Anschlag auf christliche Journalistin im Libanon

B e i r u t (KEP) – Seit Februar dieses Jahres kommt es im Libanon immer wieder zu mysteriösen Attentaten. Begonnen hat die Anschlagserie mit der Tötung des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri am 14. Februar. Nun wurde die populäre christliche Journalistin May Chidiac Opfer eines Anschlags.

Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, wurde am Sonntagnachmittag ein Attentat auf Chidiac verübt. Eine Autobombe explodierte in ihrem Jeep, als sie die Tür öffnete. Die Journalistin zog sich schwere Verletzungen zu: Ihr wurde das linke Bein und die linke Hand amputiert.Zudem erlitt sie Verbrennungen und einen Beckenbruch. Ärzte bezeichneten ihren Zustand als "kritisch".

Wer ist die christliche Journalistin May Chidiac, die im libanesischen TV als eine der beliebtesten Moderatorinnen arbeitet?

May Chidiac gehörte der anti-syrischen christlichen Miliz "Forces Libanaises" (FL) an. Sie moderierte bei dem syrienkritischen Sender Lebanese Broadcasting Corporation (LBC), der einst von der FL gegründet wurde, Nachrichten sowie eine politische Sendung. Einige Stunden vor dem Attentat hatte sie in einem Interview mit dem liberalen Journalisten Sarkis Naoum die Aktivitäten des syrischen Geheimdienstes im Libanon kritisiert. Sie machte die syrische Regierung an dem Mord des libanesischen Ministerpräsidenten Hariri verantwortlich. Der Tod Hariris löste damals eine Protestbewegung aus. Zudem erhöhte sich der internationale Druck auf Syrien, was dazu führte, dass die syrischen Truppen im Libanon abgezogen wurden. "Die Welt" schreibt, dass die populäre Moderatorin Chidiac für ihre "unvoreingenommene Berichterstattung" bekannt war und als "ausgesprochene Kritikerin des syrischen Einflusses im Libanon" galt. Sie selbst habe für sich keine persönlichen Schutzmaßnahmen vor Anschlägen getroffen.

Das Attentat ereignete sich in der Hafenstadt Dschunieh, etwa 20 Kilometer von Beirut entfernt. Der Ort ist hauptsächlich von Christen bewohnt und gehört zum christlichen Kernland. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte das Attentat. Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete es als "abscheuliche Tat". Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) sprach von einem "Akt der Barberei", an dem deutlich werde, in welchem "Klima der Unsicherheit" libanesische Journalisten arbeiteten, berichtet "Spiegel-online".

Erst am 2. Juni wurde der syrienkritische Journalist Samir Kassir, ebenfalls Christ, bei einem ähnlichen Anschlag getötet. Laut Angaben von "Spiegel online" kam zuletzt am 17. September bei Anschlägen in einem christlichen Viertel von Beirut ein Mensch zu Tode und weitere 28 Personen wurden verletzt.

Hintergrund der Attentate auf Christen und Kritiker ist die in den vergangenen drei Jahrzehnten zunehmende Ausbreitung des Islam im Libanon. Christen werden politisch und gesellschaftlich vermehrt an den Rand gedrängt. Derzeit leben in Libanon etwa 70 Prozent Muslime und rund 30 Prozent Christen.

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Hinter dem Attentat auf die Moderatorin Chidiac sind pro-syrische Kräfte zu vermuten. Bisher hat sich allerdings niemand zu dem Attentat bekannt. Der deutsche Staatsanwalt Detlev Mehlis arbeitet im Auftrag der UNO an der Aufdeckung der Hintergründe des Anschlages. Bislang wurden vier libanesische Geheimdienstgeneräle festgenommen, die unter dem früheren Regime mit Syrien zusammengearbeitet haben sollen, berichtet "Die Welt" weiter. Der Anschlag belastet den syrischen Geheimdienst und die syrische Regierung. Wenn sich die Anhaltspunkte bestätigen, führt dies vermutlich zur Auslieferung der Verdächtigen an die UNO. Bisher wehrt Syrien die Verdächtigungen ab.

Von: Christiane Leuckhard

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