Karikaturen und Bomben

K o p e n h a g e n (KEP) - Ein Konflikt um Moslem-Feindlichkeit in Dänemark spitzt sich weiter zu. Anti-islamische Karikaturen in einer Tageszeitung haben für neuen Zündstoff in der Debatte gesorgt. Botschafter aus elf islamischen Ländern drängten daraufhin den dänischen Staatschef zum Einschreiten. Islamisten setzten Kopfgelder auf die Comiczeichner aus. Nun droht Dänemark ein Boykott von 51 islamischen Staaten.

Grundlage für die Debatte ist eine seit mehreren Jahren schwelende Diskussion um Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie in Dänemark. Zugewanderte Moslems wurden in den Medien als "Krebsgeschwüre", "unproduktive Sozialhilfeempfänger", "Kanaken" und "Minderheiten mit mittelalterlichen Normen" bezeichnet. Neben 5,5 Millionen Dänen, die größtenteils der evangelisch-lutherischen Volkskirche angehören, leben etwa 200.000 moslemische Zuwanderer im nördlichen Nachbarland Deutschlands. Seit vier Jahren sind Eheschließungen mit Ausländern aus Nicht-EU-Ländern für unter 24-Jährige faktisch unmöglich und für ältere extrem erschwert.

Laut einem dpa-Bericht müssen Zuwanderer künftig in einem "Kontrakt" erklären, dass ihnen bekannt ist, dass in Dänemark Diebstahl und die Beschneidung von Mädchen verboten sind. Wenn sie das dänische Sprachexamen nicht bestehen, bleibt ihnen die Einbürgerung verwehrt - auch wenn es sich um Folteropfer handelt. Zwölf bekannte dänische Schriftsteller nannten dieses Verfahren "ungeheuerlich" und erinnerten an die Auslieferung verfolgter deutscher Juden aus Dänemark während des Holocaust.

Keine Angst vor Moslems

Ein dänischer Verlag wollte ein Buch über den Islam herausgeben und suchte dafür einen Zeichner. Vergebens - offenbar hatten zu viele Angst vor den erbosten Reaktionen der Moslems im Land. Dies empörte den Feuilleton-Chef der auflagenstärksten Zeitung Dänemarks, der "Jyllands-Posten" aus Århus. Flemming Rose wollte testen, wie es um die Meinungsfreiheit in Dänemark steht und rief Ende September bewusst zur Einsendung von Karikaturen über den Islam-Gründer Mohammed auf. "Wenn Menschen sich nicht länger trauen, sich öffentlich zu äußern, ist eine Grenze überschritten - dann sind wir wieder bei Salman Rushdie und dergleichen", sagte Rose.

Die "Jyllands-Posten" veröffentlichte zwölf der eingesandten Mohammed-Karikaturen. Eine zeigt den Propheten als Terroristen mit Bombe, eine andere mit Teufelshörnern, wieder eine andere mit Säbel. Auf einer anderen schickt Mohammed im Himmel die Märtyrer mit ihren Sprengstoffgürteln zurück mit den Worten: "Stop, uns gehen die Jungfrauen aus!"

Protest aus islamischen Staaten

Als sich der arabische Fernsehsender Al-Dschasira mit der Sache befasste, gewann sie an Schärfe. Elf Botschafter aus Staaten mit überwiegend moslemischer Bevölkerung - darunter die Türkei - schrieben einen Protest-Brief an den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen und baten ihn, ein Machtwort zu sprechen. Kairos Außenminister Ahmad Abu al-Ghayt nannte die Karikaturen einen Skandal und verlangte von der dänischen Regierung eine Verurteilung der Aktion. "Was Jyllands-Posten hier gedruckt hat, hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun", schrieb die ägyptische Botschafterin Mona Omar Attia. "Es ist mein Menschenrecht als Moslem, respektiert zu werden, ebenso wie ich Sie, Ihre Religion und Ihre Gesetze, respektiere." Weitere Proteste ergingen an die EU, die OSZE und UN-Generalsekretär Kofi Annan. In Kopenhagen demonstrierten 3.500 muslimische Gläubige gegen die Zeitung.

Ministerpräsident Rasmussen verwies auf die Meinungsfreiheit: "Ein Dialog zwischen den Kulturen und Religionen ist begrüßenswert und notwendig - ein Dialog, der auf gegenseitigem Verständnis und Respekt basiert. In Dänemark aber kann sich ein jeder äußern, wie er möchte, solange er sich an die geltenden Gesetze hält. Die Regierung jedenfalls kann nicht für das verantwortlich gemacht werden, was eine Zeitung, ein Fernsehsender oder sonst ein Medium publiziert. Wer dies nicht begreift, hat den Kern der Demokratie nicht begriffen. Und hier können wir keine Kompromisse eingehen."

Im Dezember setzten dann islamistische Gruppen in Pakistan ein Kopfgeld von rund 6.000 Euro für die Ermordung der Karikaturisten aus.

Ein Ende des Karikaturen-Streits ist nicht in Sicht. Zu Weihnachten 2005 stellten sich über 200 evangelische Pastoren hinter eine Initiative, die sich als Fortsetzung eines Hirtenbriefes vom Weihnachten 1943 versteht. Darin hatten Dänemarks Bischöfe zu einer Demonstration gegen die Judenverfolgung der Deutschen am Heiligabend aufgerufen. Vor knapp zwei Wochen beriefen sich die Pastoren ausdrücklich auf diesen Hirtenbrief und erklärten: "Jetzt erleben wir, dass es ein legalisiertes Recht auf Hass gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen gibt."

Der Generalsekretär der Organisation für moslemische Kultur und Bildung (Isesco), Aziz Othman al-Tuwaijiri, rief laut der Berliner "tageszeitung" am 27. Dezember alle 51 Mitgliedsstaaten zu einem Handelsboykott Dänemarks auf.

Sehen Sie im Folgenden eine Auswahl aus den umstrittenen Karikaturen
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"Stop, Stop, uns gehen die Jungfrauen aus!" <break>

Von: JS

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