Simon Birr ist Jugendpastor einer Freien evangelischen Gemeinde

Simon Birr ist Jugendpastor einer Freien evangelischen Gemeinde

Jugendpastor beantwortet heikle Fragen

Selbstmord-Gedanken, Satanisten, Hypnose, Exorzisten, Schweinefleisch-Konsum, „Schöpfung oder Evolution“. Das sind nur einige der Themen, denen sich Jugendpastor Simon Birr in seinem YouTube-Kanal widmet.

Der aus Hamburg stammende 35-Jährige Simon Birr, der seit 2010 als Jugendpastor der Freien Evangelischen Gemeinde Ewersbach in Hessen arbeitet, hatte schon immer ein Faible für die neuen Medien. 2005 gehörte er zu den ersten 10.000 WordPress-Bloggern weltweit und kann durchaus als „Gewinner“ der Corona-Krise bezeichnet werden. Vor einem Jahr begann er damit, auf YouTube einmal wöchentlich „Fragen mitten aus dem Leben“ zu beantworten – mittlerweile hat sein Kanal mehr als 520 Abonnenten, Tendenz steigend. Die zwischen zehn und 15 Minuten langen Botschaften werden lebhaft und zum Teil kontrovers diskutiert. „So soll es ja auch sein“, sagt der Theologe, der in seinen Beiträgen lebensnah, authentisch und alles andere als pastoral rüberkommt. „Mein Ziel ist es, Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu geben.“

Seine Zuschauer sind von diesem Format begeistert. „Dieses Thema Exorzismus hat mir immer Angst gemacht, halt durch diese Verschwörungstheorien. Danke, dass du mir die Angst genommen hast, durch die Aufklärung“, schreibt einer, ein anderer macht es ganz kurz: „Cooler Typ – cooler Kanal.“

Eigentlich ist es sein beruflicher Schwerpunkt, in persönliche Beziehung mit jungen Menschen zu treten, doch das ist in Corona-Zeiten natürlich schwierig. „Heute läuft vieles digital, zum Beispiel über Videokonferenzen, Instagram oder auch Snapchat“, weiß der 35-Jährige, der jetzt von seinen Vorkenntnissen profitiert. „Mein Ziel ist es, über moderne und aktuelle Wege den christlichen Glauben nach außen zu tragen, schließlich leben die jungen Leute heute regelrecht im Internet.“

Nutzer können anonym ihre Fragen stellen

Da genau will er seine „Zuschauer“ abholen. Interessant ist dabei, wie der Jugendpastor, der von 2005 bis 2010 an der Theologischen Hochschule am Kronberg in Ewersbach studierte, an seine Themen kommt. Er nutzt die App „Tellonym“, bei der Nutzer Nachrichten ohne Absender einsenden können. Über diese Methode erhielt der Pastor seit dem vergangenen Jahr bisher knapp 800 Fragen. Anfangs beantwortete er diese nur als Text.

„Da waren banale Fragen dabei, was mein Lieblingsgericht ist oder warum ich Pastor geworden bin“, berichtet Birr. Doch irgendwann landeten immer mehr theologische Fragen in der Mailbox, und der gebürtige Hanseat begann, immer sonntags ein YouTube-Video hochzuladen, in dem eine dieser Fragen beantwortet wird. „Es sind noch 20 Themen unbeantwortet“, schmunzelt er, vermutet aber, dass es weitere klärungsbedürftige Fragen geben dürfte. Auch eher ungewöhnliche Themen sind dabei, zum Beispiel, ob Christen Schweinefleisch essen dürfen. Angesichts der Corona-Krise kommen aber auch vermehrt Fragen auf wie: „Ist das Ende der Welt nahe?“ Gestellt werden sie von überwiegend jungen Menschen, aber auch von 60-Jährigen, die ebenfalls zu Birrs Zuschauern gehören.

„Viele Menschen sind verängstigt und suchen Hilfe und Orientierung“, weiß der Pastor, der gerne an den anschließenden Diskussionen teilnimmt, sofern diese auf fairer und freundlicher Ebene ablaufen. Besonders kurios wird es, wenn Verschwörungstheorien auftauchen und Menschen überall – unter anderem im Corona-Virus – klare Zeichen „für das Ende der Welt sehen“ (Birr). „Ich sage ganz deutlich, dass ich keine vermehrten Anzeichen für ein Ende der Welt sehe und dass es schlimmere Sachen gab und gibt – gleichzeitig ist es aber gut, dass wir endlich mal drüber nachdenken.“

„Ich rede nicht nur für Fromme“

Das von Birr genutzte Konzept gab es bereits, allerdings beantworten viele Pastoren, vor allem in den USA, die Fragen oft eher in der „Sprache Kanaans“, gefiltert für einen frommen Lebensstil. Das möchte Birr vermeiden: „Ich rede nicht für Fromme, sondern in Alltagssprache für alle Menschen, die mehr wissen wollen.“ Er freut sich über Rückmeldungen von Zuschauern, die überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben und ihm mitteilen, dass seine Beiträge oft eine echte Hilfe für sie sind. Einige Leute warten sonntags bereits darauf, dass ein neues Video hochgeladen wird. „Das ist wirklich schön und überraschend, schließlich war der Kanal eigentlich geplant für etwa 20 bis 30 Jugendliche aus dem Dietzhölztal.“

Birr ist es wichtig, keine tiefschürfende Theologie zu verbreiten und die Menschen mit Bibelstellen zu überrollen, sondern die Fragen spontan aus seiner ganz persönlichen Sicht zu beantworten. „Meine Antworten sollen authentisch sein, so, wie ich sie im Gespräch mit einem Gegenüber geben würde.“ Er wolle niemandem etwas aufdrücken, zu etwas überreden oder ihn gar mit Gewalt bekehren.

Natürlich müsse alles „theologisch Hand und Fuß“ haben, seine Aussagen seien aber „sicher nicht immer Mainstream“. Was auch in den teilweise kontroversen Diskussionen deutlich wird, die Birr erkennbar Spaß machen. „Es ist ein ganz großes Gut in unserer Gesellschaft, dass man eine Meinung hat und diese äußern darf, ohne dafür angegriffen zu werden.“

Maximal eine Stunde am Tag widmet sich Simon Birr seinem Hobby „YouTube und Social Media“. „Meine Beiträge sind keine vorgelesenen Predigten, sondern entstehen in Alltagssprache ohne riesige Vorbereitung, auch wenn sie natürlich fundiert sein müssen“, erklärt der Pastor, der sich ansonsten in seiner Freizeit der Fotografie und einem angesichts seiner Geschichte eher ungewöhnlichen Hobby widmet: „Ich gehe gerne raus ins Lahn-Dill-Bergland!“ Dann ist der erwiesene Multi-Media-Fan nicht mal mehr auf dem Handy zu erreichen.

Von: Ralf Triesch

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