Kirche sollte Künstliche Intelligenz, Sprachassistenten wie Alexa und Virtuelle Realität mehr beachten, ist der Theologe und Informatiker Ralf-Peter Reimann überzeugt

Kirche sollte Künstliche Intelligenz, Sprachassistenten wie Alexa und Virtuelle Realität mehr beachten, ist der Theologe und Informatiker Ralf-Peter Reimann überzeugt

Digital pastoral: Kirche und Künstliche Intelligenz

Kirche und Künstliche Intelligenz – das passt nicht nur zusammen, das sollte sogar mehr zusammen gehören. Davon ist der Informatiker und Theologe Ralf-Peter Reimann überzeugt. In einem Interview plädiert der Experte dafür, dass die Kirche von Künstlicher Intelligenz oder der Technik der „Virtuellen Realität“ profitieren könnte.

Im Interview mit Sonntagsblatt.de berichtet der Pastor und Diplom-Informatiker Ralf-Peter Reimann von den Plänen der evangelischen Kirche im Digitalzeitalter. Reimann leitete ab 2007 die Internetarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ab 2009 arbeitete er als Pastor bei evangelisch.de, seit 2012 ist er Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland. Reimann ist zudem Secretary der World Association of Christian Communication (European Region) und bloggt unter theonet.de.

Im Interview sagte der Experte, seine Kirche habe in Abstimmung mit der Stabsstelle Digitalisierung im EKD-Kirchenamt im März 2019 ein Projekt gestartet, um die Auffindbarkeit von Kirchen im Internet bei Suchdiensten und Sprachassistenten wie Google oder Alexa zu verbessern. „Der Erstkontakt vieler Menschen mit Kirche ist erst einmal digital – und Google ist nunmal der am meisten genutzte Suchdienst in Deutschland“, sagt Reimann.

Mit Hilfe des amerikanischen Technologiedienstleisters Yext bekomme man bei der Suchmaschine Google nun eine Kirche in der Nähe angezeigt, wenn man nach einer evangelischen Kirche sucht. Damit dies gelingt, müssten die Informationen der Gemeinden mitsamt den Veranstaltungsterminen strukturiert in einer Datenbank vorliegen. Der Experte freut sich über eine messbare Verbesserung: „Wenn jemand heute die Lutherkirche in Speldorf sucht, dann wird sie nun bei Google gefunden und ich bekomme auch gleich eine Wegbeschreibung oder die Kontaktadresse geliefert.“

Der Informatiker betont, dass die Suchanfragen dank Künstlicher Intelligenz mittlerweile auch über die gesprochene Sprache funktioniert. Man könne seinem Gerät etwa Fragen stellen wie: „Wann ist Gottesdienst in der Lutherkiche in Speldorf?“ Ebenso seien Fragen möglich wie „Was brauche ich, um mein Kind taufen zu lassen?“ Hier wolle der Besucher keinen längeren Text lesen, sondern etwas über Voraussetzungen für eine Taufe wissen und einen Ansprechpartner vor Ort finden. Künstliche Intelligenz könne heute helfen, den menschlichen Kontakt zwischen Nutzer und Gemeinde zu verbessern oder überhaupt erst herzustellen.

In der Virtuellen Realität „ganz natürlich unterhalten“

Reimann ist überzeugt, dass sich Kirchen mehr mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen sollten, da die Gesellschaft immer mehr von ihr geprägt werde. Der Experte mahnt: „Wir sollten diese Fragen sozialethisch und theologisch reflektieren.“ Als Beispiel nennt Reimann das Rechtssystem in Amerika: In den USA etwa würden sogar Begnadigungen von Strafgefangenen über Künstliche Intelligenz vorbereitet. „Und da hat sich gezeigt, dass dieser Vorgang nicht diskriminierungsfrei ist, weil das System etwa Afroamerikaner anders beurteilt hat als Weiße.“ Aber auch um die Daten, die in der Kirche selbst zusammenlaufen, sollte sich die Kirche kümmern.

Auch das Thema Virtual Reality könne zunehmend wichtig werden. „Ich war kürzlich als Avatar bei einer Virtual Reality-Veranstaltung und habe mich dort sofort zurechtgefunden. Ich habe mit einer anderen Person Schach gespielt und mich ganz natürlich unterhalten können, ich hörte von hinten die Menschen, die hinter mir stehen. Ich habe sehr schnell vergessen, dass ich mich nur in einer virtuellen Realität befinde – ich konnte Menschen sogar per Handschlag begrüßen. In Pandemie-Zeiten eine Nähe, die es in der realen Welt nicht gibt.“ Reimann fügt hinzu: „Das ist eine Technologie, die bald allgemein verfügbar sein wird. Und wir müssen überlegen, wie sich diese virtuelle Welt zu unserer realen Welt verhält.“

Von: Jörn Schumacher

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