In der Webserie „God or Not“ leben drei kirchenferne Studenten einige Zeit lang in einem Priesterseminar

In der Webserie „God or Not“ leben drei kirchenferne Studenten einige Zeit lang in einem Priesterseminar

Webserie schickt Medienstudenten ins Priesterseminar

Für ein Experiment gehen drei kirchenferne Studenten für mehrere Monate in ein Priesterseminar und leben dort wie angehende Pfarrer. Ihre Erlebnisse teilen sie in der Webserie „God or Not“ auf YouTube.

Ferdinand, Sally und Florian studieren audiovisuelle Medien an der Hochschule für Medien in Stuttgart. Zusammen begeben die drei sich für sechs Monate in ein Priesterseminar der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Sie glauben nicht an Gott und haben persönlich keinen Bezug zur Kirche. Ihre Eindrücke und Erfahrungen des Seminars halten sie in einer Webserie auf YouTube fest: „God or Not – Entscheidungen im Priesterseminar“ heißt das Format. Alle zwei Wochen erscheint ein neues Video, zwölf Folgen sind insgesamt geplant.

Säkulare Jugend trifft auf Katholizismus

Die Serie ist zugleich ein Experiment. Ferdinand, Sally und Florian leben ein halbes Jahr lang genauso wie die Priester und erkunden, wie deren Ausbildung und Alltag abläuft. „Wir wollten ganz und gar so, wie wir gerade leben, in ein Priesterseminar gehen. Wir wollen unser Denken, unsere Klischees, unsere Vorstellungen ungefiltert mit der Realität konfrontieren“, sagen die Studierenden. Schnell stellen sie fest, dass es dort gar nicht so mittelalterlich zugeht wie angenommen. In dem Seminar treffen sie auf die vier angehenden Pfarrer Lukas, Christian, Antonio und Julian. Diese erzählen, warum sie sich im Jahr 2020 noch dafür entschieden haben, Priester zu werden. Die Konfrontation der Anfang 20-jährigen mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen führt zu anregenden Diskussionen, von denen die Beteiligten und auch die Zuschauer viel lernen können.

In den Kommentaren unter den Videos können die Zuschauer ebenfalls Fragen an die Protagonisten stellen. Etwa, ob die vier Jungs einen Generationenkonflikt in der katholischen Kirche wahrnehmen oder in ihrem Leben schon einmal eine Glaubenskrise durchlaufen mussten. Aber auch alltägliche Themen wie Alkoholkonsum oder Partnerschaften werden in der Serie angesprochen. Durch den offenen und ehrlichen Austausch möchte das Projekt mit Vorurteilen aufräumen.

Das Projekt trägt das Zentrum für Berufungspastoral (ZfB). Es ist nicht die erste Doku-Webserie in diese Richtung, die das ZfB fördert. In den vergangenen Jahren entstanden bereits zwei weitere Formate. Die Serie „Valerie und der Priester“ verfolgte eine junge – nach eigenen Angaben linke und emanzipierte – Journalistin, die in ein Pfarrhaus einzog und den Pfarrer in seinem Alltag begleitete. Die Reihe gewann 2017 den Christlichen Medienpreis „Goldener Kompass“ der Christlichen Medieninitiative pro. „Gott im Abseits“ zeigte drei junge Journalisten, die Mönche und Nonnen bei ihrer seelsorgerischen Arbeit mit Suchtkranken und Obdachlosen begleiteten. „God or Not“ wird eigenständig von den Studierenden produziert, die redaktionelle Freiheit genießen.

Von: Laura Kühn

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