Jugendliche untersuchen Berichterstattung während der NS-Zeit

B e r l i n (KEP) – 80 Jugendliche aus Deutschland und Polen haben im Rahmen einer freiwilligen Projektarbeit die Berichterstattung der Medien während der Nazi-Zeit kritisch untersucht. Kurz vor dem Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus präsentierten sie im Rahmen einer feierlichen Abschlussveranstaltung die Ergebnisse ihrer Arbeit. Als erstem Leser überreichten sie Bundespräsident Horst Köhler die Zeitung "Weiße Flecken". Köhler würdigte die Arbeit der jungen Leute als „überzeugenden Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte“.

Acht Monate lang hatten die Jugendlichen in ihrer Freizeit die Berichterstattung die damaligen Lokalzeitungen auf Lücken hin untersucht und die Meldungen in Bibliotheken und Archiven aufgespürt. Aufgeteilt in 15 regionale Teams recherchierten sie in 14 deutschen und polnischen Städten. Sie spürten noch lebende Zeitzeugen auf und dokumentierten ihre Befragungen in Artikeln und Kommentaren. Betreut wurden sie dabei von ehrenamtlichen „Coaches“.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit hielten sie in der Zeitung "weiße Flecken" fest, die sie am Montag an den Bundespräsidenten überreichten. Vor über 200 geladenen Gästen und zahlreichen Journalisten präsentierten die Jugendlichen die Auswertung ihrer Nachforschungen. Vier der 15 Teams gaben Einblicke in ihr lokales Projekt. Beispielsweise berichtete das Team aus Dresden, warum es sich mit der Zerstörung der Semper-Synagoge 1938 beschäftigt hat und wie die Dresdener Tageszeitungen am Morgen nach der Pogromnacht über den Brand berichteten.

Die Zeitung „Weiße Flecken“ soll die journalistischen Lücken aus der NS-Zeit füllen. „Weiße Flecken“ ist eine gemeinsame, deutsch-polnische Zeitung, die über Ereignisse und persönliche Schicksale aus der NS-Zeit informiert. Es sind Geschichten, die in der damaligen, von den Nationalsozialisten kontrollierten Presse verschwiegen oder verfälscht dargestellt wurden.

Auf jeweils einer Zeitungsseite dokumentieren die 15 Schülerteams die von ihnen entdeckte und aufbereitete Geschichte und zeigen die journalistischen Lücken auf: die weißen Flecken ihrer damaligen Lokalzeitung.

Die Initiatorin des Projekts, Sonja Lahnstein, sagte, die Arbeit der jungen Menschen zeige, wie „unentbehrlich verantwortungsvoller Journalismus und eine aufgeklärte Öffentlichkeit“ für die Demokratie seien.

„Weiße Flecken“ ist ein aktuelles Projekt der Jugendinitiative "Step21“. „Step 21“ hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche in ihrem Engagement für eine lebendige Demokratie zu unterstützen. Der Bundespräsident ist Schirmherr der Initiative. Im Anschluss an die Präsentation diskutierte Köhler mit den jungen Redakteuren über die Rolle der Medien bei der Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen und beim Kampf gegen Rechtsextremismus heute.

„Weiße Flecken“ hat eine Auflage von 30.000 und soll an Schulen und Jugendeinrichtungen in beiden Ländern verbreitet werden.

Hauptförderer des Projekts "Weiße Flecken" ist der Fonds "Erinnerung und Zukunft". Darüber hinaus unterstützen das Projekt "Bild hilft e.V.", "Ein Herz für Kinder", die "Zeit"-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und das Deutsch-Polnische Jugendwerk.

"Die Zeit" und die Jugendpresse Deutschland e.V. sind Kooperationspartner des Projekts.

Weitere Informationen im Internet unter www.step21.de.

Von: Ellen Nieswiodek

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