Titelthema des Magazins Cicero ist Jesus. Das Cover sorgte für Komplikationen im deutschen App-Store von Apple
Titelthema des Magazins Cicero ist Jesus. Das Cover sorgte für Komplikationen im deutschen App-Store von Apple

Jesus: Freak und kein Pazifist

Das Titelthema der neuen Cicero-Ausgabe dreht sich um die wohl rätselhafteste Persönlichkeit der Geschichte: Jesus von Nazareth. Die Theologen Martin Dreyer und Klaus Berger porträtieren den Gottessohn, der zu Weihnachten zwar noch von vielen gefeiert wird, aber immer mehr in Vergessenheit gerät.

Passend zum kommenden Fest steht Jesus auf dem Titel des politischen Magazins Cicero. Doch wer eine weihnachtliche Krippengeschichte erwartet, liegt falsch. Stattdessen steht eine rätselhafte Person im Mittelpunkt, welche die Welt auf den Kopf gestellt hat. Mit einem provokanten Bild und in goldenen Lettern wirbt das Magazin für das Thema: Jesus steckt in buntem Outfit und hat Tattoos und Piercings, in der Hand hält er einen Joint, im Hintergrund leuchtet ein Heiligenschein. Mit der Illustration soll offensichtlich der „rebellische Charakter“ Jesu dargestellt werden.

Diese Wahl des Titelbildes brachte Hindernisse mit sich: Das neue Cicero-Magazin erschien nicht im digitalen Zeitungskiosk des Technikkonzerns Apple, wie das Magazin Horizont berichtet. Apple achtet strickt auf die Einhaltung der Richtlinien für die Publikationen im App-Store. Da passte der Joint rauchende Jesus nicht hinein, und Apple sah die Bestimmungen zum Jugendschutz verletzt.

„Er war erster Freak der Geschichte und bleibt Gottes letztes Wort“

Martin Dreyer, freier evangelischer Theologe und Gründer der „Jesus Freaks“, stellt seinen Beitrag unter den Titel „Happy Birthday, Alter!“ In lockerer Jugendsprache beginnt er mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium im Volxbibel-Deutsch. Es geht um die Hochzeit von Kana. Als erstes Wunder Jesu ist es „eine Story aus der Wirklichkeit. Nichts Religiöses, Abgehobenes. Nein, ganz aus dem Leben.“ Jesus, Gottes „Wort aus Fleisch und Knochen“ habe nicht wie „ein guter Katholik, ein frommer evangelischer Christ gesagt: ‚Das ist ein Zeichen des Himmels. Ab jetzt geht die Party ohne Alkohol weiter.‘ Nein, nicht so der Messias. Der heilige Gott hat als erstes Wunder ein Party gerettet.“

Dreyer fährt fort, Jesus als lebensnahen, fröhlichen Menschen darzustellen. Er habe das Leben geschaffen und „weiß wie man das Leben am besten meistert“. Zu dem sei Jesus auch außerhalb der Kirche bei den Menschen zu finden. „Jesus, der Immanuel, ist überall“ und „auch für Alltägliches zuständig.“ Jesus war „ein Freak, einer, der Dinge anders dachte und anders machte. Er schaffte es, dass das, was wir Kirche nennen vom Tempel auf die Straße kam und stellte das Wertesystem der Welt auf den Kopf“, schreibt Dreyer. Wohl eher ein Rebell als ein Friedensstifter.

„Jesus war kein Pazifist“

Für den katholischen Theologen und Neutestamentler Klaus Berger bleibt Jesus „in erster Linie eine rätselhafte Persönlichkeit“. In dem Interview mit Cicero kritisiert er, die Jesus-Bilder der letzten Jahrhunderte seien je nach der zu bedienenden Klientel vom Zeitgeist manipuliert worden. „Aus meiner Sicht ist Jesus zunächst einmal ein Fremder, den wir nicht verstehen.“ Er sei ohne Einschränkungen Jude gewesen, Messias der Juden, sagt Berger. „Das Christentum insgesamt ist nur vorstellbar als Erfüllung des Judentums und der alttestamentlichen Verheißungen.“ In Jesus wohnte Gott leibhaftig bei seinem Volk, fährt Berger fort. In ihm sei der Ort, an dem man Gott finde.

In den Augen des Katholiken war Jesus ein Wundertäter, wie die Gestalten im Alten Testament. „Eine rätselhafte Persönlichkeit, die das Unmögliche fordert.“ Zu Lebensfragen lautet seine Antwort: „Du sollst Gott radikal ähnlicher werden in dem, was du tust.“ Das heiße Abschied und Sein-Lassen. Dass Jesus Pazifist gewesen sei, verneint Berger. „Er war kein Ideologe der Gewaltfreiheit, aber er zeigte den Menschen den einzigen Weg zum Frieden.“ Würde Jesus heute leben, wäre er „Großstadtseelsorger in Hannover“. (pro)

Von: gwu

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