruch aus der Bibel, den sie sich selbst aussuchte, ihren Glaubensweg: „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1. Korinther 13,12). Es ist ihr Lieblingsvers. (pro)

Von: Esther Sarah Wolf

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