Jugendlichen ist oft nicht klar, was sie anrichten, wenn sie bestimmte Inhalte über das Internet weiterverbreiten

Jugendlichen ist oft nicht klar, was sie anrichten, wenn sie bestimmte Inhalte über das Internet weiterverbreiten

„Soziale Netzwerke sind Brandbeschleuniger“

Kinder und Jugendliche verbreiten – oft leichtfertig – über ihre Handys kinderpornografisches Material weiter. Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt, dass es sich dabei um eine Straftat handelt, und reagierte mit einer Großrazzia. Sabine Vogt vom BKA sieht in der Verbreitung mittlerweile ein Massenphänomen und die sozialen Netzwerke als Brandbeschleuniger.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt (BKA) beobachten in den letzten Monaten vermehrt, dass Videodateien mit eindeutigen kinderpornografischen Inhalten von jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern über soziale Netzwerke im Internet – häufig sorglos – geteilt werden. Das BKA sieht darin ein akutes Problem und laut eigener Pressemitteilung ein „Delikt von internationaler Dimension“.

In den vergangenen sechs Jahren habe es rapide Anstiege der Hinweiszahlen gegeben. Das BKA warnt davor, die Straftaten zu bagatellisieren. Die Bekämpfung der Kinderpornografie habe einen hohen Stellenwert. Die Leiterin der Abteilung für schwere und organisierte Kriminalität, Sabine Vogt, bilanzierte, dass vor allem Minderjährige solche Inhalte oft verbreiteten, „ohne sich ausreichende Gedanken über den kinderpornografischen Charakter zu machen“.

„Umgehend löschen und nicht weiterleiten“

Die Weiterleitung passiere nicht aus einer pädosexuellen Motivation heraus, sondern erfolge unreflektiert. In Klassen-Chats würden die Bilder oder Videos häufig noch mit lustigen Emojis versehen. Für Vogt deutet das auf eine Verharmlosung hin. Die sozialen Netzwerke sieht sie als Brandbeschleuniger. Vogt appellierte an alle Internetnutzer, diese Dateien umgehend zu löschen und auf keinen Fall weiterzuleiten. Der Weiterleitung von Nacktbildern gehe die Polizei konsequent nach.

Gegenüber tagesschau.de erklärt Heidemarie Jung vom Verein „Dunkelziffer“, dass den Jugendlichen nicht klar sei, „was sie damit anrichten“. Wer solche Bilder und Videos verbreitete, werde als mutig, das Tun aber werde nicht als kriminelle Handlung angesehen. Die Kinderpsychologin, deren Verein sich für sexuell missbrauchte Jugendliche einsetzt, möchte ein Bewusstsein schaffen, dass es sich hierbei um Straftaten handele.

Pflichtfach Medienkompetenz

Unterdessen hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, gefordert, ein Pflichtfach „Medienkompetenz“ an Schulen einzuführen. Dort sollten die Schüler lernen, dass grundlegende Werte wie Menschlichkeit und Respekt auch in der digitalen Welt gelten. Laut früherer Studien haben zwölf Prozent von ihnen schon einmal sexualisierte Bilder verschickt und bis zu 38 Prozent solche Bilder erhalten. Vogt wünscht sich, dass Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders durch ihre Erziehungsberechtigten, aber auch durch Präventionsarbeit bewusst gemacht werde, „dass sie sich mit diesen Handlungen einer Strafverfolgung aussetzen“.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilt, hat sie im Zuge einer Razzia am Freitag Wohnungen in elf Bundesländern durchsucht. 21 Verdächtige im Alter zwischen 14 und 26 Jahren sollen Videodateien über soziale Netzwerke geteilt und verbreitet haben, die teils schwere sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen. Die Ermittler werten deren Smartphones, Tablets und Computer aus. 2010 hatte die Generalstaatsanwaltschaft die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität (ZIT) gegründet. Die Einrichtung ist nach eigenen Aussagen erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamtes für Internetstraftaten bei noch ungeklärter örtlicher Zuständigkeit in Deutschland oder bei Massenverfahren gegen eine Vielzahl von Tatverdächtigen bundesweit.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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